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Mit 1000 Kubik und 3 Zylindern durch die SaharaEine Ente und ein Motorrad unterwegs in Südost-Algerienvon Uwe Schmitz und Angelika BaumannZu den nachfolgenden Fotos möchten wir euch einige Geschichten und kleine Erlebnisse von unserer wunderschönen Reise erzählen:
Unser erklärtes Ziel war das Gebirge des Tassili N’Ajjer und die Oase Djanet. Von Tunis aus mussten wir 2200 km bis dorthin fahren, ein ewig weiter Weg, für den wir fünf ganze Tage brauchten. Immer der einzigen, nach Süden führenden Asphaltstraße folgend, überquerten wir endlose Plateaus, wo wir am Horizont die Fördertürme der Erdölbohrcamps sahen, und kamen durch das riesige Dünengebiet des Grand Erg Oriental. Hier verließen wir am Abend die Straße und fuhren einige hundert Meter bis an den Fuß einer großen Düne, um dort einen Schlafplatz zu finden. Kaum hatten wir einen von der Straße aus nicht einsehbaren Kessel entdeckt, war die Fahrt für mich zu Ende: Ich steckte mit der Ente tief im weichen Sand fest! Schnell raus aus dem Auto und Angelika gewunken, dass sie weiter rechts fährt; doch umsonst: gleich darauf steckte sie 50 Meter neben mir und kam kein bisschen mehr weiter. Immer das gleiche: Am Anfang der Reise hat man noch nicht das richtige Gefühl für den Untergrund und vergisst, früh genug den Luftdruck zu reduzieren, um die Reifenauflagfläche dadurch zu vergrößern. Wir befreiten noch das Motorrad aus dem Sand, die Ente jedoch blieb erstmal über Nacht so stehen, denn wir wollten, bevor es ganz dunkel wurde, noch etwas in den Dünen herumklettern. Am nächsten Morgen, nach unserem Enten-berge-Frühsport, freuten wir uns besonders auf das Frühstück, und das in dieser traumhaften Kulisse.
Endlich weg von der Asphaltstraße! Etwa 50 Kilometer vor Djanet beginnt ein selten befahrener Track, der uns quasi von hinten zu dieser Oase bringen sollte. Wir hatten die Koordinaten für diesen "kleinen Umweg" von Freunden bekommen, und nun waren wir begierig darauf, endlich offroad fahren zu können und mit den GPS-Geräten navigieren zu üben. Und nach anfänglicher Skepsis stellte sich die Routine wieder ein: Welchen Spaß hatten wir dabei, mit Schwung über die riesigen "Elefantenrücken" zu rollen und uns den Weg selbst zu suchen!
Wo geht’s denn hier weiter? Mit dem Moped bin ich da natürlich locker durch gekommen - zwischen Felsen und Baum; aber die Ente? Bis Uwe kam, hatte ich schon mal Ausschau nach ‘nem anderen Weg gehalten. Aber da wär’s höchstens noch über holprige Steinplatten rechts vom Baum gegangen. So ähnlich wie ‘ne Trailstrecke. Uwe guckte nur kurz aus dem Fenster und meinte, das würde schon passen. Dann ging’s im Slide um die Ecke, die Äste vom Baum haben ein wenig nachgegeben, und schwupp - stand die Ente schon wieder neben mir.
Der "kleine Umweg" entpuppte sich als schwierige Strecke mit felsigen Etappen und Weichsandpassagen. Uns fiel wieder ein, dass unsere Freunde mit einem großen Geländewagen unterwegs waren. Doch ich war gut gerüstet und hatte Sandbleche und eine große Aluschaufel dabei, mit der ich die Ente aus ihrer misslicher Lage befreien konnte. Als Lohn für die Mühe erlebten wir eine fantastische Landschaft, die das Herz jedes Fotografen höher schlagen lässt: Kontraste in schwarz, blau und gelb, und mittendrin ein roter Punkt: Meine kleine Ente!
Unterwegs in einer Bilderbuchwüste!
Jetzt ist der doch echt da hoch gefahren! Außen ‘rum wär’s auch gegangen; aber so’n bisschen Kick muss halt auch mal sein. Außerdem sah’s auf der anderen Seite ganz easy aus. Eben und nur mit wenig Anstieg ging’s bergauf. Also Schwung und nix wie hoch. Dann auf einmal: huch, nur noch Himmel, jetzt aber schnell anhalten, sonst benutzt man die Dünenkante nämlich als Sprungschanze. Aber auch nicht zu doll bremsen, sonst gräbt man sich selbst ein und sitzt erst ’mal fest. Na, da war ich doch gespannt, was Uwe aus der Situation macht. Über Funk teilte er mir mit, er wolle jetzt da wenden und wieder zurück fahren. Da hab’ ich mal heftig gelacht.... Und dann: ganz langsam kippte die Ente über die Dünenkante und rutschte, immer der Schwerkraft folgend, abwärts. Dann noch ‘n bisschen Gas, damit kein Purzelbaum draus wird, und schon stand sie wieder auf festerem Boden. Und weiter ging’s.
