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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
24. Jahrgang 2004 - gegründet 1981

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DS - besser als neu

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Reiseberichte 

Jahrestreffen des Citroenclub von San Francisco 

Nun ist die Kartoffel einmal da, nun wird sie auch gegessen. So oder so ähnlich lautet angeblich ein Gesetz der Wirtschaftswissenschaften, das sagen soll: Angebot schafft Nachfrage. Übersetzt auf 2CV: Nun ist unsere Ente "Marlene"  einmal in den USA, nun wird sie auch dort gefahren. Im November ist totale Nebensaison, also sind die Flüge billig. Da es "never rains in southern California", wie der Schlager zu berichten weiß, schert uns die Jahreszeit nicht und wir buchen einen Kurztrip nach Kalifornien.

Noch benommen vom Jetlag motteten wir Marlene, unsere 1963er Hybridente aus, wechselten Öl und Kontakte und zogen zwei neue Reifen auf. Nach 14 Monaten Standzeit waren die leicht entzündlichen Bestandteile des Benzins verflogen, so dass sie mit dem alten Sprit kaum richtig lief. Nach zwei bis drei Tankfüllungen hatte sich das Problem gegeben. Die Vorderreifen waren durch die Sonne Arizonas und Californiens so rissig geworden, dass wir sie durch zwei im Bordgepäck unter den argwöhnischen Augen des amerikanischen Zolls mitgeführte Michelines ersetzten.

Sofort am zweiten Tag gab es soziale Verpflichtungen: Das Jahrestreffen des Citroenclub von San Francisco stand an. Vor einem unscheinbaren Restaurant in den Hügeln oberhalb von San Jose versammelten sich bei strahlendem Sonnenschein rund 50 Citroenliebhaber aus der Region um San Francisco. Vom 11 CV über mehrere Enten, einen AMI 6, etliche DS bis zum CX waren nahezu alle Nachkriegsklassiker von Citroën vertreten. Als Gast wurde sogar ein Renault "LeCar" (amerikanische Version des R5) begrüßt. 

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US-Scheinwerfervariationen

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Auf dem Parkplatz bewunderten wir die Variationsbreite amerikanischer DS-Scheinwerfer und -Blinker. Keiner war so schön wie die Serienausstattung. Die schönste DS gehörte dem Club-Präsidenten, einem Holländer, der sie in Holland in einen Zustand besser als neu restaurieren lassen hatte. Trotzdem zog Marlene mit ihrer einundvierzigjährigen französischen Patina und dem aufgemalten Kennzeichen des Departement Loire mindestens genau so viele Blicke auf sich wie die DS im Zustand 1+.

In San Francisco begannen wir unsere Rundreise durch Californien und Nevada. Von unzähligen Eindrücken in San Francisco blieb mir besonders die mit Regenbogenfahnen geschmückte Straße erinnerlich. Toleranz Homosexuellen gegenüber ist hier - anders als in den übrigen USA - groß geschrieben. Ein bisschen Flower Power spürten wir hier immer noch.

USA2079_Antiques.JPG (94238 Byte)Auf dem Weg nach Südkalifornien passierten wir Christos Autofriedhof. Damit jeder gleich weiß, was es dort gibt, stand groß "CARS" über den verpackten Schätzen. Freunde klassischer Automobile kommen in Kalifornien auf ihre Kosten. In einem Land ohne Salz und viel Regen sind 30, 40, ja 50 Jahre für ein Auto mit etwas gutem Willen leicht zu erreichen. So antik ist unsere Marlene mit 41 dagegen gar nicht. 

