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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
23. Jahrgang 2004 - gegründet 1981

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Happy Ents Saarbrücken

www.happyents.de

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Reiseroute Saarbrücken - Nordkap - Saarbrücken

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Vorbereitung der Enten

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Start in Saarbrücken: Raid Laponie vom ersten Meter an

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Michael träumt von einem 2CV mit Edelstahl-Bodengruppe

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Post-Hundertwasser'sches Milchkannen-WC

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Flug-Restaurant in Tschechien

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Waldcamping bei -2°C: Kein Problem

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Stilleben mit Trecker und 2CVs in Ostpreußen

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Vier sehr interessierte Studentinnen interviewen uns in Riga über das Bild, das wir von Lettland haben.

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Internationales Treffen von 2CV-Freunden in Riga

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Wenn Winterreifen wirklich wichtig werden...

Der Sinn des Lenkrads, oder warum fad und aufregend eigentlich gleich ist

Prolog

Wir haben Raid lag. Wie jet lag, nur ohne Flugzeug. Raid lag (engl.): Allgemeines Unwohlsein in der normalen Umgebung nach dem Ende einer Raid. Nach drei Wochen war der Ausnahmezustand zum Normalzustand geworden, und der Alltag wurde zur Herausforderung. Doch der Reihe nach.

Zu lange Etappen, zu kalt, zu einsam, war schon mal im Winter dort - es gibt Gründe genug, NICHT auf die Raid Laponie mitzukommen. Erst in Australien wurde ich auf der Suche nach einem Beifahrer fündig. Er würde in Riga (Lettland) zusteigen, einigten wir uns. Wo sonst. Und nach Lettland fährt man von Saarbrücken gemeinhin über Wien. Die weitere Route ergibt sich zwangsläufig, indem man von Wien ausschließlich nach Norden fährt ("always heading north", wie der Superfin sagt).

Wir würden zehn Länder durchfahren, elf Grenzen überqueren, davon 4 EU-Außengrenzen und 4 sonstige internationale Grenzen, 8 Währungen durcheinander bringen und acht Sprachen nicht verstehen. Wir wollten auf dem Landweg nach Helsinki fahren. Einmal haben wir dann doch gemogelt, als wir von Tallinn die Fähre über den Finnischen Meerbusen nahmen. 

Vorbereitung

Drei Wochen Vorbereitung der Enten lagen hinter Michael und mir. Eigentlich braucht man gar nicht viel zu machen, dass ein 2CV auch bei -30°C gut anspringt und gut heizt. In absteigender Reihenfolge der Wichtigkeit wären folgende Maßnahmen zu empfehlen, alle anderen Maßnahmen bringen nicht viel mehr Zusatznutzen: 

- vollständig geschlossener Winterschutz vor dem Kühler
- elektronische Zündung, Batterie mit 60 Ah, Lichtmaschine mit 40 A
- Motoröl 0W40, Getriebeöl 75W90, Bremsflüssigkeit wechseln
- Isolierung des Dachs und des Fahrzeugbodens mit 10mm Isomatten
- Kapselung des Motorraums, Abdeckung des Ölkühlers, Ölthermometer
- Ventilatoren in den Heizungsschläuchen
- Abtrennung hinter den Vordersitzen, dass nur der halbe Raum geheizt werden muss, z.B. aus 1 mm dickem durchsichtigem Makrolon aus dem Baumarkt
- Motor- und Bremseninspektion (neue Kerzen, Kontakte, Bremsbeläge)
- gute Winterreifen, für Skandinavien mit Spikes oder Lamellenreifen
- Vergaser und Kraftstoffleitungen von Wasser befreien, z.B. mit speziellem Benzinzusatz (methylalkoholhaltig, in Skandinavien überall erhältlich).

Von einer Standheizung halten wir nichts. Die meisten Zusatzheizungen sind bei -25°C eingefroren, haben aber den Aktionsradius durch den zusätzlichen Benzinverbrauch stark eingeschränkt.

Ich vertrete die Philosophie des Gepäck-Minimalismus. Man braucht fast gar nichts auf einer Raid. Die meisten Leute nehmen viel zu viel Zeug mit und wundern sich dann, dass ihre Ente nur noch 70 km/h fährt und 9 l/100 km verbraucht. Das sollte mir nicht passieren. Mein Gepäck passte in eine kleine Reisetasche. Hinzu kamen nur noch ein paar Kleinigkeiten, meist für Andere.

