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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
23. Jahrgang 2004 - gegründet 1981

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Raid Laponie 2004, dritter und wirklich letzter Teil

Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Z.B. Fortsetzungsgeschichten über Raids zu schreiben. Draußen sind 23°C, die Sonne scheint vom blauen Himmel, alles blüht und grünt, und jetzt gehören andere Themen ins Citroënchen.

Peter Rotter, einer der Createure des österreichischen Citroen-Clubmagazins "Narizin" und selber "Superfin", gefielen die Berichte so gut, dass er um die Erlaubnis bat, sie im "Narizin" abdrucken zu dürfen. Das Citroënchen wird von der internationalen Fachpresse zitiert! Und was denn mit Teil 3 sei, die Raid habe doch nicht - wie man nach der Lektüre des 2. Teils annehmen könnte - am Nordkap aufgehört. 

Also schreibe ich im Mai über den Winter in Lappland. Ausnahmsweise, weil es die letzte Raid war, und weil ich so inständig gebeten worden bin.

Die "Helden" kehrten also mit Hilfe eines Schneepfluges und eines Service-LKWs vom Nordkapp zurück. Die meisten anderen hatten so lange an der Gabelung gewartet, sie wollten ja als zweite Gruppe zum Kap eskortiert werden. Der Schnneesturm war nicht vom Fremdenverkehrsbüro auf die 12 km Nordkap-Straße bestellt worden. Er stürmte selbsttätig auch zwischen der Gabelung und unserer Herberge. Es war also ebenfalls eine Schneepflugeskorte erforderlich. Der einzige Schneepflug der Gemeinde war jedoch mit 20 Verrückten am Nordkapp.

Ich weiß nicht, was man 4 Stunden im Schneesturm an einer Straßengabelung macht, die nach allen Seiten mit Schlagbäumen abgesperrt ist. Es soll ganz lustig gewesen sein. Einige Unverbesserliche waren so clever, sofort umzudrehen und einen wunderschönen Ferientag im warmen Quartier zu verbringen. Gü saß im bequemen Sessel und lauschte unserem CB-Funk-Verkehr. So genoss er das Abenteuer zumindest akustisch.

Obwohl es eines der vielleicht teuersten Biere dieser Zeit gab, feierten wir bis in die Nacht unser Abenteuer. Einen Nachteil hatte die frühzeitige Rückkehr eines Teils der Gruppe für uns: Plötzlich war das Bier ausverkauft. Nicht zu fassen. Hatten die Organisatoren dem Wirt nicht geschrieben, wer wir sind?

Am nächsten Morgen gruben wir unsere 2CVs aus dem Schnee aus und richteten die Motorhaube gen Süden. Wieder gelangten wir in den Genuss der norwegischen Petro-Kronen: man hatte einen Tunnel von der Nordkap-Insel unter dem Meer zum Festland gebohrt. An einem völlig einsam im Nichts errichteten Kassenhäuschen trugen unser (nicht zu knappes) Scherflein zu den Baukosten bei. Welche Qualifikation und seelische Verfassung muss man als Tunnelmaut-Kassierer wohl haben, um seine berufliche Erfüllung im Februar in einem (beheizten) Kassenhäuschen 50 km vom nächsten Ort, 3000 km von der nächsten Großstadt, mit 5 Kunden am Tag, zu finden?

Offenbar hatten wir nicht genug bezahlt, denn als wir uns dem Tunnelausgang näherten, schloss sich plötzlich vor uns ein schweres Tor. Gut, dass ich keine Platzangst habe. Ich sehe schon die Schlagzeile: "Erste Sommertouristen finden bei der Saisonöffnung des Nordkapp-Tunnels verhungerten 2CV-Fahrer im Tunnel unter dem Nordmeer." Nach einer Vollbremsung öffnete sich das Tor wieder und entließ uns in eine ungeräumte Glatteiskurve.

Der Golfstrom hatte uns nicht nur den Schneesturm, sondern auch milde Temperaturen um den Gefrierpunkt gebracht. In Alta, wo man im Sommer wunderschöne prähistorische Steinritzungen der Wikinger besichtigen kann, verließen wir die Küste und fuhren ins Landesinnere Richtung Finnland. Die Straße verläuft zunächst durch eine kleine Schlucht, um dann auf eine zunehmend bewaldete Hochebene zu führen. Das Thermometer fiel plötzlich alle 3 Minuten um ein Grad. Innerhalb kurzer Zeit hatten wir wieder -19°C. Die Finnen begann sich wieder wohl zu fühlen.

