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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
25. Jahrgang 2005 - gegründet 1981

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Der erste Reifenwechsel

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... nicht mehr gut!

Aus aller Welt

Post aus Ägypten

Siwa, den 8.1.2005. Wer einmal den Saharavirus hat, der kommt davon nicht mehr los. Nach meiner großen Transafrikatour 1998-2000 und zwei Urlauben in Südostalgerien 2001 und Tunesien 2003 ist es wieder einmal soweit: Es trieb mich nach Afrika, ich wollte wieder einmal nach Ägypten. Da die wirtschaftliche Lage in der Firma, in der ich arbeite, nicht so toll ist, ist das eine gute Gelegenheit, ungekündigt drei Monate auf Reisen zu gehen.

Da niemand in meinem Bekanntenkreis so lange Zeit hatte, und Ägypten wegen langer Anreise und aufwendiger Bürokratie eher nicht so interessant für viele ist, entschloss ich mich, alleine los zu fahren. Meine Freundin Geli, die sonst immer mit dem Motorrad dabei ist, fliegt Ende Januar nach Kairo und wird zum erstenmal Beifahrerin in der Ente!

Also startete ich am 24.12., an Heiligabend, morgens Richtung Genua, verbrachte die Nacht auf dem Rastplatz in Bellinzona und erreichte am nächsten Mittag bei Nieselregen Genua. Schnell waren Ente und ich an Bord, und beim Schlange stehen zum Abstempeln der tunesischen Einreisekarten lernte ich Karsten, unseren Netzmeister, und seine Frau Jutta endlich persönlich kennen (siehe Karstens Bericht dazu). In Tunis angekommen, fuhren wir zusammen zum Camping nach Nabeul und verbrachten noch einen schönen Abend bei einer guten Flasche lokalen Weines. 

Am nächsten Morgen fuhr ich - endgültig allein - über Kairouan, Gabes und Matmata in die kleine Oase Ksar Ghilane. Dort wollte ich einen Tag Pause machen, in den warmen Quellen baden und eine Runde durch das nahe Sandmeer drehen. Auf den letzten Kilometern Asphalt, schon fast im Dunklen, zerfuhr ich mir den ersten Reifen. Ich hatte auf der groben Oberfläche den Plattfuß zu spät bemerkt. So durfte ich am nächsten Morgen zuerst den 2. Ersatzreifen auf die nun freie Felge montieren.

Ich startete meine Dünentour, der Sand war feucht und klebrig, und wenn der Untergrund weich wurde, sackte die Ente ein und ich durfte meine Schaufel und Sandbleche benutzen. An einem kleinen Dünenanstieg hing die Ente wieder mal, ich legte den Rückwärtsgang ein und versuchte, den gegenüberliegenden Hang ein Stück hochzufahren, um dort Schwung zu nehmen. Dabei sprang die Ente mit der Vorderachse über eine kleine Bodenwelle, ... ...und dann ging nix mehr. 

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Ex-Differential

Ich stieg aus, schaute, ob eine Antriebswelle auseinander gefallen wäre, doch nein, es lief Öl unter dem Wagen heraus. Schnell roch ich, dass es das Getriebeöl war!!! Ende der Reise--- war mein erster Gedanke,  gerade das Getriebe, das von Piet Weber in der Schweiz frisch überholt wurde... ein Touristenführer mit Kamelen kam vorbei, er wollte nach Erkennen der Lage jemanden mit einem Traktor schicken, der mich zurück zur Oase schleppt, was nach einiger Zeit dann auch geschah. 

Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf: ob Piet mir über ADAC ein neues Getriebe schicken könnte, ob Ali Ben Abdelmoula in Douz Ersatzteile im Lager der jährlich hier unten stattfindenden Entenrallyes hat, ob überhaupt jemand an dem Getriebe reparieren kann. Mehrere Anrufe mit Piet ergaben, dass er kein Getriebe hat, es aber in Gabes eine Original Citroën-Werkstatt gibt, die mir bestimmt helfen könnte. Ein Paar unterwegs mit 4x4 sehen meine miese Lage und bieten mir an, mich nach Gabes zu schleppen, über 100 km Piste und kurvige Straßen.