Die Gepäckliste von Strawberrix, meiner Winterente, konnte sich sehen lassen: 10 Kompletträder mit Spikesreifen (davon 4 bis Helsinki für ein holländisches Team), eine kleine Kiste Ersatzteile (unentbehrlich), eine kleine Werkzeugkiste  (unentbehrlich), eine Palette Bierdosen (für Skandinavien absolut unentbehrlich), eine Kiste Wein (Gastgeschenke für Besuche), ein Marmeladenglas des scheußlichsten alkoholischen Getränks, das es bei uns gibt (kein Gift, für den Enough drink), eine Landkartentasche (groß, unentbehrlich), vier Mini-Wörterbücher (kaum gebraucht), ein Geldbeutel (dick), eine Reisetasche (klein), vier Packungen Mondamin-Mehlschwitze (dunkel) und ein Toilettenspülkasten (einfach). Ich reise nie ohne Toilettenspülkasten. In Finnland gibt es weder Mehlschwitze noch Kunststoff-Toilettenspülkästen. Da kommt man schon mal zu ungewöhnlichen Gastgeschenken.

In Riga stiegen zu: 1 Beifahrer (schwer), 2 Reisetaschen (groß), 1 Bordcase (normal), 1 Dachgepäckträger DS (demontiert), 1 Fußmatte für 2CV, 1 Plastiktüte (groß) mit feinsten lettischen Lebensmitteln, 2 Flaschen australischer Rum (overproof), 6 Flaschen australischer Wein, 1 Flasche Riga Balsam (scheußlich). Eine Ente hat mehr Kofferraum als so mancher moderne Kombi. Der durchschnittliche Benzinverbrauch lag bei 6,5 Litern/100 km. Die Straßenlage war satt, ich hatte die Federung etwas strammer eingestellt.

Ausholen zum Start

Wenn die NASA einen Satelliten zum Mars schickt, fliegt er zunächst in die entgegengesetzte Richtung, um dann mit Schwung aus der Erdanziehung wegzukommen. Wir holten weit nach Süden aus, um dann mit Schwung nach Helsinki in die Umlaufbahn um die Ostsee zu fliegen.

Unser erster Stopp waren die Hoffmann-Werke in Hohenfurch, Allgäu. Wir besichtigten die Produktionsstätte der berühmten Hoffmann-Cabrios und der nicht minder wichtigen Edelstahlrahmen und Bodengruppen für den 2CV. Tief verweht im Pulverschnee (ich musste an Lappland denken) fanden wir schließlich die Trutzburg gegen die Korrosion. Wolfgang Hoffman bereitete uns einen herzlichen Empfang und zeigte die Fertigung der GFK-Kotflügel und der Edelstahlrahmen.

Mit dem CB-Funkgerät vertrieben wir uns die langweilige Autobahnfahrt. Ein Trucker kam in unseren Kanal. "Ich habe zu Hause auch einen 2CV. Wohin fahrt ihr?" - "Helsinki." - "Was macht ihr da?" - "Zum Nordkapp fahren." - "Cool!".

Auf dem Weg nach Wien nahm bei Salzburg die Motorraddichte immer mehr zu. Es war Elefantentreffen am Salzburgring. Wir trafen zwei Motorradfahrer aus Italien (Außentemperatur: -2°C), die letzten Winter in Oslo waren. Wir dachten, wir wären cool....

Ein Schild informierte uns über den Knoten Linz. Der Knoten in der Autobahn ist der Grund für den immerwährenden Stau an dieser Stelle. Linz preist sich als Erlebnisstadt an. Wir lernten: Im Winter sind hinter Müllautos alle Autos grau. Ein weiteres Schild warnte vor der Falschfahrereinrichtung. Ein drittes forderte uns auf, bei Nebel Punkte zu beachten. Österreich hat viel mit Deutschland gemeinsam. Außer der Sprache.

