|

Heft 6/2002, Artikel 4
Alles ist wahr !!!
Eindrücke von
meiner ersten USA-Reise
von MiXael
Es ist
wahr: die Freiheitsstatue steht NICHT
in New York, sondern in New Jersey!

Bisher
formte sich mein Bild der Vereinigten Staaten von Amerika aus
Film, Fernsehen und Büchern z.B.:
-
Alles
ist größer
-
Die
Amis haben von gutem Essen keine Ahnung oder
-
Alles
ist voller Warnschilder
-
Autos
unter 1,5 Liter Hubraum gelten als Rasenmäher
-
Die
Kühlschränke sind riesig, alles ist immer gekühlt, voller
Eis ... etc.
Alles
ist größer.
Ist
richtig. In der Schule hatten wir zwar die
Deutschlandkarte auf die USA-Karte gelegt, das war aber reine
Theorie. In der Praxis zeigt sich, dass ein 3 cm langes, gerades
Strichelchen auf der Karte von z.B. "North Carolina"
in der rauen Wirklichkeit 170 km geschlängelte Straßen durch
die "Backwoods" bedeutet. Hier tritt der gleiche
Effekt auf wie in Finnland, nach 50 km im Wald kommt ein Haus,
da wohnen Leute - aber warum? (Siehe Bericht von der Raid Laponie 2002).
Ein
freundlicher Park-Ranger, den wir in einem der zahlreichen
National bzw. State Parks trafen, meinte: "Hier im Osten
ist alles so gedrängt...,"

"....da
fährt man bloß stundenlang irgendwohin. Bei uns zuhause
im Westen in Colorado, da fährt man Tage!" - "Yes."
Die
Fahrzeuge sind größer
Das ist richtig.

Wenn so
ein 40-Tonner auf dem Highway vorüberdonnert, ist er schon 8
Meter an mir vorbei und ich kann das hintere Ende des Fahrzeugs
immer noch im Innenspiegel sehen!
"Limit
55 mph? Nää, 'schab ja was zu liefern"
"WITHOUT TRUCKS USA STOPS!"
Kann gut sein, also sagen wir: 75 mph (130 km/h)

Warum
allerdings manche Limousinen so "gestretcht" waren,
konnten wir nicht herausfinden. Vermutung: Die Herrschaften
möchten gerne den allzu nahen Kontakt zu Domestiken wie z.B.
Chauffeuren möglichst vermeiden oder auf ein noch erträgliches
Maß reduzieren.

(Anmerkung
des Setzers: für dieses Bild mussten wir erstmals die
Layoutgrenzen sprengen!)
Die
Häuser sind größer.
Ist wahr.
Naja, über New York muss ich nicht viel sagen, also nur zwei
Bildle.

Die
Amis haben von gutem Essen keine Ahnung
Hm, jein. Ich wurde vorgewarnt, dass
der Kaffee völlig ungenießbar sei. Stimmt nicht, es sei denn,
die Wahl fällt auf seltsame Sorten: "Vanilla-Chocolate-Flavor",
"Hazelnut-Flavor" bis hin zu "Eingeschlafene
Füße-Flavor". Der normale Kaffe ist gut, besonders an
Tankstellen. Dort ist er auch am billigsten.
Da ich
gerade bei Getränken bin: Ein Mitreisender verübte einen
heimtückischen Anschlag auf mich bzw. meine Geschmacksnerven:
Ich sollte mal einen Schluck "Root Beer" versuchen.
Die harmlose Bezeichnung ließ mich zunächst an Malzbier oder
so denken.
Dem
folgenden Entsetzen nach dem ersten (und letzten) Schluck ist
keine sprachliche Darstellung gewachsen. Denkt euch eine
Mischung aus Domestos-Reiniger, aufgelösten Klo-Steinchen und
Himbeer-Gummibärchen. Der Pappbecher war anschließend nicht
mehr zu gebrauchen!!

Die Sache
mit den Hamburgern ist in den Fastfood-Läden so wie in
Deutschland. In sog. "Diners" oder auch "Family
Diners" sind sie (und die Pommes und der Salat und ....die
Bedienung) meist besser, ich empfehle aber mexikanische
Restaurants wie "Rio Grande" in Jonesboro, Georgia.
Chinesische,
japanische, italienische Salat-, Nudel- und Pizzabuden gibt es
überall in den Städten, aber nicht hinten auf dem Land. Vom
Verzehr eines "Hot Dog" rate ich ab.
Alles
ist voller Warnschilder
(Schild: Bitte beachten Sie alle
Schilder!)
Richtig. Rund ein Drittel der Amis sind
Rechtsanwälte, die der anderen Hälfte helfen, die anderen drei
Viertel zu verklagen oder so.
Klartext:
Für Doofe, die nicht begreifen, dass ein heißer Kaffee heiß
ist oder wenigstens heiß sein KÖNNTE, steht auf dem Becher aus
Polystyrol oder Pappe immer drauf: "Warnung: Diese Tasse
könnte heißen Stoff enthalten!"
Der
Klassiker: auf jedem Außenspiegel - an amerikanischen Autos -
steht auf dem Glas: "Objekte im Spiegel sind näher als sie
erscheinen". Darauf wäre ich so ohne weiteres nicht
gekommen.
Etwas mehr
Sinn macht: "Die Brücke kann eher einfrieren als die
Straßenoberfläche" Hört, hört! "Rutschig, wenn
feucht" Klar, der erste, der im Supermarkt auf den Hintern
fällt und es steht kein Schild da, wird sofort auf mehrere
Millionen Schmerzensgeld klagen und höchst vermutlich Recht
bekommen! Auf einem Tütchen Erdnüsse stand auf der Rückseite:
Hinweis für Allergiker: "Vorsicht, könnte Nüsse
enthalten". Tja.
Auch auf
der Toilette wird man nicht über das korrekte Verhalten im
Unklaren gelassen.

