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Der kleine
Rundbrief für Citroën-Freunde
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| Raid Petrol 2004
- Afrika für Anfänger Nach Afrika mit der Ente? Das können doch nur Spezialisten, die ihren 2CV nach allen Regeln der Kunst wüstentauglich umgerüstet haben. Meine Ente hat 250.000 km auf dem Buckel, ist TÜV-fällig und der Motor läuft irgendwie rau. So begnüge ich mich damit, Artikel von Uwe Schmitz (Teil 1: Heft 2/2002, Teil 2: Heft 5/2002) ins Citroënchen zu stellen oder Bücher wie das von Gert Duson zu lesen (Besprechung in dieser Ausgabe). Nein, nach mehreren Entenraids ohne Jutta wollten wir gemeinsam einen ruhigen, erholsamen, ganz normalen Urlaub machen, und das ginge bestimmt nicht in Afrika. Völlig kalt erwischte mich im Oktober 2004 die Einladung zur Raid Petrol 2004. "Sag mal Schatz, sollen wir über den Jahreswechsel mit der Ente nach Tunesien fahren?" - "Warum nicht?" Wir waren Nr. 1 auf der recht kurzen Teilnehmerliste. Sogar der Veranstalter hat sich erst nach uns angemeldet. ;-) Was würde uns erwarten? Bisher hat meine Ente Europa nie verlassen. Afrika! Vor meinem geistigen Auge entstanden die wildesten Bilder. Halsbrecherische Schotterpisten, gebrochene Achsen, bettelnde Kinder, Diebe und Räuber überall, Montezumas Rache, Typhus, Pest und Cholera. Wir waren auf alles gefasst. Viel Zeit zum Vorbereiten blieb indes nicht. Nur noch schnell den Motor wechseln, die übliche Ersatzteilkiste zusammenstellen, packen, und los ging's. |
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Chaos im Hafen von Genua |
Heiligabend brechen wir auf nach Italien. Der Straßenverkehr in Genua ist der erste Kulturschock der Reise. Doch ich ertappe mich dabei, dass mir die zügige Fahrweise der Genueser Spaß zu machen beginnt. Am 1. Weihnachtsfeiertag treffen wir uns mit den Raidern im Hafen von Genua: Ein Entenfahrer aus dem Tessin und 8 Teams aus Italien. Die Abfertigung für die Fähre nach Tunis lässt unsere Hoffnung auf einen geordneten Urlaub weiter sinken. Der Angestellte am Eincheckschalter arbeitet so, als ob es sein erster Tag ist. Es liegt daran, dass es sein erster Tag ist. Alle wartenden Autos fahren wild durcheinander, es gibt keine geregelten Warteschlangen, "Timbrare, timbrare!" ruft uns ein Beamter ständig zu und schickt uns zum Abstempeln der Einreisekarte zu Fuß ans andere Ende des Hafengeländes. Das Hafengelände sieht aus wie die Kulisse eines schlechten Krimis. Schließlich gelangen wir an Bord, eingekeilt zwischen hoffnungslos überladenen tunesischen PKWs, die kaum die Rampe ins Schiff hoch kommen. Werden wir die Überfahrt auf einem tunesischen Seelenverkäufer überleben? |
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Achtung Kamele!
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Welch
eine Überraschung an Bord: Selbst nach Skandinavien hatten wir selten
eine so angenehme und luxuriöse Überfahrt. Und selten haben wir so
ein freundliches, entspanntes und ruhiges Land wie Tunesien erlebt. Sobald
man die Touristenhochburgen verlässt, winken einem die Passanten
freundlich zu, heißen einen die Fußgänger willkommen in ihrer Stadt.
Kinder lachen wie überall auf der Welt, wenn sie den 2CV sehen, und
freuen sich über das lustige bunte Auto.
