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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
23. Jahrgang 2004 - gegründet 1981

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Aus aller Welt

Acadianen im Iran

Als sich meine Eltern im Mai 2004 zu einer Studienreise in den Iran aufmachten, gab ich Ihnen den Auftrag mit auf den Weg, im Straßenbild auf Dyanen zu achten. Ich wusste nämlich, dass dort bei der Firma SAIPAC in Teheran unter der Bezeichnung Citroen 602 die Dyane gebaut bzw. zusammengebaut wurde.

1966 wurde ein dementsprechender Vertrag mit Citroen geschlossen. Noch bevor es bei uns eine Kastenversion der Dyane, die Acadiane, gab, wurde dort eine „Ak-Dyane“ gebaut. Wie ich später erfuhr, entwickelte sich die Ausschau nach meinem Wunschobjekt geradezu für einen Sport für meine Eltern, und sogar Mitreisende wurden zur „Entenjagd“ animiert.

Lange Zeit war die Suche erfolglos. In Teheran, dem einstigen Produktionsort, wurde das Straßenbild dominiert von PKWs einer einheimischen Firma, aber auch von älteren Modellen der Firma Mercedes und BMW. Eine im hektischen Verkehr der riesigen Metropole plötzlich auftauchende Dyane zu erkennen, geschweige denn auch noch auf den Film zu bannen, war kaum möglich. So setzten meine Eltern ihre Hoffnung auf die ländlichen Gegenden im Süden des Landes. In der Rosenstadt Shiraz kam ihnen der erste Citroen vor die Linse, in Gestalt einer Dyane. Und dann wurden es immer mehr! Eine „AK-Dyane“ zu entdecken gelang ihnen aber erst 300 km entfernt in Yazd, einem Zentrum der zoroastrischen Religion (Gründer: Zahathustra, 650-553 v. Chr.). Hier auf dem Ruinengelände der zoroastrischen Bestattungstürme und Totenhäuser gab es einen neuen Friedhof, und just hier duckte sich ganz unauffällig eine grüne „AK-Dyane“ unter Zypressen direkt neben dem Totenhaus, in dem die Leichen von dem Leichenwäscher für die Bestattung vorbereitet werden. Ob sie als Leichenwagen benutzt wird? In der gleichen Stadt konnte noch eine weitere „AK-Dyane“ auf den Film gebannt werden, eine dritte in Isfahan. 1300 km mußten meine Eltern zurücklegen um für mich die erste „AK-Dyane“ (wo ich doch Acadiane-Fahrer bin) zu finden.

Wie den Photos zu entnehmen ist, unterscheiden sich die dort produzierten Modelle ein wenig von den hiesigen. Produziert worden soll die Dyane im Iran bis Anfang der neunziger Jahre sein, zuletzt aus noch vorhandenen Restbeständen an Ersatzteilen unter dem Namen JIAN. Im Unterschied zu den Unsrigen verfügen die hinteren Türen über Schiebefenster (genauso wie die Dyanen aus spanischer und portugiesischer Produktion). An den hinteren Kotflügeln sind Radausschnitte vorhanden. Die Dreiecksbleche zwischen vorderen Türen und vorderen Kotflügeln sind mit 6 Luftschlitzen versehen. Die Kotflügel tragen an ihren Seiten, wie in manchen Ländern Vorschrift, zusätzliche Blinker. Es wurden in der ganzen Produktionszeit Türen der alten Version mit nach oben offenen ALU-Türgriffen verbaut. Bei der „AK-Dyane“ handelt es sich um eine mit einem speziellen Kastenaufbau versehene Dyane, wobei der Kasten sich gänzlich von dem der AK-2CV oder dem der Acadiane unterscheidet. Es handelt sich um eine äußerst kantige und eckige Konstruktion, die wohl kaum von einem Designer beeinflußt wurde, sondern eher aus rein fertigungstechnischen als auch praktischen Gründen so entstand. Der Kastenaufbau ist nicht höher als eine normale Dyane, und es wurden hauptsächlich glatte Bleche verwandt. Als Fenster für den Kastenaufbau benutzte man die Schiebefenster der hinteren Türen, was sehr irritierend in dem rechteckigen Kasten aussieht. Auf der linken Seite des Kastens, hinten oben, ist auch die Bezeichnung Citroen 602 zu erkennen.

Da meine Eltern auf ihrer zweiwöchigen Reise so um die hundert Dyanen gesichtet haben, dürfte die Zahl der noch existenten um einiges höher sein. Es hat auch eine Pick-Up Version gegeben, wie dem Buch von John Vernooij über die Dyane zu entnehmen ist.

Roland Peters

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