Mit der Ente durch Afrika 1998-2000
Bilder einer langen Reise quer durch
den Schwarzen Kontinent
Erlebt, fotografiert, geschrieben von
Uwe Schmitz
Nach meiner ersten Afrikadurchquerung
1989/90, einigen von Euch vielleicht noch in Erinnerung durch
die Diavorträge "Durch die Sahara nach Westafrika"
und "Afrika von West nach Ost", war es für mich lange
Zeit ein Traum, auch das südliche Afrika kennen zu lernen und
runter zu fahren – bis ans Kap.
Ab Oktober 1998 konnte ich diesen Traum
schließlich umsetzen, mit meiner alten Ente und
Reisebegleiterin Gabriella ging’s los Richtung Tunesien. Als
Abschluss der langen Reise war "Tiwi2000" geplant,
eine große Milleniumsparty mit vielen Freunden und Bekannten an
der Tiwi-beach in Kenia. Doch bis dahin warteten noch viele
Abenteuer und Erlebnisse auf uns...
Hier sind nun einige Bilder zu sehen und
dazugehörige Geschichten zu lesen, diesmal über den
1.Teil: Von Tunesien über Libyen nach
Ägypten

Kaum sind die ersten paar hundert
Kilometer auf afrikanischem Boden gefahren, da traue ich meinen
Augen kaum: Viele, zum Teil wild aufgemachte Enten mit
französischen Kennzeichen tauchen in der kleinen Bergoase Mides
im äußersten Südwesten Tunesiens auf. Die Raid Tunisie 1998
ist unterwegs, 15 Tage haben die Franzosen Zeit, durch die
einsamen Ecken dieses Landes zu brausen. Wir kommen natürlich
ins Gespräch, schon 1995 sind wir uns einmal in diesem Land
begegnet, ich bewundere ihre tollen Fahrzeugumbauten, sie
beneiden mich um meine Reise und die viele Zeit, die ich dafür
zur Verfügung habe.

Das 98er Treffen des Saharaclubs am Toual
el Bibane, am Rande eines großen Dünengebiets etwa 60 km
südöstlich der Oase Douz. Wir haben uns einen etwas
höhergelegenen Stellplatz gesucht, mit schönem Ausblick auf
das Gelände, in dem wir nachmittags mit anderen Wüstenfreunden
zusammensitzen, Erfahrungen austauschen und Erlebnisse
erzählen, abends werden zwei Hammel gegrillt, und unser
Abschied wird gefeiert. In der Nacht geht dann ein Gewitter
nieder, wie wir es uns in der Wüste gar nicht vorstellen
können.
Der nächste Morgen: Wir warten noch,
dass das Zelt trocknet, da haben die meisten Leute den Platz
schon verlassen und mit ihrer Rückfahrt begonnen. Für uns
beginnt die Reise hier jedoch erst richtig, wir machen uns auf
den Weg nach Libyen!

Ein übliches Schild an Libyens
Hauptstraßen: Entweder versucht man seinen aktuellen Standpunkt
anhand der dort angegebenen Entfernungen im Vergleich mit der
Landkarte zu bestimmen, oder man muss ein wenig arabisch lesen
können!

In Libyen fahren wir nicht nur die
Küstenstraße Richtung Osten, sondern biegen etwa 300 Kilometer
weit nach Süden ab, um durch die Berge des Djebel Sawda und der
Schwarzen Harudj zu fahren, beide vulkanischen Ursprungs. Hier
ist es nicht einfach zu navigieren, und ich bin froh, mein
GPS-Gerät und gute Karten dabei zu haben. Und da wir ganz
alleine unterwegs sind, kommen wir uns doch manches Mal recht
einsam und verloren vor.

Waschtag in der Wüste! Obwohl wir in der
Ebene stehen, reichen drei Kilometer Abstand zur Asphaltstraße,
dass wir von dort schon nicht mehr zu sehen sind. Das Vorzelt
ist aufgebaut, und wir können uns in Ruhe mit dem Reiseführer
auf unser nächstes Land vorbereiten: Ägypten.

