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Der kleine
Rundbrief für Citroën-Freunde
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Der Vorhof zum Entenhimmel |
20. 24h-2CV-Rennen in Spa-Francorchamps Prolog Die Citroënchen-Redaktion scheute weder Mühen noch Kosten, die geneigte Leserschaft mit Reportagen über hochrangige Sportereignisse aus erster Hand zu versorgen. So machte sich am 2. Oktober eine mit zwei Präsidenten und einem Redakteur hochrangig besetzte Delegation aus Saarbrücken auf den Weg in die belgische Sprudelstadt Spa-Francorchamps. Die Doppelstadt hat ihre Stadtteile weit auseinander gebaut, und das mit gutem Grund: Während in Spa gesetzte ältere Herrschaften kuren, kurven in die Francorchamps ungedämpfte Rennautos über die Berge. Wir suchten Francorchamps. Als ich das letzte mal durch Spa kam, führte die Nationalstraße von Bitburg nach Lüttich direkt unter den Tribünen vorbei. Bei Rennen wurde sie kurzerhand gesperrt. Mittlerweile hat man Rennstrecke und Alltag getrennt - mitten im Wald hieß es plötzlich: 2CVs links ab, alle anderen umdrehen. Am Empfangszelt herrschte bereits Rennstimmung. Alle üblichen Regeln waren für ein Wochenende außer Kraft gesetzt. NUR 2CVs und Derivate durften durch zahlreiche Tore zum VIP-Parkplatz vorfahren. Der grüne "SHOP"-Aufkleber von der Anmeldung öffnete uns die Pforten zum Entenhimmel. Die Veranstalter des Ententreffens hatten eine Runde auf der Rennstrecke für alle rausgehandelt. Auch wenn mein Tuning moderat war, fühlte ich mich wie Schumi, als mich mein 650-cc-Big-Block souverän die Eau Rouge hochzog. Ich heftete mich unablässig an die Stoßstange von Ronnys Schmalem Hans, der in den Kurven abenteuerliche Schräglagen hinlegte. Durch spektakuläre Überholmanöver in der dritten Reihe machte ich etliche Plätze gut. Die 125er-Slicks klebten satt auf der Fahrbahn. Der Geruch von verbranntem Öl und Reifenabrieb war wie Parfüm in meiner Nase. Da - ein Fahrrad! Mein Herz pochte vor Aufregung. Cool nahm ich Meggi, die mit Kö und Fahrradgepäckträger ins Rennen gezogen war. Der nächste Rivale war eine 12-PS-AZU. Abgeschlagen blieb sie auf der Zielgeraden hinter mir zurück, ebenso der HY mit 45 PS und eine Wellblechente. Plötzlich ein Stau! "An der Eau Rouge bei Francorchamps 500 m Stau wegen einer Rennveranstaltung. Der Verkehr wird nach einer Vollsperrung ausgeleitet. Eine Umleitung ist ausgeschildert. Bitte fahren Sie äußerst Vorsichtig und überholen Sie nicht. Wir melden uns, sobald die Gefahr vorüber ist." |
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Noch 48 Stunden.. nee Moment 24 Stunden.
Es gibt drei Rennklassen: A (amelioré = verbessert), T (touristique – was daran allerdings touristisch sein sollte blieb unklar) und P (Prototypen). Diese haben so um die 80 PS. Dazu leichte, niedrige und aerodynamisch optimierte Karosserien. Vom gemütlichen Dahinrollen ist also keine Rede, Tante Emma. Die schnellsten Fahrzeuge erreichten auf der Zielgeraden schätzungsweise 180 – 190 km/h! Ein Formel 1-Start ist ein reiner Kindergeburtstag gegen einen Start von 63 Rennenten. Es war einer jener musikalischen Auftritte, denen damals z.B. die Mauern von Jericho zum Opfer gefallen sein müssen. Die Haupttribüne blieb – wider Erwarten – doch stehen. Die Zuschauer und –hörer, die sich mittels Handzeichen verständigten mussten, untersuchen später ihre Trommelfelle sowie ihre Kameras auf Funktionstüchtigkeit. Knallharte Zweikämpfe waren selbstverständlich, keiner der Fahrer verschenkte auch nur einen Zentimeter – das ganze über die wirklich anspruchsvolle „Berg- und Talbahn“ und mit voller Konzentration – immer auf der Suche nach der Ideallinie. 24 Stunden lang. Die meisten Teams hatten vier Fahrer, manche nur drei. Über die Warmduscher der Formel 1 wurde kein Wort mehr verloren. Übrigens: die berühmte Kurve „Eau rouge“ führt unglaublich steil bergauf und ist völlig unübersichtlich – wir haben es selbst ausprobiert. Mein Fazit: es macht bestimmt mehr Spaß diese Strecke mit 70 PS zu befahren als mit 850 PS, aber noch geiler isses mit 28 PS. Man muss es einmal erlebt haben um es erlebt zu haben. BIM. Vive la Deuche!! Dank an Mosel für Bier und an Karsten und Ronny für Support. |
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Technische
Daten
Die CCRR-Info war diesmal scheller als das Citroënchen. Aus Nr. 407 kann der interessierte Rennfreund ein paar statistische Angaben entnehmen: Am 2.10.04 starteten um 16:00 Uhr 63 Enten und Dyanen. Die Rundenzeiten liegen zwischen 3:27:033 und 4:15:491 Minuten, das entspricht Durchschnittsgeschwindigkeiten zwischen 121,16 und 85,49 km/h über 24 Stunden. Auf der A5 zwischen Basel und Karlsruhe erreiche ich bei gutem Willen auch einen Schnitt von 85 km/h. Also alles keine Hexerei. Nach 24 Stunden kamen noch 31 Fahrzeuge ins Ziel. Etwas Verlust ist immer. Der Blick in die Boxengasse offenbarte die abenteuerlichsten Modifikationen: Doppelte vordere Schwingarme, BMW-Motorradmotoren, komplette Fiberglas-Vorbauten, um nur einige zu nennen. Schalldämpfer sind Luxus. Alle weiteren Statistiken unter http://2Cvracingcup.skynetblogs.be. Ach ja, nebenher fand ja auch noch ein 2CV-Treffen statt. Auf einer schrägen Wiese etwas abseits der Rennbahn konnte man zelten, 4 LKW-Ladungen altes Bauholz in 20 aufgeschnittenen Öltrommeln verschwelen, mitgebrachtes Bier vernichten und Ohropax in die Ohren stecken. Alle halbe Stunde wurden Raketen oder Sylvesterböller gezündet. Über allem lag das Röhren von 63 ungedämpften Rennmotoren. Nachts das Ganze mit Beleuchtung. Man ist ja nicht zum Schlafen hier. Es war das erste Ententreffen, von dem ich zum Schlafen (und zum Atmen) nach Hause gefahren bin. Und gleichzeitig das verrückteste Event, das ich je rund um die Ente gesehen habe. Hoffentlich nicht das letzte. Text: Karsten Schreiber und Michael Kimnach, Fotos: Karsten Schreiber, Michael Kimnach, Ralf von der Beek, Peter Hoff |
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