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Am Seil nach Gabes

Das könnte meine Chance sein, dass es doch noch weiter geht, also los! Schon nach wenigen Kilometern blockiert das Getriebe die Räder, also werden beide Antriebswellen ausgebaut und ich kann nur noch mit den hinteren Rädern bremsen! Als wir aus den Bergen runter nach Gabes ans Meer fahren, ist mir die Gefahr, nicht mehr genügend bremsen zu können zu groß, und so hängen wir den Geländewagen zum Bremsen hinten an die Ente, ein köstliches Bild. Wir erreichen auch gut Gabes, finden die Citroën-Werkstatt, die zwar selbst keine Zeit hat, aber einen Angestellten mit eigener Garage empfiehlt, der mir sicher helfen wird. Um es nun kurz zu machen: Getriebe auf, noch ok, aber Differential alles kaputt, ein Austauschgetriebe muss her!

Der hilfsbereite Riadh fährt los und besorgt nach wenigen Stunden ein gutes ACADYANE Getriebe, und das zum Preis von umgerechnet 145 Euro! Am nächsten Tag sind Motor und Getriebe wieder eingebaut, und ich kann glücklich aber alleine im Hotel in die Neujahrsnacht schlafen. Am nächsten Morgen Probefahrt: alles bestens! Und nun noch der Preis für die gesamte Arbeit von Riadh: 120 Euro! Da ist doch klar, wo ich in Zukunft meine Ente reparieren lasse! ;-)

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Reifenservice

Da Reifen der Größe 15/15 in Gabes nicht aufzutreiben sind, fahre ich nun zur libyschen Grenze, warte drei Stunden auf den obligatorischen Begleiter, der alles an der Grenze managt. An dem Abend fahren wir noch zur ersten Stadt in Libyen, Zuara, dort ist auch das Büro des Begleiters. Und es ist nicht zu glauben: Ich knalle auf der schlecht beleuchteten Straße mit dichten Verkehr in ein Schlagloch, danach flattert die Lenkung. Schwingarm? Radlager? Lenkgestänge? Am nächsten Morgen sehe ich es im Hellen: die Felge hinten (!) hat eine tiefe Delle, und der Reifen ist geknickt und beginnt, aus der Felge heraus zu rutschen und eiert also beim Fahren. So ist vor der Durchquerung Libyens noch Reifensuche angesagt. In Tripolis gelingt es dem Begleiter, einen Laden ausfindig zu machen, der mir 2 Reifen der Größe 165/15 besorgen kann. Was soll ich machen? Her mit diesen beiden Reifen!

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Achswellenmanschettentausch

Über die weitere Fahrt gibt es ententechnisch nichts weiteres zu berichten, außer das ich am Nachmittag des dritten Tage einen neuen Geschwindigkeitsrekord für meine Afrikaente aufstellen kann: 400 Kilometer in ganz knapp 4 Stunden, mit Hügel hoch und runter und ein paar Ortsdurchfahrten; Getriebe und Reifen scheinen sich ja gut einzulaufen! Nach 4 Tagen durch Libyen werde ich den Begleiter endlich wieder los und darf nun ganz alleine nach Ägypten die Einreiseformalitäten erledigen. Es ist fantastisch: in 3 ein Viertel Stunden ist alles erledigt, ich hatte mit 5-6 Stunden gerechnet, und die Leute an der Grenze haben alle einen Riesen Spaß an dem Auto mit nur 2 Zylindern.

 

 

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Siwa Lake

So schaffe ich an diesem Abend noch die 230 km bis Marsa Matruh entlang der Küste und noch einmal 100 km nach Süden in die Wüste, alles auf gutem Asphalt, bis ich im Stockdunklen einen netten Schlafplatz abseits der Straße finde. Hier packe ich endlich meinen 5liter-Karton Wein aus den Tiefen der Stauräume, und was muss ich feststellen: undicht! Zum Glück ist nur vielleicht ein Liter ausgelaufen, so bleibt genug zum Genus und morgen erstmal saubermachen. Und dann kann ich auch gleich die Achsmanschette wechseln, die hat ein Loch, und alles Werkzeug im Motorraum ist voll fett gespritzt. 

So, nun bin ich endlich in Siwa angekommen, dem ersten Ziel meiner langen Reise. Hoffentlich reduziert sich die Pannenhäufigkeit auf der weiteren Reise,.... sonst muss ich der Ente mit Fahrzeugwechsel drohen, was robustes, großes.... ....aber das will doch eigentlich gar keiner von uns! es soll weitergehen damit.... MIT DER ENTE DURCH AFRIKA

Uwe Schmitz 

(wird fortgesetzt)

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