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Nachfolgender Bericht ist 1988 im Rundbrief erschienen. Wir bringen ihn hier noch einmal für alle, die noch nicht so lange dabei sind. Außerdem können wir nun endlich (nach 31 Jahren...) Farbfotos von der Mercedes-Ente zeigen! Oh Lord, won't you buy me a Mercedes Benz...Neulich besuchte ich das Treffen des Wiesbadener-Entenschwarms und sah dort einen 2 CV mit Mercedes-Haube. Beim näheren Betrachten wurde ich mit einem Stück Vergangenheit konfrontiert, handelte es sich doch bei diesem guten Stück um eine Haube, die ich 1971 hergestellt und irgendwann verschenkt hatte. Sogleich wurden Erinnerungen wach....
Das Ganze geschah 1971. Ich wohnte damals noch bei meinen Eltern in einer Wohnsiedlung. Unser Haus stand in einer Anliegerstraße, in der ca. 100 Fahrzeuge parkten, davon eine Ente und ein Mercedes. Der Mercedes-Fahrer wohnte ein Stockwerk über uns. Der Mercedes war der ganze Stolz seines Besitzers, und dementsprechend gab es jeden Samstagvormittag das gleiche Ritual. Punkt 9 Uhr kam er im Trainingsanzug, bewaffnet mit zwei Eimern Wasser und diversen Putzmitteln, aus dem Haus, um sich für die nächsten zwei Stunden seinem Auto zu widmen. Als krönender Abschluss wurde immer der Grill auf Hochglanz poliert. Daneben stand meistens meine Ente, die maximal zweimal jährlich gewaschen wurde. Nachdem ich das so einige Zeit beobachtet hatte und immer den etwas grimmigen Blick sah, wenn ich in die dreckige Ente stieg, kam mir die Idee, diesem stolzen Mercedes-Fahrer mal kräftig zu vera......! Nach einigem Umhören bekam ich eine Haube von einem alten Mercedes geschenkt. Dann noch eine alte Entenhaube besorgt, etwas Blech, einige Nieten und ab ging’s in den Keller. Dort wurde gehämmert und gesägt, gebohrt und gefeilt. Vom Lärm angelockt erschien prompt der Mercedes-Fahrer, um sich über den Lärm zu beschweren. Meine Antwort: "Ich habe etwas sehr Wichtiges zu arbeiten", versetzte ihn in Staunen, da ich in seinen Augen nur ein arbeitsscheuer Student war. Zum Glück war unser Keller rundherum zu, und vor der Lattenrosttür hatte ich eine alte Decke befestigt, damit er meine Arbeit nicht sehen konnte. Nach einigen Tagen war die Haube fertig. Unbemerkt schleppte ich sie aus dem Haus und brachte sie zu einem Freund, der sie lackierte, damit sie auch zur Ente passte. Dann wurde der Mercedesstern aus dem Emblem heraus gebrochen und die Doppelwinkel in den Kreis eingeklebt und an der Motorhaube befestigt.
Laut Wetterbericht sollte es ein schönes Wochenende geben. Freitag Abend blockierten wir mit einem anderen Auto den Parkplatz vor dem Mercedes. Um Mitternacht parkten wir die Ente so, dass sich beide Mercedes-Hauben in einem Abstand von zwei Metern gegenüberstanden. Um 8 Uhr 55 war es soweit. Ich kam im Trainingsanzug und zwei Eimern Wasser aus dem Haus und fing an, die Ente zu waschen. Das Wetter war tatsächlich gut, und es war angenehm warm, so dass viele Leute aus der Nachbarschaft am Fenster hingen, um mir zuzuschauen und der Dinge zu harren, die nun kamen. Um 9 Uhr kam er, pünktlich wie immer, im Trainingsanzug wie immer und mit zwei Eimern Wasser wie immer. Als er mich sah, pardon die Mercedes-Haube auf der Ente, blieb er stehen. Er wurde bleich, schluckte, verfärbte sich rot, kippte die beiden Eimer Wasser aus und schlurfte geschlagen, unter Beifall, Pfiffen und Gejohle der Nachbarn, zurück ins Haus.
Später fuhr ich mit der Mercedes-Haube bei Hochzeiten das Brautpaar, war ein paar Mal auf Treffen und baute sie dann auf einen AK um (siehe Fotos). Hier wurde sie mit Scheinwerfern von einem alten Mercedes verschönert und - dem Zeitgeist entsprechend - orange lackiert. Meine Studienkollegen riefen immer, wenn ich mit der AK kam: "Achtung, die Menningbüchs kommt!" Nach zwei Jahren trennte ich mich von meinem Kastenwagen, und die Haube verschwand im Keller. Dort lag sie einige Jahre, bis der Platz gebraucht wurde. Achtlos verschenkte ich die Haube. Der jetzige Besitzer, der mich an diese alte Geschichte erinnerte, bekam sie wiederum geschenkt. So zieht sie ihre Kreise. Wer weiß, vielleicht begegne ich ihr in einigen Jahren wieder... Klaus Otto Soweit der Bericht von 1988 (!). Vor zwei Monaten habe ich sie tatsächlich wiedergesehen. Sie ist nun auf einer schwarz/roten Charleston (unter der Haube sieht man noch die alten Farben) und steht in Wiesbaden-Bierstadt. |
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