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Ausgabe 6/2003 vom 15.11.2003 22. Jahrgang - gegründet 1981 |
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20 Jahre Urschwyz-Treffen
des 2CV-Club Nidwalden Ja, das Urschwyztreffen war KALT. Aber frieren ist nicht alles. Weil frieren ohne Diplom ist was anderes als frieren mit Diplom. Wir haben diesmal ein Jubiläumsfrieren mit allen Auszeichnungen hingelegt: 20 Jahre Urschwyz! Schwyzer kommen langsam, aber gewaltig. Doch der Reihe nach. Freitag war bis zum Vierwaldstättersee noch ganz akzeptables Wetter. Sehr hohe Luftfeuchte, aber immer wieder Sonne und so 18 Grad. Wir haben eine lustige Wanderung zu einem "Chänzeli" nördlich von Stans durchgeführt. Es ging zuerst eine Straße in mehreren steilen Serpentinen einen Berg hoch bis zu einem Parkplatz. Der Blick über den See war bereits phantastisch. Unter führten 6 Motorboote zu unserer Begrüßung eine Formationsfahrt auf. Nach etwa 20 weiteren Minuten steilen Anstiegs erreichten wir das Chänzeli: Der Berg hörte einfach auf. Schluss. 500 m senkrechter Abfall, ebenfalls in den See, der auf fast allen Seiten des Berges vorhanden war. Er sah aus wie ein Sägezahn im See. Wir setzten den Spaziergang fort über einen Grat (rechts immer senkrecht in den See, links 60° Steilhang, wo wir hergekommen waren) zu einem Restaurant (wir hatten nämlich Hunger). Geplant waren ja nur 20 min. Spaziergang. Nach 1 Stunde erreichten wir den Berggasthof, der leider geschlossen hatte. Der Aufzug zum Restaurant war außen am Berg frei schwebend angebracht und führte über 137 m hinab zur Schiffsanlegestelle. So machten wir uns auf den Abstieg zum Auto, das - anders als unsere Taschen - prall mit Lebensmitteln gefüllt war. "Lass uns schnell den gleichen Weg zurückgehen," sagte die beste Ehefrau von allen. Natürlich gingen wir auf einem anderen Weg, wer geht schon gerne den selben Weg zurück. Der Weg setzte seine abenteuerliche Streckenführung auf dem Grat fort, diesmal bergab, um nach einer Weile in einen Fahrweg zu münden, der genau zu unserem Parkplatz führte. Der Fahrweg ging eine Stunde bergauf, wandte sich schließlich mit einer Kehre um 180° in die Gegenrichtung und hörte auf. Mitten am Hang, ohne Sinn und Zweck. Etwas zurück zweigte ein sorgfältig in den mittlerweile wieder 60° steilen Hang gesprengter, ebenso sorgfältig durch eine Schranke abgesperrter und fein mit Rasen bewachsener Fahrweg ab. Es begann zu dunkeln. Wir waren sterbenshungrig. Würden wir jemals lebend aus diesem verwunschenen Gebirge heimkehren? Der Rasenweg endete in einer Weide mit 80° Hangneigung. Weit unter uns sahen wir ein Gehöft. Menschen! Unsere Rettung! Doch es sah völlig anders aus als alle Gebäude, die wir bei dem Hinweg gesehen hatten. Vielleicht würden sie uns ein Glas Wasser und etwas Brot geben? Müde stolperten wir bergab über Pfade ohne Anfang und Ende, die sich das Vieh in den Hang gebahnt hatte. Der Fuß der Weide lag 100 m von unserem Ausgangspunkt entfernt. Schnell war der Parkplatz erreicht, Tisch und Stühle errichtet und ein fürstliches Abendessen aufgebaut. Ein Jogger trabte vorbei. Zwei gut gekleidete Herren mittleren Alters entluden ihre Golf-Caddys aus ihrem Porsche Cayenne und wünschten uns im Vorbeigehen guten Appetit. Der vorhin so einsam wirkende Parkplatz stand voll mit noblen Karossen. Ein paar Schritte weiter war ein Golfplatz dezent versteckt. So nah können Zivilisation und Wildnis sein... Am Treffenplatz zeigte sich das übliche Bild: Regen, feuchte