Übernachtet haben wir meistens an irgendeiner schönen Stelle in der Einsamkeit der Wüste. In Djanet waren wir jedoch auf dem Campingplatz, um wieder einmal andere Reisende zu treffen und mit ihnen zu plaudern und Informationen auszutauschen, und auch den Luxus einer warmen Dusche und eines Restaurants wussten wir zu genießen. Hier nutzte ich auch den kühleren Morgen, um den riesigen 82-Liter-Alutank, der passgenau zwischen den Rahmenenden montiert war, auszubauen, um nach der Ursache eines Problems bei der Spritversorgung zu suchen. Mehrmals schon wollte die Ente morgens nicht richtig anspringen; erst nach Durchpusten des Benzinschlauchs mit dem Kompressor bekam der Vergaser wieder genug zu trinken. Der gesamte Treibstoff aus dem Tank wurde in Kanister und Eimer verteilt, dann konnte ich den Tank abnehmen, und was sah ich darin: Dichtungsreste lagen als kleine Würstchen am Boden , die den Ausgang zur Benzinleitung verstopften! Nachdem der Tank gründlich gespült war, beeilte ich mich mit der Montage, damit das offen herumstehende Benzin endlich wieder eingefüllt werden konnte, da die immer höher aufsteigende Sonne allmählich dafür sorgte, dass es überall nach Sprit roch. Meine Belohnungs-Zigarette habe ich mir erst viel später angezündet...
...flache Ebenen ... ein einsamer Baum ... Hitzeflimmern zur Mittagszeit ... fern am Horizont die Berge des Tassili N’Ajjer ... einige Kugelfelsen aus Granit ... ... dieser Platz gefiel uns, um eine Pause zu machen. Den dritten Tag verbrachten wir nun schon in der weiten Landschaft südöstlich von Djanet, selten sahen wir die Spuren anderer Fahrzeuge, einmal nur zog ein Targui (Singular von Tuareg) mit seinen drei Kamelen stolz in einiger Distanz an uns vorbei, sonst begegneten wir keinem einzigen Menschen. Wir setzten uns in den spärlichen Schatten der Steine, nahmen einen tiefen Schluck aus der Plastikflasche mit lauwarmem Wasser, öffneten eine Dose mit marokkanischen Ölsardinen, dazu ägyptischer Feta aus dem Tetrapack, Tomaten, Zwiebel und ein Stück Baguette in der Konsistenz zwischen Gummi und Hartholz. Als Nachtisch hatten wir die Wahl zwischen Datteln, trockenen Keksen oder Pistazienkernen ... , oder von allem etwas ... ... und als Überraschung zog ich für Angelika noch eine Tüte voller Haribos aus dem hintersten Winkel meiner Ente!
Auf der "Straße" nach Amguid, einer winzigen Siedlung am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Pisten. Im Hintergrund das Bergmassiv des Tazat, Orientierungshilfe über viele Kilometer. Hier hatten wir gerade eine Balise entdeckt, ein zwei Meter hoher Eisenpfosten zur Markierung des Wegs, noch aus der französischen Kolonialzeit. Da wollte ich mich gleich daneben stellen ... , nein, ich freute mich über jedes bisschen Bewegung zwischen den vielen Fahrtzeiten am Tage. Abends, da liefen wir gerne noch in der weiten Landschaft herum, folgten Tierspuren in der Hoffnung, etwas zu entdecken, suchten in großem Umkreis um die Fahrzeuge nach Brennholz für ein ganz kleines Lagerfeuer, nach originellen Steinen oder prähistorischen Kleinigkeiten wie Scherben, Faustkeilen oder Muschelabdrücken ... oder kletterten auf den nächsten Hügel, um am Horizont die ersten Sterne zu finden.
Ja, warum steigt er denn jetzt aus? Traut er sich nicht oder will er seine Ente den Hang runter tragen? Da war’s nämlich ganz schön steil, viel mehr als man es auf dem Foto erahnen kann. Aber bergab ist die Ente ja bisher immer gekommen......