Der Wald war mit einer märchenhaften Glasur aus Reif und Schnee überzogen. Die Wolken rissen auf und gaben ein atemberaubendes Schauspiel frei: Grüne Schleier von Polarlichtern waberten über uns. Ein sich ständig änderndes Lichtband überspannte den gesamten Himmel. Lichter erschienen und verschwanden. Mehrfach hielten wir an und starrten in den Himmel. 

Unser nächstes Ziel war Hetta, das Zentrum von Finnisch-Lappland. Zwei Nächte in der vielen Raidern schon bekannten gemütlichen Herberge "Hettan Majatalo" - das bedeutete ein Tag Urlaub! In der Gemeinde Enontekiö leben rund 2000 Menschen auf einer Fläche so groß wie Holland. Man kann sich aus dem Weg gehen. Dazu mieteten sich einige Raider ein Schneemobil, andere nahmen Langlaufschier oder gingen einfach zu Fuß. Die Organisatoren organisierte einen Shuttle-Service zum Lagerfeuer am andern Ufer des örtlichen Sees mit einem Schneemobil mit Anhänger.

Der Abend wurde lang: In Hetta findet traditionell die gefürchtete Superfin-Party statt. Letzte Wettbewerbe der Raid-Olympiade waren zu bestehen (z.B. SChneeketten Aufziehen - etwas spät zum Lernen). 81 Raider einschließlich einer Maglight erhielten ihre Superfin-Urkunde, jede wurde auf Finnisch verlesen. Jede lautete gleich - bis auf den (durch die Finnische Grammatik entstellten) Namen des jeweils geehrten. Ich bin Karstenille. Schließlich wurde alles mit Enough Drink hinuntergespült, ein pan-galaktischer Donnergurgler allerfeinster Kajüte. 42 Spirituosen aus 15 Ländern bildeten die Grundlage für ein unwiederholbares Mix-Getränk. Großes Lob gebührt dem Mixerteam Veikko und Henkka, die in heldenhaften Selbstversuchen jede Zutat prüften, bevor sie wohldosiert in den Eimer geleert wurde.

Der Rest der Raid war definitiv Rückfahrt, von der noch zahlreiche weitere Anekdoten erzählt werden könnten. Erstaunt hat uns das Medien-Interesse an unserer Spazierfahrt. In Levi filmte uns das finnische Fernsehen. In Helsinki wartete uns ein Reporter des Helsingen Sanomat, der größten finnischen Tageszeitung, auf (siehe Citroenchen 3/2004). In Oulu überholten wir eine Fähre auf der Ostsee. Parallel zur Fahrrinne, die sich die Fähre zu einer Insel durch ständiges hin- und herfahren frei hält, wird jeden Winter eine offizielle Straße auf dem Eis eingerichtet, sobald es trägt.

In Helsinki bestätigte sich, was wir schon lange wussten: Klassische Citroëns sind besondere Design-Kunstwerke. Hinter der Kasse warteten ein Teddy, ein Hase, eine DS Ambulance und ein CX Ambulance in 1:43 darauf, von gelangweilten Kindern der Museumsbesucher bespielt zu werden. Im Design-Museum, bittschön, nicht irgendein Spielzeugauto. Die Finnen verstehen was von Design.

Was mich nahtlos auf den Fasching wirft, der in dem auf der weiteren Rückfahrt zwangsläufig zu durchquerenden Rheinland gerade herrschte. Wir begaben uns zum ersten Ententreffen ohne Enten des Kölner 2CV-Clubs und des CCRR, direkt am Karnevalsumzug. Unser Ruhm eilte uns voraus, als Superfinnen mussten wir begeisterten 2CV-Fans Autogramme auf die nackten Unterarme geben. Dass der Kölner Club nur wegen uns eine Million Leute zur Feier unsrer glücklichen Rückkehr in die Heimat auf die Straße bringen würde, das wäre doch nicht nötig gewesen. Trotzdem fühlten wir uns pudelwohl.

A propos Pudel: Am besten hat mir persönlich im Zoch der Polizeihund gefallen, der auf einem motorisierten Dreirad für Ruhe und Ordnung sorgte.

Karsten Schreiber ssssf mit Strawberrix, SB-CV 911 und auch ssssf

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