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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
23. Jahrgang 2004 - gegründet 1981

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Berichte von 2CV-Treffen

XXL-Rencontre National in Bassais-le-Fromental

Zum zwölften Mal veranstaltete die Vereinigung der französischen 2CV-Clubs ein Nationaltreffen im Herzen von Frankreich. Unter dem Motto "Deuch' Mil 4" versammelten sich über 2000 Fahrzeuge auf einem Freizeitgelände in Bessais le Fromental, einem kleinen Ort in der Nähe von Bourges südlich von Orleans. 

Der technisch interessierte kam diesmal voll auf seine Kosten: Mit viel Liebe zum Detail hatten die Veranstalter in einem festen Zelt die technische Evolution des 2CV dokumentiert. Eine Sammlung aller Rücklichter nach Baujahren, alle Motorvarianten oder die verschiedenen Lenkräder - alles war mit Originalteilen ausgestellt. Am meisten faszinierte mich die Sammlung zeitgenössischer Zubehörteile aus den 50er und 60er Jahren. Zum ersten mal sah ich einen Zweivergasermotor mit Guss-Ansaugspinne im Original. 

Unbestrittener Höhepunkt war die Degustation von Spezialitäten aus den Herkunftsregionen der Clubs. Neben den vielen Leckereien der französischen Clubs konnte jeder Teilnehmer diesmal auch Muster der Kochkunst aus England, der Schweiz, Belgien und Deutschland probieren. Die Action Ents Saar verteilten zusammen mit der Entenschnabelredaktion - wie könnte es anders sein - deutsches Brot mit Fleischwurst und Karlsberg-Bier. 

Viele weitere Programmpunkte sorgten für Kurzweil, so wurde ein 2CV nach Zeit zerlegt und anschließend wieder zusammengebaut. Ein Teilnehmer wählte als Werkstatt zum Zusammenbau des Motors ausgerechnet das Getümmel der Degustation und demonstrierte damit, was ein wahrer Gourmet ist. Für uns war das schönste Erlebnis, vier Tage inmitten von 2000 wunderschönen alten Enten zu sein und jeden Tag neue 2CVs zu entdecken. 

Es fiel uns auf, dass die Gepflogenheiten in der französischen 2CV-Clubszene von den deutschen etwas abweichen. Die französischen Clubs melden sich mit zehn oder auch mal 20 Enten an und erhalten einen abgesteckten Platz auf der großen Treffenwiese. Sie reisen oft gemeinsam an und feiern das verlängerte Wochenende unter ihrem jeweiligen Clubpavillon. Man sieht fast nur Enten und einige andere A-Modelle; Fremdfahrzeuge kommen kaum. Die Treffenteilnehmer sind im Schnitt jünger als bei uns, dafür sind viele 2CVs deutlich älter. "An der Quelle saß der Knabe..." Und ein Lagerfeuer suchte man vergebens in Bessais. 

In Frankreich liegt der Ursprung der Entenbewegung offenbar weder bei den Pfadfindern, noch bei den Studenten der 60er und 70er Jahre wie in Deutschland. In Frankreich hatte fast jede Familie nach dem Krieg einmal eine Ente als "normales" Auto. Heute fährt man Ente aus Nostalgie oder Snobismus. Und die jungen Franzosen entdecken die unbeschwerte Lebensart der Flower-Power-Zeit wieder, und da gehören nun einmal Schlaghosen, orange Blumenmuster und eine Ente dazu. 

Das französische Nationaltreffen hat Dimensionen eines Welttreffens angenommen. Es hat einen festen Platz in meinem privaten Treffenkalender. Wir "Ausländer" waren deutlich in der Minderheit, aber wir wurden herzlich  willkommen geheißen, und spätestens bei der Degustation fielen alle Grenzen in den Köpfen. Völkerverständigung geht halt auch durch den Magen. 

Karsten, SB-CV 911

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