Andere
Schilder waren da schon ernsterer Natur!

Autos
unter 1,5 Liter Hubraum gelten als Rasenmäher
Ist wahr. Ein
Pickup, noch vor Limousinen das Standard-Fahrzeug schlechthin,
hat normalerweise mindestens einen V6-Motor oder besser einen V8
mit 5 bis 7 Litern Hubraum (305er bis 427er) und so 300 PS,
Automatik, Power Steering, Klimaanlage. Damit lässt sich z.B.
total entspannt zum Friseur fahren. Energieverschwendung? Welche
Energie??

Wir
machten uns die Mühe, den Hubraum und den Verbrauch unseres
2CV-Motors auf amerikanische Verhältnisse umzurechnen. Hubraum: 37 cubic inches - Verbrauch: 39 miles per
gallon. Reaktion auf die Antwort: "Oh
mein Gooott", 2-Zylinder-Motor: "Ich kann es nicht
glauuuben!". Und immer: "Welches Jahr?" -
"1963" - "Gute Güüte!"
Allerdings
waren alle Reaktionen positiv und führten zu vielen netten
Gesprächen. Auch Harley-Davidson-Biker
winkten mit nach oben gerecktem Daumen. Wie jetzt? Gemeinschaft
der Zweizylindrigen? Nee, wahrscheinlich hat eher die
"Outlaw-Erscheinung" von Marlene gewirkt.

Die
Kühlschränke sind riesig, alles ist immer gekühlt, voller Eis
...
Stimmt. Zunächst
nervt es. In jedem nicht alkoholischen Getränk ist 50-70% Eis
drin. Manchmal auch im Rosé-Wein. Als ich das erste mal bei
einer Außentemperatur von 38°C - passend in T-Shirt und Shorts
gewandet - einen auf 18°C herabgekühlten Supermarkt betrat,
wünschte ich mir als erstes einen schönen warmen Schi-Anzug
und eine Wollmütze. Beim Verlassen des Etablissements:
"PAFF" Wieder der Hitze-Hammer in die Fr... Es hieß,
als Ausgleich sei das Gebäude im Winter auf 28°C geheizt
(innen)! Na also, geht doch. Die Sache ein bisschen
großräumiger betrachten!
Energieverschwendung?
Welche Energie??
Schließlich
ist es so weit, dass ich freiwillig nach Eis Ausschau halte,
denn das amerikanische Bier ist nur eiskalt zu genießen. Bier?
Welches Bier??
Die
Amerikaner sind sehr nett
Ist auch richtig. Überall wurden wir freundlich begrüßt. "Keep
smiling". Gut, das ist ein Standard; jedenfalls kann man so
sehr entspannt miteinander umgehen. Miese Laune sah' ich
nirgends, höchstens ein paar zurückhaltende Leute, die mit den
seltsamen Europäern nichts Rechtes anzufangen wussten. Lieber
einmal mehr lächeln. Es lohnt sich!
Ein
Hauptsport in Amerika ist sparen. Jedes zweite Wort in Läden
oder Supermarkets ist SAVE oder SAVINGS. "Kaufen Sie 3 zum
Preis von zwei!" "Wenn Sie die 10er Packung nehmen
bekommen Sie 33% mehr!" Buy 3, get 5!" In jeder gedruckten Werbung sind Coupons enthalten, die
leidenschaftlich gesammelt und dann bündelweise der armen
Kassiererin überreicht werden. Dass am
meisten gespart wird, wenn eine Menge Unsinn gar nicht gekauft
wird, hat sich noch nicht herumgesprochen.

Ja, wir
haben die "Family-Dollar"-Läden auch besucht; alles
kostet (jeweils) einen Dollar, vom Schreibset mit Kuli und
Bleistift bis zu Sardinen in der Dose (2 for 1 Dollar).
Eine
Geschichte muss ich unbedingt noch loswerden: Die letzten
zweieinhalb Tage verbrachten wir bei und mit unserer netten
Gastgeberfamilie in Georgia. Dort angekommen wurden wir von der
Dame des Hauses begrüßt, ins Wohnzimmer bugsiert, erhielten
jeder ein eisgekühltes Bier (s.o.), und der "small
talk" begann. Es folgte eine typische
"Hausfrauengeschichte", und zwar wie sie - die
Hausfrau - nachts auf einem Highway die Haupt-Hydraulikleitung
einer betagten DS reparierte, die sie gerade von Texas nach
Michigan fuhr!
BIM !!!
Für
Menschen, die Zahlen brauchen:
Alles in allem:
-
4000
km
-
17
US-Staaten* in 20 Tagen
-
243
Liter Kraftstoff für 86 US-$ (36
Cent/Liter)
-
Schnitt:
270 km/Tag (3 Tage Amherst ICCCR + 2 zusätzliche Ruhetage)
-
Übernachtungskosten
(Schnitt): 18 US-$ für 2 Personen (Camping)
-
Ca. 18
US-$/Tag für Essen/Trinken
-
Unn:
de Spaß all allähn!!!
MiXael,
Happy Ents Saarbrücken (Text)
Marlene, SB-CV26 bzw. 3580 AJM
Fotos: MiXael und Karsten
*)Nußfote:
Michigan,
New Jersey, New York, Massachusetts, Vermont, New Hampshire,
Maine, Rhode Island, Connecticut, Pennsylvania, Maryland, West
Virginia, Virginia, North Carolina, Tennessee, South Carolina,
Georgia.
Praktische Hinweise für eine
Reise mit dem eigenen Citroën in die USA gab es im Citroënchen
Heft 2/2002.

(c) 2002 by Citroënchen Wiesbaden
|