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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
23. Jahrgang 2004 - gegründet 1981

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Happy Ents Saarbrücken

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Tromsö

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Außen-Bad im Waschzuber

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Samenmarkt in Jokmokk

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Achwellenmanschetten an 4 Wellen zu wechseln

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Am Hafen von Tromsö

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Aufzug ins Schiff

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Frozen Duck Orchestra

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Aufbruch in Skarsvåg

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Bergung aus dem Straßengraben

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Polarforscher Karsten Schreiber am Nordpol

Raid Laponie 2004, Teil 2: Zum Dach Europas

Wir erinnern uns: 2.840 km durch Mittel- und Osteuropa liegen bereits hinter uns. Nach einer Woche erreichen wir Helsinki, den Ausgangspunkt der Raid Laponie. Es ist der 5. Februar. Es regnet.

In Helsinki wurde unsere Mini-Raid zu einer Maxi-Raid. 41 2CVs (incl. Dyanen und AKs) brachten 81 Raider aus 14 Ländern zusammen. Am ersten Abend erholten wir uns von den Strapazen der Anreise in einem großen Waschzuber, der im Freien stand.

Nach einem weiteren Übungstag im Schnee-fahren, der bei einem anderen deutschen Team zu einem ersten "white-out" führte (Bekanntschaft mit dem verschneiten Straßengraben), erreichten wir die Schwedische Grenze am Nordende der Ostsee. Endlich Lappland! Der Schnee wurde ehrlicher, das Licht dünner, die Luft kälter, Rentiere wurden angekündigt, dafür Siedlungen immer seltener.

Nördlich von Haparanda querten wir den Polarkreis. Wir freuten uns schon auf die Polartaufe. Zum zehnten Male öffnete Henkka, der Erfinder der Raid, genüsslich eine Dose "Rödar Ulven" Surströmming, diesmal im Ursprungsland. Alle Novizen durften von der Krönung schwedischer Kochkunst kosten: Vergorener Hering. Trotz größter Kälte (-27°C) entwichen bedenkliche Mengen stechender Fäulnisgase in die Umwelt, was unserem Wohlbefinden direkt abträglich war. Auch Spülen mit Schnaps half nicht. Den Rest der Strecke fuhren wir mit geöffneten Fenstern. [mehr Infos zu Surströmming]

Ein kultureller Höhepunkt ist der Lappenmarkt in Jokmokk. Folklore mischt sich hier mit den Notwendigkeiten des Rentierhalterlebens in der nordischen Kälte. Zum 400. Mal treffen sich in diesem kleinen schwedischen Ort die Samen (so werden die Ureinwohner Lapplands korrekter bezeichnet) und tauschen Waren, Neuigkeiten und Geschichten aus. Es ist ein großer Jahrmarkt, ein Markt der Samischen Kultur, Sprache, Musik und Bräuche. Farbenfroh gekleidete Samen aus Norwegen, Schweden, Finnland und Russland treffen sich hier zwei mal im Jahr. Fasziniert betrachteten wir das bunte Treiben in der sonst so einsamen Landschaft. Fast vergaßen wir, unsere Andenken zu kaufen. Statt eines Schneemobils mit 1,1-Liter-Motor erstehen wir ein handgefertigtes Fahrtenmesser bester Qualität. [mehr Infos zu Jokkmokk].

Die Kälte setzt vor allem Gummiteilen an den Enten arg zu. Sind sie nicht mehr ganz neu, können sie spröde werden und brechen. In Kiruna musste das Team aus Großbritannien an seiner Allradente die Achwellenmanschetten erneuern. Eine der leichteren Übungen. Doch Abenteuer standen uns noch bevor, und dafür mussten die Enten bestens gerüstet sein.

Hatte uns in Finnland und Nordschweden die sanften Hügel, die endlose Weite und die Klarheit der Luft fasziniert, so wandelte sich das Bild schlagartig, als wir die Passhöhe nach Norwegen überquerten. Tief eingeschnittene Fjorde, steil aus dem Meer aufragende verschneite Gebirge, kurvige Straßen und kräftige Steigungen dominierten nun. Der Golfstrom bringt rasch wechselndes Wetter mit relativ milden Temperaturen, die kaum noch unter dem Gefrierpunkt liegen. Kaum hatten wir die Spiegelung der goldenen Sonne im Fjord bewundert, setzte ein Schneesturm ein, der uns zeitweise jede Sicht nahm. Erschöpft erreichten wir spät abends das Quartier in Tromsö, der Stadt mit der nördlichsten Bierbrauerei der Welt.

Die Altstadt von Tromsö liegt auf einer langgestreckten Insel, die sich wie ein Walrücken in einen Fjord zwischen zwei hohe Bergketten schmiegt. Zur Insel führt eine steile Brücke über und ein Tunnel unter dem tiefen Fjord. Wir sind von Norwegen schon einiges gewöhnt, doch hier sind den Norwegern die Planer durchgegangen: Wählt man den Tunnel, findet man sich plötzlich in einem unterirdischen Kreisverkehr wieder. Diesem folgt ein Kreisverkehr, dem ein Kreisverkehr folgt. Die Unterwelt von Tromsö erschließt, wie das Atemsystem eines Insekts, mit acht Zugängen die Altstadt und hält sie frei von Durchgangsverkehr. "See your Petro-Dollars at work...".

