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22. Jahrgang - gegründet 1981

 

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Der Treffenplatz, die Festung und der Ort Vinadio
zum Panorama in guter Auflösung (Vorsicht, 193 kB!)

Achtung: Zum Betrachten der Bilder auf die kleinen Vorschaubilder doppelklicken!

Veni, Vidi, Vinadio

Bericht vom 15. internationalen Treffen der 2CV-Freunde in Vinadio, Italien

Das Ticket mit der Nummer "42" stand seit 2 Jahren bei mir im Regal. Es war die Antwort. Die Frage wurde nie gestellt. Zwei Anhänger fuhren mit uns per Anhalter durch die Galaxis. Einer hieß (M)ERDE und sollte nach Finnland. Deshalb habe ich ihn in Frankreich gekauft und in meinem Anhänger nach Italien gebracht. Den ich brauchte, weil ich in Modena eine Lieferung Winterreifen abholen musste. Das liegt ja fast auf dem Weg. Fast. Dazwischen liegen die Alpen. Soviel also zu der persönlichen, höchst unsinnigen Vorgeschichte.

Wegen des Wetters hätten wir nicht nach Italien fahren brauchen. Die gesamte Woche herrschten konstant 38°C. Meine Mutter nannte das früher "leicht erhöhte Temperatur". Auf dem Fieberthermometer. Mein Ölthermometer zeigte sehr häufig ebenfalls "leicht erhöhte Temperatur" von 130°C. Der Grund ist links zu sehen. Es diktierte bei den Passauffahrten unseren Pausenrhythmus. So sieht man wenigstens etwas von den Bergen. Der Motor hat überlebt. Brave Ente.

Navarra, Modena, Parma, Cuneo, Vinadio - wir nehmen uns ein paar Tage Zeit, uns an Italien zu gewöhnen. Historische Städte laden zu ausgedehnten Spaziergängen ein. In unbedeutenden Orten wird uns das beste Eiskrem der Welt von immer freundlichen Italienerinnen serviert. Der Zeltplatz ist voll? Kein Problem, zwei Autos werden beiseite gestellt, und schon haben alle Platz. Modena heißt nicht nur Ferrari, sondern auch Lambrusco. Den Guten gibt's nur hier, das Zeug für die Gäste wird nach Deutschland exportiert.... Und was täten wir ohne Parma, wo nicht nur der gleichnamige Schinken, sondern auch der Parmgiano-Käse erfunden worden sind. Ganz zu schweigen vom Espresso und vom Cappucino, der nirgends so gut schmeckt wie im Ursprungsland. Dafür keine Spur von Berlusconi. Überall wehen regenbogenfarbige Fahnen mit der Aufschrift "PACE" - FRIEDEN - aus den Fenstern. Auf dem Sommerfest der PCI wird zur "Internationale" Volkstanz getanzt, Menschen aller Altersgruppen feiern zusammen. Gerhard, du kannst ruhig nach Italien fahren. Vielleicht lernst du da noch was.

Schließlich erreichen wir Vinadio. Voller Spannung bringen wir die Anmeldung rasch hinter uns. "Immer links halten, dann findet ihr uns", hieß es von unseren Clubfreunden, die schon da waren. Nach zwei Stunden fanden wir sie - ganz rechts. Dafür an einer der schönsten Stellen des riesigen Geländes, im Schatten von Bäumen und nicht zu weit von der Hauptbühne entfernt. Da die Ausfahrt an unserem Camp vorbeiführte, sahen wir im Laufe der Tage fast alle der rund 4000 2CVs, die gekommen waren. In Worten: Viertausend! Jeder fand seinen Platz: In Festungsgräben, an 10 Meter hohen Mauern, auf Hängen unter Bäumen, auf trockenen (=staubigen) oder feuchten (=sumpfigen), aber flachen Wiesen. Der Blick vom spontan erklommenen Hausberg zeigte uns, dass noch Platz für weitere 4000 Enten gewesen wäre. 

Der Ort Vinadio war eine Woche völlig im Bann der Enten. Er drückte sich angesichts des riesigen Entendorfs schüchtern in eine Ecke der mächtigen Festung, deren Mauern das ganze Tal durchspannen. Doch die lokalen Händler ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Es gab jederzeit genügend panini, prosciutto, formaggio, tortellini, pasta, vino, tomate, gelati, cappucino, carburante und was das Herz noch begehrte. Sogar grüne Zuckerwatte. Auf dem spontan einberufenen Wochenmarkt am Rande des Geländes konnte man mit Haribo und gebrannten Mandeln glatt noch einmal zum Kind werden.

Da ich keinen halb leeren Hänger nach Italien ziehen wollte, beschloss ich, mich einmal als Flohmarktverkäufer zu versuchen. Ein buntes Sortiment aus seltenen Ersatzteilen und Enten-Devotionalien war schnell zusammengestellt. Es stellte sich heraus, dass die Entscheidung gut war: Der Flohmarkt fand täglich während der größten Hitze auf der Eisbahn statt. Nein, Eis gab es nicht, aber ein luftiges Dach spendete lebensrettenden Schatten. So konnte ich viele Leute beobachten, alle Bekannten und Freunde kamen mühelos bei mir vorbei und die Reisekasse wurde vorübergehend etwas aufgebessert. Bis ich sie jeweils bei meinen Nachbarn wieder ausgab. Vom Flohmarkt ging ein beruhigendes Gefühl aus. Es gibt noch alles. Die Ente wird nicht sterben. Im Gegenteil - täglich werden es mehr, und das 13 Jahre nach Produktionsende. "Und was macht ihr sonst so?" - "Wir kaufen uns gegenseitig unsere Sachen ab!". Wir spinnen, wir Entenfahrer.