Wiesen, ein leeres Schwimmbad, ein Fremdfahrzeugcamp auf dem Kraftwerksparkplatz vor dem Eingang und 30-50 2CVs und Derivate auf dem Zeltplatz. Wir trafen viele bekannte Gesichter und verquatschten den Abend bei Chaffi-fertig und Feldschlösschen-Bier. Das Veranstaltungszelt wurde diesmal vorsichtshalber IM Schwimmbad errichtet. Sehr konsequent! So floss zwar ebensoviel Wasser am Boden entlang, es verwandelte sich aber zumindest im Zelt nicht in Matsch. Samstag entflohen wir dem Regen nach dem Frühstück ins Tessin. Geschmückte Kühe mit Eimer-großen Glocken versperrten uns den Weg im Tal. Die Bauern müssen etwas geahnt haben, sie veranstalteten genau jetzt den Almabtrieb. Wir fanden tatsächlich das einzige Sonnenloch der nördlichen Südalpen in der Nähe von Airolo. Eine wunderschöne Wanderung am Ufer eines Stausees über der Baumgrenze krönte den Tag. Der gesamte Weg war während der gesamten Wanderung sichtbar. Dies verlieh uns Orientierung und Sicherheit. Ein Bagger kam uns entgegen. Lässig grüßte der Baggerführer und fuhr einsam in den Sonnenuntergang. Auf der Rückfahrt nach Oberrickenbach holte uns die versprochene Kaltfront mit Regen, Nebel und Kälte ein. Am Treffenplatz das gewohnte Bild. Wir hatten nur das Röschtikehren verpasst, das diesmal Bitze und Günne souverän gewonnen hatten. Zur Bowle kamen wir rechtzeitig. Sie wurde in einem Scheinwerfer bereitet und von unten beleuchtet. Um 20 Uhr war ein Höhenfeuerwerk angesagt. Der Regen wurde vorübergehend ausgeschaltet. In der Ferne erglommen rote und grüne Warnfackeln. Feuerwerk? Nun ja, was kann man schon erwarten von einem kleinen Club... Immerhin blikten die roten Fackeln, das war neu. Höflich verharrten wir, bis die letzte Fackel verglomm. Plötzlich explodierte das Feuerwerk in einem Stakkato von Raketen, begleitet von vielen "Aaahs" und "Oooohs". Knaller hallten lustig im Talkessel wider. Alle Felsen hielten, es gab trotz heftigster Detonationen nicht wie befürchtet einen Felssturz. Vielleicht waren deshalb viele Felsen am Berg festgekettet. Kaum war der Rauch verraucht, erwartete uns der nächste Höhepunkt: 11 Musiker der "Pilatus-Coverband" hatten sich auf der Nichtschwimmer-Bühne im Festzelt eingefunden. "We bring the band back together!" Zum 20. Geburtstag des Urschwyztreffens spielte die Werkskapelle der Pilatus-Flugzeugwerke auf. Die Bühne war mit Karnickeldraht abgeschirmt, allerdings nur bis in Hüfthöhe. Wir spielen beide Sorten, Rock and Roll. An den Keybords: Iwan vom Nidwaldener Döschiclub! Von den Blues Brothers ("I need you, you, you!") über Joe Cocker ("with a little help from my friends"), Deep Purple ("Child in time") bis zu den Stones ("Jumping Jack flash") reichte das Repertoire. Das Publikum kochte. Es sollte ein langer Abend werden. Sonntag hatten wir schon zum Wecken den Blues. Live und in Farbe: Die freundlichen Geldeintreiber trieben Geld ein, in kleiner Besetzung und mit mobiler Soundanlage. Vor jeder Nachtstatt gab es so lange Zugaben, bis eine Spende floss. Zurück in der Realität, rieben wir uns die Augen. Schnee bedeckte die Autos. Die Berge sahen aus wie Weihnachten. Das Thermometer schrammte knapp den Nullpunkt, immerhin von oben. Das wäre jetzt nicht nötig gewesen. Zeit zum Aufbruch. Die Rückfahrt verlief störungsfrei, und müde erreichten wir unser Heim, in dem die Heizung ausgefallen war. Doch das ist eine andere Geschichte, die wird ein andermal erzählt. Karsten Schreiber, SB-CV 911
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