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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
24. Jahrgang 2004 - gegründet 1981

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Thailändisches Kennzeichen am 2CV

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Der erste 2CV

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2CVs in Laos

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Fiberglas-2CV

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Toyota-Motor an Mehari-Getriebe

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His Master's Voice

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So endeten das Häuschen...

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... und das Chassis im Acker

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Vert bamboo

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Beschlagnahme einer illegal importieren Oldtimer- Sammlung

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Der Autor

thai_charleston.JPG (170919 Byte)
In Teil 2: Restauration einer Thai-Charleston 

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Verliebt in den 2CV: Enten in Thailand

Wie ich den Deux Chevaux kennen lernte

Meine Heimatstadt ist in Nongkhai, einer kleinen Provinz im Nordteil von Thailand am Ufer des Mekong. Gegenüber von Nongkhai liegt Laos, dessen Hauptstadt Vientiene nur 24 km von Nongkhai entfernt ist. Als ich 10 Jahre alt war, schickte mein Vater mich in ein Dorf in der Nähe des Flughafens Wat Tai 5 km vor Vientiene als Monteur in einem kleinen Kraftwerk zur Arbeit. Ich arbeitete dort drei Monate, das waren die gesamten Schulferien. 

Laos war Teil der französischen Kolonien in Indochina. So sah ich viele 2CVs in Vientiene, aber auch Opel Kapitän. Faszinierend fand ich die Isettas von BMW mit der nach vorn öffnenden Tür. Die Einwohner von Laos waren sehr stolz, französisch zu sprechen. Sie nannten den 2CV Deux Chevaux, aber ich wusste nicht, was das bedeutete. Von den Leuten in Laos hörte ich, dass dieses kleine Auto überall hinfahren konnte: in das Gebirge von Laos, nach Laung Prabang, die ehemalige Hauptstadt ebenso wie ins Reisfeld oder in Diensten der französischen Armee nach  Dien Bien Phu in Vietnam. So lernte ich den Namen "Deux Chevaux" und sein Aussehen in Laos kennen.

Als ich ungefähr 16 Jahre alt war, schickte mein Vater mich nach Bangkok zur Schule. Jeden Morgen auf dem Weg zur Bushaltestelle sah ich ein sehr merkwürdiges Auto. Es sah wie Frosch mit hervorquellenden Augen aus. Der vietnamesische Mechaniker in diesem Laden bat in seine Werkstatt. Er erklärte und zeigte mir, wie die Hydraulikanlage der DS arbeitete. Dann zeigte er mir einen Deux Chevaux im Hinterhof. Von dem vietnamesischen Mechaniker lernte ich viel André Citroën und seine Vorstellungen von Autodesign. Ich war sehr überrascht, woher er all dies wusste. Ich fragte ihn, wo er herkam. Er sagte, er habe bei den Franzosen in Vientiene gelernt und seine Heimatstadt sei Nongkhai. Wir kamen aus der selben Stadt! Ich schaute jeden Tag bei dem Citroën Händler hinein und plauderte mit ihm über die Deux Cheavaux. Schließlich verliebte ich mich in dieses Auto aus Paris. Eines Tages musste ich eine Ente haben!

Mein erster Deux Cheavaux 

Nachdem ich Jahre als Ingenieur bei der Thailändischen Staatsbahn gearbeitet hatte, hatte ich gerade einmal genug Geld gespart, um mir ein kleines Auto leisten zu können. Der Deux Cheavaux kam mir wieder in den Sinn. Ich fragte mich, wo ich eine Ente bekommen könnte. Eines Tages kam mein Glückstag: Ich sah einen weißen 2CV, der in eine kleine Straße abbog. Ich folgte dem Wagen und fragte einen Nachbarn in der Straße, wer der Eigentümer des 2CV sei. Am nächsten Tag suchte ich ihn auf. Schließlich verkaufte er mir den schlechtesten von seinen drei 2CVs. Er war Rechtsanwalt und hatte in Frankreich studiert. Er hatte für jedes seiner drei Kinder von 2 Frauen einen 2CV beschafft. Er selbst fuhr eine Citroën ID 19. 