Es gab weitaus mehr Programm als ich verarbeiten konnte. So kann ich nicht von den Wettbewerben berichten, die es gegeben haben soll. Jeden Abend spielten andere Barden auf - pro Besucher wurden schätzungsweise 5 bis 10 Watt Lautsprecherleistung bemüht. Das riesige Veranstaltungszelt kochte, und auf dem Vorplatz traf man sich bei lauen Sommernacht-Temperaturen zum Essen, Trinken und Quatschen.

Ein wichtiger Programmpunkt ist die Wahl des Austragungsortes für das übernächste Welttreffen. Würden die vielen Diskussionen im Vorfeld über ein Treffen in Deutschland fruchten? Starke Konkurrenz trat auf: Wir haben Sonne, Sangria, Strand und Mädchen satt, warb Spanien. Portugal, Luxemburg, Ungarn und - Schweden. Halt, Schweden? Gibt es da überhaupt Entenfahrer? Offenbar. Souverän gewannen die sympathischen Elche die Wahl.

Es zeigte sich, dass der Standort Vinadio in 900 Meter Meereshöhe ideal gewählt war. Während die Poebene und selbst Deutschland in brütender Hitze verkochte, kühlten wir uns in dem herrlich sauberen Gebirgsfluss ab, der den Treffenplatz an einer Seite begrenzte. Zeitweise sah das Geröllbett wie eine gefüllte Badeanstalt aus. Dadurch konnte der Ansturm auf die Duschen leicht abgemildert werden. Nur einmal regnete es für eine viertel Stunde, wahrscheinlich um den Staub etwas zu binden.

Was wäre ein Welttreffen ohne Schönheitswettbewerb. Nicht Miss Vinadio wurde gewählt, sondern die schönste Ente. Der Trend geht eindeutig zu handwerklich perfekt gemachten Umbauten. Stolze Besitzer präsentierten interessante, verrückte, geniale oder lustige Lösungen, wie man einen 2CV möglichst weit vom Serienzustand entfernen kann. Der Ferrarire soll entfernt an die Produkte aus Modena erinnern. Hinter dem rechten, klappbaren Rücklicht befindet sich der Tankstutzen. Risto aus Finnland hat als neuestes zeitgenössisches Zubehör das Straßenkreuzer-Rücklicht Modell "Las Vegas" an seine 9PS-Ente montiert. Sie ist übrigens auf eigener Achse nach Vinadio gekommen. Mit Hänger. Vor dem Eingang der Festung rotiert ein Lackmuster. Ein Michelangelo der Lackierer hat alle verfügbaren 2CV-Farbtöne auf einer Ente angebracht. Da hat es sich die Besitzerin der Rasenente einfacher gemacht: Flauschiger Kunstrasen schützt den Lack des Vorderwagens vor zu viel UV-Strahlung.

Viele weitere Anekdoten wurden erlebt und könnten erzählt werden. Eine besonders lustige habe ich noch: Der Zusammenbau des MERDE-Anhängers, der aus meinem Anhänger kam. Mit vereinten Kräften bewiesen Markku, Jukka und Michael ihren überragenden technischen Sachverstand. In nur 1 1/2 Stunden und mit Hilfe einer Palette Bier wurden die 10 Einzelteile mit 24 Schrauben vorschriftsmäßig zusammengefügt. (siehe Fotoreihe links). Um einen kleinen Gepäckhänger zu montieren, muss sich man bisweilen sogar darunter legen. Zur Belohnung wurde Jutta wie im römischen Streitwagen zum Finnencamp gefahren. Das Foto unten links zeigt die anschließende Wirkung von "Mushroom-Grappa" auf einen der Helfer.

Das obligate Superfinn-Treffen fand diesmal im Saale statt - in einem der vielen Gewölbe der Festung. Wir genossen den wohlschmeckenden (!) Enough-drink und kühlten unser Hirn an Bildern von der letzten Winterraid nach Lappland. Auch ohne Gletschereis war das Treffen ein voller Erfolg.

Alles geht einmal zu Ende, und so mussten wir Sonntag früh die 14-stündige Heimfahrt antreten. Ich ließ es mir nicht nehmen, die Tour de France-Strecke zu nehmen. Es war eine herrliche Rückfahrt durch die französischen Alpen. Bis zum Galibier trafen wir immer wieder Enten.

Wir danken den italienischen Freunden und allen Helfern, die dieses einzigartige Treffen möglich gemacht haben! Mille Grazie und Ciao bis in zwei Jahren in Schottland!

Text und Photos: Karsten Schreiber, Happy Ents Saarbrücken


PACE, in Englisch: PEACE

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