Wien beherbergt allein aufgrund der für Österreich völlig unangemessen hohen Einwohnerzahl eine freundlich große Zahl von 2CV-Fahrern. Ein Muss für mich war der Besuch unter Kollegen. Mit Martin Strubreiter, dem Chefredakteur des Narizin des OECC, verbinden mich zahlreiche gemeinsam publizierte feuilletonistische 2CV-Artikel. Neben der obligaten Besichtigungstour durch Martins sehenswerte Schrottschätze faszinierte mich persönlich am meisten die vom späten Hundertwasser beeinflusste Milch-Toilette in seinem Haus (siehe Foto). Leichter Neid kam auf, als ich von der Entendichte nahe der französischen Grenze berichtete. "Mit voller Hose ist gut stinken," merkte dazu der 2CV-Nachschub-arme Wiener an. "Wer im Saarland sitzt, braucht nicht mit Enten zu werfen!"

Während die EU zusammenwächst, führten Glasnost und Perestroika östlich des Eisernen Vorhangs zu einer bemerkenswerten Anhäufung souveräner Staaten. Mit dem Verlassen der EU stieg die Zahl der Grenzkontrollen pro Tag rapide an. Wir taten jedem der schönen Länder Unrecht, einfach nur durchzufahren. So legten wir wenigstens punktuelle Stopps ein. Tschechien bestach durch spärlich bekleidete Mädels am Straßenrand (es war Winter, die Mädels waren wider Erwarten nur auf Werbeplakaten abgebildet), durch gutes Essen und bestes Bier. Schade, dass wir noch fahren mussten. Die Restaurants befanden sich in Flugzeugen, die geschlossen waren.

Reisen bildet. Selten habe ich in so kurzer Zeit so viele Vorurteile über den Haufen geworfen wie in Polen. Obwohl Polen nicht wie Ostdeutschland die Segnungen eines Solidarbeitrags erlebt hat, ist die Modernisierung der letzten Dekade unübersehbar. Baumärkte, Einkaufszentren und Discounter uns wohl bekannter Ketten säumen in den großen Städten die gut ausgebauten Ausfallsstraßen. Wir besuchten eine polnische Familie in einem kleinen Städtchen im ehemaligen Ostpreußen. Selten sind wir im Ausland so herzlich und gastfreundlich aufgenommen worden wie hier. Keine Tür war verschlossen. Es wurde ein langer Abend. Bojan und Goran, unser 2CV-Team aus Kroatien, tauchten zusammen mit Ewa, unserer Gastgeberin, mit viel Gelächter und Heiterkeit in die Gemeinsamkeiten der kroatischen und der polnischen Sprache ein.

Nördlich von Warschau wandelte sich die Landschaft. Plötzlich spürte ich: Wir sind im baltischen Einflussbereich. Je mehr wir nach Norden kamen, desto "finnischer" erschienen mir die Natur- wie die Kulturlandschaft. Die lettische Hauptstadt Riga ist unsere nächste Etappe. In Riga treffe ich Greg, meinen Beifahrer aus Australien. Steve Hill aus England ist ebenfalls zu Besuch. Unsere 2CV-Freunde bereiten uns einen großartigen Empfang. In der schönen Hansestadt lernen wir den ehemaligen Botschafter Lettlands bei der Uno kennen. Janis, ehemals ein gelehrter Mediziner, jetzt Museumsdirektor, fährt drei 2CVs. Er erzählt unendlich viel über die junge Geschichte des aufstrebenden baltischen Staats. Bis 4 Uhr nachts diskutiere ich mit Steve, Greg und der Familie, wo ich wohne, über Chancen und Probleme, das Verhältnis von Russen und Letten und die Hoffnungen und Ängste, die mit dem EU-Beitritt verbunden sind.

Am nächsten Morgen schaffen wir es, Gregs Gepäck (s.o.) in nur einer Stunde in meinen komplett vollen 2CV zu packen. Nach einem Stadtrundgang machen wir uns auf nach Estland. Der Besuch in Riga ist so interessant, dass keine Zeit mehr bleibt, Tallinn, die Hauptstadt Estlands, zu besichtigen. Wir erreichen die Fähre pünktlich und sinken erschöpft und voller neuer Eindrücke in unsere Kojen. Nach einer ruhigen Überfahrt erreichen wir nach einer Woche Helsinki, den Startpunkt der Raid. Helsinki tauft uns - entgegen jeder Wetterregel - mit Regen und überschwemmten Straßen, wir taufen es "das Venedig des Nordens".

Karsten, SB-CV 911
Fortsetzung im nächsten Citroënchen

  Text und Bilder: Karsten Schreiber, SB-CV 911
Die Idee für die Überschrift stammt übrigens von Michael, dem auf diesem Weg für den kreativen Beitrag gedankt sei.
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