Von Tromsö brachte uns eine Fähre der Hurtig-Route bis zur Nordkap-Insel. Was auf der Straße mehr als 600 km bedeutet hätte, legte die Fähre über Nacht für uns zurück. Der Stopp des regelmäßig verkehrenden Post- und Versorgungsschiffs in Tromsö dauerte diesmal etwas länger: Jede Ente musste einzeln mit einem Fahrstuhl in den Bauch der Fähre verladen werden. An Bord hatten wir unseren eigenen Disco-Raum, wo das Frozen Duck Orchestra bis in den Morgen improvisierte. Die internationale Formation mit Mitgliedern aus Finnland, Frankreich, Belgien und Deutschland fand sich spontan zusammen und spielte fortan jeden Abend in wechselnder Besetzung.

Auf der Nordkap-Insel bleiben wir zwei Nächte in einem sehr netten Quartier in Skarsvåg, wo in der ersten Nacht das Bier ausgeht. Nur 15 km trennen uns noch von unserem Ziel: Dem Nordkap.

Ich bin ein sehr vernünftiger Mensch, also entschied ich, nicht mit meinem kostbaren Auto im Schnee zu spielen. Wir könnten in einen schrecklichen Schneesturm geraten und furchtbare Unfälle heraufbeschwören. So entschied ich, nicht zum Nordkap zu fahren. Ich muss mir nichts beweisen. Beim Frühstück erklärte ich dieses meinem Beifahrer Greg. Greg erwiderte, er sei eigens aus Australien angereist, um das Nordkap zu sehen und sonst gar nichts.

Die Schneeketten aufzuziehen dauerte fast eine Stunde. Sie hatten die letzten sechs Jahre unbenutzt in meinem Kofferraum verbracht. Ich habe sie vor Jahren rein zufällig in unserem örtlichen Supermarkt entdeckt, ohne zu wissen, wofür ich sie jemals brauchen würde. Wir waren das letzte Team, das passieren durfte, bevor die Schranke, die die Nordkapstraße schließt, die Helden von den Verlierern trennte.

Ich hängte mich an den Auspuff der Allrad-Ente vor uns. Den ersten Kilometer fuhren wir locker hinter ihm her. Wozu Ketten? Man braucht keine Ketten. Nach wenigen Minuten kam der erste 2CV von der Fahrbahn ab. Schemenhaft konnten wir im Schneesturm erkennen, dass die Allradente bei dem Versuch, den havarierten 2CV aus dem Graben zu ziehen, auf dem blanken Eis, das die Fahrbahn bedeckte, mit allen vier Rädern seitwärts rutschte. Sehr interessant. Es waren nur noch acht Kilometer. In 20 Minuten ist Sonnenuntergang. Die Ketten ziehen uns jede Steigung sicher hoch. Die Sicht wird schlechter. Plötzlich taucht ein Schild auf: Nordkap 185 norwegische Kronen. Busse rechte Spur, PKW linke vier Spuren. Heute gab es ausnahmsweise keine Busse. Der Schneepflug pflügte eine sechste Spur an den Kassenhäuschen vorbei. Gut gemacht!

Nordkap. Whow! Wir sind am Ende der Welt. Wir haben es geschafft! Glückwünsche, herzliche Umarmungen, sogar einen Schluck Champagner gibt es. Wir finden das Nordkap-Denkmal und machen Fotos für die daheim Gebliebenen. Rufen in Australien an, um zu erzählen, dass wir hier sind. Jeder soll es wissen. Hast du kein Telly, kuckst du nur.

Ein Telefonanruf von Manfred erinnert uns an den Rest der Mannschaft. Ja, wir sind bald zurück, ja, die Straße wird für diejenigen, die 12 Kilometer südlich des Nordkaps warten, noch einmal geräumt.

Er beginnt zu schneien. Jetzt ist Sonnenuntergang. Der Konvoi macht sich auf den Rückweg. Peter Saalmink ist hinter mir. Plötzlich bleibt sein Motor stehen. Er hängt seine Kastenente mit einem Abschleppseil an meine Hängerkupplung. Der Straßenservice-LKW, der als letzter fahren soll, überholt uns. Ich hefte unser Gespann an seine Rücklichter. Es schneit heftiger. Der Sturm fegt nassen Schnee waagerecht auf unsere Scheiben. Es schneit so stark, wie ich es noch nie erlebt habe. Der Schnee kommt durch die geschlossenen Fenster ins Auto. Die Scheibenwischer geben auf. Greg muss ununterbrochen die Windschutzscheibe von außen frei kratzen. Die Sicht ist gleich null. Der Konvoi stockt. Mein Handy, das in den entlegensten Gegenden Skandinaviens funktioniert hat, hat kein Netz. Niemand antwortet auf meine CB-Rufe. Ich versuche zu Fuß nachzusehen, was passiert ist, aber ich komme keine drei Meter weit. Innerhalb weniger Sekunden bin ich klatschnass. Zurück ins Auto und warten. Ich hasse das Nordkap. Ich träume von Gran Canaria. Wie lange reicht unser Benzin noch? Wo sind unsere warmen Decken? Haben wir Lebensmittel dabei? Wie lange kann ein Mensch in einem Schneesturm überleben? Wissen die Norweger, wo wir sind?

Er scheint wie Stunden, bevor schließlich der Schneepflug aus dem Schneegestöber auftaucht. Er wendet und pflügt erneut. Pflügen für sein Leben. Um Wochen gealtert erreichen wir schließlich den Ausgangspunkt. In der Dunkelheit sehen wir die Straße besser als im Tageslicht. 3 Stunden Abenteuer sind vorüber. Wir haben jede Sekunde davon genossen.

Text und Bilder: Karsten Schreiber, SB-CV 911

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Die EU-Gesundheitsminister: Raiden schadet Ihrer Gesundheit.

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nach dem Schneesturm

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