Nach den Wolkenkratzern und dicht besiedelten Städten kam uns die Gegend östlich von San Diego wie eine andere Welt vor. In wenigen Stunden erreicht man vom Mittelmeerklima an der Küste Wüstenregionen, die zu den trockensten Nordamerikas zählen. Straßenplanung wird hier mit dem Lineal gemacht. Alle Stunde kommt ein Auto entgegen. Hier grüßen uns nicht nur Motorradfahrer, sondern sogar der Lokführer der Santa Fe Railroad, die uns neben der Straße entgegenkam. Marlenes Entenhupe wurde mit einem angemessenen "Muhuääp" aus der Zugfanfare beantwortet. Wir atmeten durch und genossen die Klarheit und Einsamkeit der Wüste. Und die Kälte. Nachts kann es im Winter auch in der Wüste Frost geben. Ein Lagerfeuer im Nationalgrill des Mojave National Monument schuf Treffenatmosphäre und bewahrte uns vor dem Erfrieren. In diesem Park liegt übrigens Kelso, benannt nach der gleichnamigen Stadt in Schottland und dem Austragungsort des 2CV-Welttreffens 2005. 

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Mitten in der Wüste liegt Las Vegas. Worte vermögen nicht zu beschreiben, was unsere kleinen, einfältigen Hirne dort verarbeiten mussten. Wir übernachteten zu einem fairen Kurs im Hotel "Excalibur". König Artus und die Tafelrunde feierten fröhliche Urständ', bunt und schmerzfrei vermischt mit allerlei mittelalterlich anmutendem Kitsch. 

Als wir morgens aufwachten, hatte Las Vegas ein Hotel weniger. Das "Desert Inn" von 1950 war über Nacht gesprengt worden. Es musste einem noch größeren, moderneren Hotel weichen. Manchmal werden auch zu Sylvester Hotels gesprengt. Dann kommen viele Schaulustige um zu beobachten, wie vor der Implosion noch ein Feuerwerk aus den Hotelfenstern abgeschossen wird. Ex- und hopp-Hotels. Geld spielt offenbar keine Rolex. Am Las Vegas Boulevard sind sowohl Paris als auch Venedig und New York nachgebaut worden. Überdacht, sauber, übersichtlich. 500 m weiter steht die Sphinx von Luxor. Vor der Rialtobrücke stand ein krachneuer Rolls Royce mit dem Kennzeichen "RIALTO". Was sonst.

USA3012_Fotospot.JPG (64464 Byte)Von Las Vegas wollten wir in das Tal des Todes fahren. Dies wurde uns höflich aber bestimmt von einem filmreifen Sheriff verwehrt, der uns glaubhaft versicherte, die Straße ins Death Valley sei auf sieben Meilen überschwemmt und weggespült worden. In der Wüste. Auf nichts ist hier mehr Verlass. 

Außer auf die Schilder. Mitten im Todestal, nachdem wir mindestens 2 Stunden eine atemberaubende Landschaft durchmessen hatten, wurden wir auf den offiziellen Fotopunkt hingewiesen. Er war jedoch erst in 1/4 Meile. Ein anderes Schild an einer Verkehrsampel erinnerte den Fahrzeugführer daran, alle Verkehrsschilder zu beachten. "Obey all signs". Das muss einem ja auch gesagt werden. Dass Behinderte von einem Betreuer des anderen Geschlechts auf eine öffentliche Toilette begleitet werden dürfen, ist jedoch so revolutionär, dass es den Behörden ein gesondertes Schild wert war.  

USA3044_sequoia.JPG (99868 Byte)Im Sequoia Nationalpark wurden wir ermahnt, die Bären nicht leichtfertig zu überfahren. "Slow down for wildlife". Wir fuhren eher wegen der gigantischen Bäume langsamer. Der größte Mammutbaum kann mit seinem Stammdurchmesser locker eine dreispurige Autobahn blockieren, wenn er es in den Kopf kriegt. Gut dass die "Giant Sequoias" eher von behäbigem Charakter sind.

Über die Golden Gate Bridge, die genau so lang ist wie "Born to be wild", kamen wir schließlich wieder nach San Francisco. Zwei Wochen waren viel zu schnell vorbei, doch sie hatten gereicht, uns wieder zahllose neue Eindrücke aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu bestätigen. Man kennt eh alles aus dem Kino. Oder um mit Michael zu reden: Es ist alles wahr. 

Karsten, HVDKL9

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