Ich hatte viel Ärger mit dem 2CV. Der Motor hatte wenig Leistung, eine schlechte Kompression und eine 6-Volt-Elektrik. Die Ente blieb mehr als einmal mitten im Verkehrsgewühl liegen. Es war sehr schwierig, Ersatzteile zu finden. Schließlich wollte sie ein ehemaliger Luftwaffenoffizier aus meinem Büro für seinen Sohn kaufen. Ich verkaufte sie zum gleichen Preis, wie ich sie gekauft hatte. 

Meine Fiberglas-Ente 

Während zehn Jahren bei der Staatsbahn konnte ich viel über Dieselmotoren von Maybach, Mercedes-Benz, Cummins, Caterpillar, und Getriebe von Voith und GE Westinghouse lernen und erfahrungen sammeln. Danach wechselte ich zur Druckerei der Bank von Thailand in Bangkok mit besserem Gehalt und Sozialleistungen. Der Citroën 2CV spukte immer noch in meinem Kopf herum. Doch die Regierung erließ ein Gesetz, das den Import von Gebrauchtwagen verbot, um die einheimische Autoindustrie zu stärken. Japanischen Autos waren weit verbreitet. Es war undenkbar, einen neuen oder gebrauchten 2CV zu kaufen. Was sollte ich tun, um trotzdem einen zu bekommen? 

Wieder hatte ich Glück - ein Nachbar in Nongkhai besaß einen Mehari, dessen Plastikaufbau durch zahlreiche Unfälle völlig defekt war. Er hatte weder Reifen noch einen Motor. Er schenkte mir die Reste des Mehari, und ich brachte das Chassis und die übrigen Teile mit einem LKW nach Bangkok. Ich traf den Rechtsanwalt wieder und bat ihn, mir eine neue 2CV-Karosserie zu verkaufen. Er lehnte absolut ab, erlaubte mir aber, die Karosserie mit Fiberglas zu kopieren. Leider wusste ich nichts über Fiberglas. Ich ging zur Hochschulbibliothek und fand Lehrbücher über die Verarbeitung von Fiberglas. Die Leute bei BASF, CIBA, Asahi und Sumitomo waren ebenfalls sehr hilfsbereit. Jedes Wochenende nach der Arbeit werkelte ich an dem Fiberglasprojekt. Es dauerte ungefähr 8 Monate, die Karosserie aus Fiberglas nachzubilden. 

Der Motor 

Bangkok Paris, ein Citroen-Händler in Bangkok, bot mir eine neue Maschine zu einem Preis an, der das Fünffache meines Monatsgehalts war. Das konnte ich mir leider nicht leisten. Ein Mechaniker flüsterte mir ins Ohr, ich solle mir mal den AK in der Werkstatt ansehen. Er hatte einen luftgekühlten 700er Toyota-Motor. Nachdem ich mit dem französischen Manager gesprochen hatte, erlaubte er mir, in den Motorraum zu schauen. Zwischen Motor und Getriebe war eine ungefähr 10 Millimeter starke Stahlplatte angeordnet, die die Toyota-Maschine mit dem AK-Getriebe verband. Zwei Wochen später war mein Antriebsstrang fertig: Ich hatte einen 800-ccm-Toyota-Motor mit dem Mehari-Getriebe verbunden. Der 800er Toyota-Motor kostete mich damals ungefähr 100 Euro. Ein Jahr später fuhr ich mit meinem Hybrid-2CV mit über 110 km/h durch die Straßen von Bangkok. 

Ernste Probleme

Staub vom Fiberglas-Schneiden ist ein ernstes Problem. Er dringt in jedes Zimmer des Hauses ein und juckt ungemein auf der Haut. Die Glasfaserpartikel reizen den ganzen Körper, wenn man mit ihm in Berührung kommt. Meine Frau warf den Galsfaser-2CV schließlich aus dem Haus. Es war die schlechteste Zeit in meinem Leben. Ich schaffte die Ente zu einem Freund, doch er verbannte meinen geliebten 2CV schließlich auf ein Reisfeld. Nach 3 Jahren im Reisfeld war alles kaputt. Letztes Jahr forderte der Reisbauer mich auf, den 2CV zu entfernen. Ich bat einen gut befreundeten Taxifahrer, ihn herauszuschleppen. Er fand viele Cobras bei der Schleppaktion. Mir blieb nur die Toyota-Maschine, das Getriebe und die Mehari-Teile, die über dem Wasserspiegel waren. Kein 2CV mehr, kein deux cheavaux mehr - ich hatte Tränen in den Augen. 