Nach fünf anstrengenden Stunden an der
Grenze ist die Einreise ins Land der Pharaonen geschafft; doch
bevor wir an den Nil fahren, möchte ich die einsame Oase Siwa
besuchen. Wir klettern durch die zerfallene Altstadt,
besichtigen die Reste des Orakeltempels, den schon Alexander der
Große vor 2300 Jahren aufsuchte, und wandern durch die riesigen
Oasengärten, die aus Hunderten von Quellen und artesischen
Brunnen bewässert werden. Hier machen wir Mittagspause am
Quellteich von Ain Quraishat.

Unterwegs auf der sandverwehten Piste von
Siwa nach Osten über die Oase Bahariya nach Kairo.
Ziemlich lange muss ich mit den Soldaten
verhandeln, bis ich die Genehmigung erhalte, diese über 400
Kilometer lange Wüstenetappe ohne Begleitfahrzeug befahren zu
dürfen. Ein in Siwa arbeitender Archäologe hatte mir den Tipp
gegeben, darauf hinzuweisen, dass wir mit voller
Wüstenausrüstung ausgestattet sind und sogar zwei Ersatzreifen
dabei haben, es soll wohl wegen vieler scharfkantiger Steine auf
der Piste häufig Reifenpannen geben.
Das zieht schließlich, wir dürfen
fahren und schaffen diese einsame, aber wunderschöne Strecke
ohne Probleme.

Von Kairo aus fahren wir eine Woche auf
den Sinai. Im Nationalpark Ras Mohamed an der äußersten
Südspitze der Halbinsel sind wir fasziniert vom Gegensatz
zwischen der scheinbaren Ödnis der Wüste und der einmaligen
Unterwasserwelt des Roten Meeres, die schon in Strandnähe zu
erleben ist.

Nach einer weiteren Woche im Kairoer
Trubel, Lärm und Smog freuen wir uns, wieder raus zu kommen,
hier nun in die Weiße Wüste. Einen ganzen Tag lang laufen wir
zwischen den Kalkfelsen herum und bewundern diese Kunstwerke der
Natur, die durch Winderosion entstanden sind.

Am Nachmittag finde ich zufällig die
kleine Steinpyramide wieder, die ich schon 1985 – bei meiner
ersten großen Reise nach Israel und Ägypten - entdeckt habe.
Mittlerweile fehlt das obere Stück, und ich versuche es
wiederherzustellen. Aber trotz vieler Zeit und Mühe will es mir
nicht richtig gelingen; die vier Kanten enden schließlich krumm
in einer exzentrisch sitzenden Spitze.
Was für eine gewaltige technische
Leistung muss also erst mal der Bau der großen Pyramiden vor
über 4000 Jahren gewesen sein...

In Kairo haben wir Wolfgang und Angelika
aus Berlin getroffen, die mit ihren Motorrädern Afrika
durchqueren wollen.
Unser nächster gemeinsamer Nachtplatz
liegt am Rande der Grossen Sandsee; aus der Ebene steigt der
erste Dünenzug empor. Dahinter liegt – auf einer Fläche von
300x600 Kilometern – das größte Dünengebiet der östlichen
Sahara und gleichzeitig eines der trockensten Gebiete der Erde.
Wir klettern in den Sandbergen herum und genießen die Weite und
Stille der Wüste.

Impressionen am Nil

Da die Ägyptische Regierung immer noch
Attentate auf Touristen befürchtet, werden alle touristischen
Einrichtungen von Militär bewacht, Reisebusse und ausländische
Fahrzeuge dürfen im Niltal nur im begleiteten Konvoi fahren.
So ist es auch mit dem Campingplatz
mitten in Assuan; und der Soldat, der unseren Schlaf bewachen
soll, besteht darauf, mit mir fotografiert zu werden...