Der Erg Tihodaine, an dessen Ausläufern wir entlang fuhren, ist ein kleines Dünengebiet, wenig bekannt, doch traumhaft am Rande eines Gebirgsrückens gelegen, der über das Sandmeer hinaus schaut. Die Sandmassen speichern in ihrem Innern Wasser, von dem die vielen Pflanzen überleben können, die an den Rändern der Dünen wachsen. Schade, dass wir nicht mehr Zeit hatten, um an diesem paradiesischen Plätzchen ein paar Tage Einsiedler spielen zu können!
Wir haben das einsame und freie Leben in der Sahara auch auf dieser Reise wieder sehr genossen; machen zu können, was man will, wann man will, ganz frei von allen (z.B. Verkehrs-) Regeln und ( gesellschaftlichen) Zwängen; waren wir doch eine ganze Woche völlig allein, keine Menschenseele, ganz auf uns beide allein gestellt... Doch diese Freiheit ließ uns nicht die Verantwortung uns selbst gegenüber vergessen: Vorsichtig fahren, dass weder wir noch unsere Fahrzeuge zu Schaden kommen, sorgfältig navigieren, damit wir uns nicht hoffnungslos irgendwo verfahren oder uns verlieren, immer ausreichend Proviant und vor allem Wasser an Bord. Wir haben mehrmals Brunnen, die in der Karte verzeichnet waren, aufgesucht, weil wir wissen wollten, ob und in welcher Tiefe dort Wasser zu finden ist. Hier hatten wir gerade den Brunnen in der Afara-Ebene erreicht, zum Trinken brauchten wir das Wasser diesmal nicht, doch einmal ein wenig zu duschen war ein Genuss ... ...ebenso der Gedanke, noch in den trockensten Ecken der Wüste Wasser finden zu können...
Informationen zu unserer Reise: Reisezeit: 28.9.-28.10.2001 (4 Wochen) An- und Rückreise: Durch die Schweiz und Norditalien nach Genua, von dort mit der tunesischen CTN und dem Fährschiff HABIB (zurück mit der CARTHAGE) nach Tunis, über Kairouan, Gafsa, Tozeur zur tunesisch-algerischen Grenze bei Hazaoua/Taleb Larbi. Route in Algerien: auf Asphaltstrasse über El Oued, Touggourt, Hassi Messaoud, Hassi Bel Guebbour, In Amenas, Illizi bis Djanet, ca.200km offroad Richtung Südosten ins Oued Arrikine, 2.x Djanet, ca. 500 km offroad über die Amguidpiste, das Oued Ounane, Djebel Ounane, Erg Tihodaine, Afaraebene und wieder auf Asphaltstrassen ab Illizi den gleichen Weg zurück nach Norden. Fahrstrecke insgesamt: etwa 5500 Kilometer. Fahrzeuge: Citroen 2CV mit Visa-Motor (650ccm), Weber-5-Gang-Getriebe mit kurzer Übersetzung, verstärkter Rahmen, Federung von Acadiane, Brell-Gasdruckstoßdämpfer, Reifen 155/R15 (+2x Ersatz), 82-Liter-Haupt- und 46-Liter-Innen-Alu-Kraftstofftank. Suzuki DR 350 (350ccm) Einzylinder-Enduro mit 35-Liter-Kevlar-Tank, Geländereifen mit grobem Sandprofil von Michelin, Gepäckträgersystem mit 2 Alu-Gepäckkisten. Fahrzeug-Pannen: Druckstange des Stoßdämpfers löste sich vom Befestigungsauge, dieser Defekt konnte gleich an Ort und Stelle behoben (d.h. die beiden Teile dank intaktem Gewinde wieder zusammengeschraubt) werden; 2 Reifenpannen, einmal durch einen Akaziendorn, einmal durch grobes Gestein/Durchschlag (beide am Abend selbst geflickt); Tachowelle gebrochen, doch kein Problem, da zusätzlich ein Tripmaster (SIGMA-Fahrradtacho) montiert war. Motorrad ohne Pannen. Kommunikation während der Fahrt mit 2 Funkgeräten, Navigation mit GPS (Satellitennavigation) und topografischen Karten 1:200.000. Temperaturen: Anfangs tagsüber bis 43 Grad, doch kälteste Nacht bei 12 Grad. Benzinpreise: Ein Liter in Tunesien 1,08 DM, in Algerien 0,52 bis 0,60 DM. Die Menschen in Tunesien und Algerien : Fast immer total offen, hilfsbereit und sehr freundlich (das gilt auch für Polizei, Militär und den Zoll!) Mein letzter Gedanke beim Schreiben dieses Textes: Ich muss da bald wieder hin... nach oben weiter |
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