Treffen mit einer Charleston-Ente

Als ich mit Freunden von der Eisenbahn Tennis spielte, erzählte mir der Schwiegersohn eines Lokomotivführers, dass er etwas wie einen Citroen 2CV in einer Werkstatt nahe dem Flughafen gesehen hätte. Ich glaubte ihm kaum, musste aber hinfahren und nachschauen. Man glaubt nur was man sieht. Eines Tages fuhr ich zu der Werkstatt und fand einen alten, völlig von Schleifstaub bedeckten 2CV. Die Sekretärin erzählte mir, dass ein Hochschullehrer das Auto vergangenes Jahr zur Restaurierung hergebracht hätte. Ich fragte sie, ob er es vielleicht verkaufen wollte. Sie sagte, dass ihr Mechaniker nicht viel Zeit hatte, die Lackierung fertigzustellen. Ich könne ja meine Telefonnummer hinterlassen, und wenn der Dozent gelegentlich vorbeikäme, um nach seinem Wagen zu sehen, würde sie ihm von meinem Wunsch erzählen. Ungefähr 4 Monate später rief mich ein Herr an und erklärte mir, dass er der Eigentümer der Charleston-Ente sei. Seit er zum College gegangen sei, habe er ein solches Auto gesucht, und vor drei Jahren habe er es schließlich in einem nahezu schrottreifen Zustand gefunden. Er fügte hinzu, er wolle es nie verkaufen. Gott seid Dank, denn wir sind jetzt gute Freunde. Ich gab ihm meinen Toyota-Motor und das Mehari-Getriebe und erlaubte ihm, alles zu nehmen, was er von meinem Fiberglas 2CV noch gebrauchen konnte. Außerdem gab ich ihm die Riemenscheibe, Türschlösser, Fensterverschlüsse, Scheinwerfer und einige Lager, die ich über 20 Jahren gesammelt hatte. Er wohnt in Bangkok und beschafft mir Ersatzteile, wenn ich etwas brauche. 

Vert Bamboo

Beim Internet-surfen stieß ich letztes Jahr auf eine Verkaufsanzeige für einen grünen 2CV6. Das Auto war in einem ausgezeichnetem Zustand, allerdings ohne Kennzeichen. Ich rief den Eigentümer an, um mehr Einzelheiten und den Preis zu erfahren. Ich willigte sofort ein, die Ente zu kaufen. Zum vereinbarten Termin zur Eigentumsübertragung erschien der Verkäufer jedoch nicht bei der Behörde. Mir kam der Verdacht, dass der 2CV illegal nach Thailand importiert worden war. So verfolgte ich die grüne Ente nicht weiter.  

Ein Jahr später rief mich ein Freund aus Chiengmai an, "ein Bambus-grüner 2CV6 sei bei einem Händler zu verkaufen. Ich rief den Verkäufer sofort an. Er erklärte, ein Arzt hätte den Wagen von einem Auslandsaufenthalt mitgebracht und legal importiert. Ich fragte ihn nach Details, die ich von der Internet-Anzeige wusste, z.B. die Reifenmarke und wie gut die Maschine war. Seine Angaben stimmten nicht mit den Photos, die ich ein Jahr vorher von dem Wagen gemacht hatte, überein. Er waren ein Lügner. Ich bat einen meiner Freunde in Chiengmai, die Geschichte des Autos zu überprüfen. Sie fanden heraus, dass der Wagen bereits fünf mal den Besitzer gewechselt hatte und dabei von Bangkok nach Chiengmai geraten war. Schließlich stellte ich fest, daß dieses Auto nicht durch den Zoll legalisiert war. Das Auto kann also jederzeit konfisziert werden, und der Besitzer hat sein Geld verloren. Ich habe noch einmal versucht, dieses Auto zum Ausschlachten zu einem niedrigen Preis zu kaufen. Der Besitzer glaubte mir jedoch nicht. Ich ließ ihn ...

Text und Fotos: Virat Silapasavat, ins Deutsche übertragen von Karsten Schreiber

In Teil 2 wird Virat von der Restaurierung der Charleston-Ente seines Freundes berichten. 

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