Vor dem Start der Reise war mir noch
nicht klar, wie ich mit dem Auto in den Sudan kommen könnte.
Drei Wochen verbringen wir in Assuan, dort erfahre ich: Die
offizielle Einreise in den Sudan ist von Ägypten aus nur über
den Nasserstausee nach Wadi Halfa möglich. Fahrzeuge wurden
jedoch die letzten Jahre nicht transportiert, aber seit Ende
1998 soll das wieder mit Hilfe eines Pontons möglich sein.
Während wir warten und hoffen, dass
endlich ein Ponton mit Fracht beladen wird und wir samt der Ente
mitfahren können, passiert Unglaubliches: Nach und nach treffen
weitere Reisende in Assuan ein, die auch Richtung Süden wollen,
bis insgesamt acht Fahrzeuge – außer meiner Ente natürlich
alles Geländewagen – zusammen kommen und wir einen Ponton
für uns chartern.
So ein Riesenzufall! ... Und jetzt geht’s
an’s Verschiffen!
Einige Informationen zur gesamten
Reise
Reisedauer:
Oktober 1998 bis Januar 2000
Reiseroute:
Von Genua(Italien) nach Tunis mit der
Fähre Habib, durch Libyen nach Ägypten, weiter über den Sudan
und Äthiopien nach Kenia, über Tanzania, Malawi, Zambia nach
Namibia, über das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika,
Swaziland, Zimbabwe, Transit durch Mozambique, wieder nach
Malawi, über Tanzania zurück nach Kenia. Von Mombasa Ente im
Container zurück nach Hamburg, Rückflug nach Frankfurt.
Ganze Reise fast 43.000 km, davon über
11.000 km Pisten oder offroad.
Fahrzeug:
Citroen 2CV6 Baujahr 1987, Visamotor
650ccm mit reduzierter Kompression (wegen Benzin mit geringer
Oktanzahl), Weber 5-Gang-Getriebe mit verkürztem 1.Gang,
82-Liter-Aluminiumtank, verstärkter Rahmen, modifizierte
Federung, Reifen von Toyo 135/15 (+2x Ersatz) und viele weitere
Details.
Benzinverbrauch:
Durchschnitt der ganzen Reise 8,3
l/100km.
Benzinpreise:
zwischen 0,07 DM in Libyen und 1,45 DM in
Tanzania.
Dokumente:
Reisepass (mit arabischer Übersetzung)
mit Visa für Libyen, Ägypten, Sudan, Äthiopien, weitere Visa
wurden unterwegs besorgt, internationaler Führerschein und
Fahrzeugschein, Carnet de Passage (wird vom ADAC ausgestellt)
zur vorübergehenden zollfreien Einfuhr des Kfz, internationaler
Impfpass mit eingetragenen Impfungen (Gelbfieber oft Pflicht!),
Kreditkarte.
Orientierung:
Michelin Landkarten 953, 954, 955
(1:4Mio., Afrika kompl.), Russische Generalstabskarten 1:500.000
für Libyen, Fliegerkarten 1:1Mio. für Ägypten und Sudan,
weitere im Land gekaufte Karten, Garmin GPS
(Satellitennavigation).
Information:
Durch Afrika von K.Därr, weitere
Reiseführer von Reise-know-how und Lonely Planet (engl.),
Reisemagazin Tours, viele Tipps von anderen Reisenden auf
Treffen in Deutschland und während der Reise.
Kontakt von/nach D:
Briefe (hauptpostlagernd oder Deutsche
Botschaft), Post über Freunde in Namibia und Besucher dorthin,
e-mails über Internet, möglich in fast ganz Afrika !
Temperaturen:
Alles zwischen +3 Grad im Dezember in
Ägypten und 46 Grad am Turkanasee im Nordkenia.
Wer noch mehr wissen möchte und Fragen
hat: e-mail an mich: moulamoula@t-online.de
Bilder und Geschichten zur Fortsetzung
der Reise (hoffentlich!?!) in der nächsten Ausgabe vom citroënchen
Allzeit knitterfreien Flug und noch lange
Freude mit unseren fahrbaren Kostbarkeiten wünscht allen Lesern
Uwe Schmitz, der mit der roten
Afrikaente

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