Uns zieht es in die Wüste. Sylvester in der Sahara! Sonne, Hitze, Sanddünen - einmal mit der Ente im großen Erg das Paris - Dakar - Feeling schnuppern! So lassne wir die fruchtbare Mittelmeerregion um Tunis schnell hinter uns und erreichen nach einem Tag Tozeur, einen der letzten Vorposten der Zivilisation für die ernsthaften Wüstenfüchse, die von dort weiter nach Algerien fahren. Wir freuen uns an den gut asphaltierten und wenig befahrenen Straßen. Anfangs durchqueren wir noch endlose Olivenhaine, doch südlich von Kairouan wird es immer trockener, und südlich der Ortschaft Gafsa hört die Landwirtschaft ganz auf. Tief hängen dunkle Regenwolken über dem kaum bewachsenen Gebirgszug im Hintergrund. Als sich die Wolken heben, trauen wir unseren Augen nicht: Neuschnee bedeckt den Morra-Bergzug. Zu Hause sind 14 Grad. Ein Schild warnt vor Kamelen auf der Fahrbahn. Tatsächlich grasen kurz darauf einige dieser Überlebenskünstler auf der kargen Steppe. Wir wundern uns, dass sie sich an dem dornigen Gestrüpp nicht das Maul verletzen. Ein Höhepunkt der Fahrt ist der Berbermarkt in Douz. Diese Stadt ist der letzte Vorposten vor dem großen Erg, der endlosen Sandwüste, die die nördliche Sahara kennzeichnet. Von allen Seiten strömen die Händler mit ihren schwer beladenen Peugeot-404-Pickups zusammen und verwandeln für einen Tag den ganzen Ort in einen Bazar. Schafe, Esel, Kamele, Möhren Kartoffeln, Fenchel, Matratzen, Kurzwaren Gewürze - es gibt alles, was man zum Leben braucht, auf dem bunten Markt. Kunden und Händler schenken uns kaum Beachtung. Nur wenige Europäer verirren sich um diese Jahreszeit in den entlegenen Wüstenort. Fasziniert betrachten wir das Treiben auf dem Viehmarkt, wo Schafe geduldig auf ihre neuen Besitzer warten, Hühner kundig geprüft und auf Wunsch gleich geschlachtet werden, neu gefertigte Eselskarren auf der Basis einer alten LKW-Achse feilgeboten werden und Kinder das Handeln mit Wachteln und Meerschweinchen in Schuhkartons lernen. Auf dem zentral gelegenen Zeltplatz von Douz kommen wir mit Mühe unter - er ist fest in der Hand italienischer Geländefahrer und Wohnmobilisten. Einige Raider, die ihre Ente nicht zum Campen präpariert haben, kommen stilecht im Hotel "Mehari" unter, benannt nach einem Wüstendromedar. Welch passender Name für Citroëns Strandwagen! Die nächste Nacht wollen wir unter sternenklarem Wüstenhimmel in Beduinenzelten verbringen. Bruno findet nach langen Verhandlungen einen Anbieter mit akzeptablen Bedingungen. Am Ortsausgang neben dem Denkmal mit zwei Gazellen formiert sich unsere Entenkaravane. Kaum hört der Asphalt auf, steckt der erste Wagen bis zum Chassis im Sand. Ausgerechnet Moreno, den erfahrensten 2CV-Mechaniker der Gruppe, hat es erwischt. Mit vereinten Kräften schaukeln wir die Dyane aus den tiefen Rinnen frei und schieben sie in Fahrt. Ivo dressiert derweil die herbeigelaufenen Kinder, hinter einer Linie zu warten und eins nach dem anderen etwas Süßigkeiten abzuholen. Als wir am Beduinencamp ankommen, prasselt schon das Lagerfeuer. Wir parken die Enten in einer Reihe vor den traditionellen Zelten und werden von den einheimischen Köchen begrüßt. Sie bereiten im Küchenzelt ohne Dach Couscous für uns, das traditionelle Gericht Nordafrikas. Es beginnt zu regnen. Die Sonne geht unter. Die Temperaturen sinken auf 4 Grad. Treffenfeeling kommt in uns auf. Wir lassen uns nicht stören und genießen zusammen mit zwei Holländern, die auf Kamelen hergeritten sind, und einem Einheimischen aus Tunis, der ebenfalls in der Wüste Urlaub macht, das Abendessen am Lagerfeuer. Nach 3 Stunden hört der Regen schließlich auf, und Stefano packt die Gitarre aus und singt bis tief in die Nacht italienische Lagerfeuerlieder. Zum Nachtisch werden Esskastanien über dem Feuer geröstet. Aus den Kofferräumen kommt noch so manche Flasche Wein zum Vorschein. Nachts hat Allah nichts davon gesehen. Das nächste Etappenziel heißt Matmata. Hier haben die Vorfahren der jetzigen Bewohner ihre Behausungen waagerecht in die weichen Felswände gemeißelt. Unser Hotel ist ebenfalls in diesem Stil gebaut. Wir feiern bis spät in die Nacht und erzählen von den Abenteuern des Tages. Es ist Sylvester. Statt eines Feuerwerks gibt es fünf Wunderkerzen. Ein Teil der Gruppe ist die Schotterpiste nach Ksar Ghilane, einem der südlichsten frei zugänglichen Orte am Rand der tunesischen Wüste, gefahren. Wir überlegen lange, ob mein betagter Strawberrix die Tortour von 2 x 60 km Waschbrettpiste aushält. Schließlich obsiegt die Vernunft. Wir fahren mit den Schattenparkern direkt zum Hotel. Beim ersten Fotostop verlieren wir den Konvoi. So machen wir allein noch eine kleine Rundfahrt durch das Dahar-Gebirge. Ein Wegweiser zeigt noch 46 km bis Matmata - lass uns diese Abkürzung fahren! Bald endet der Teer. Die Piste verzweigt sich, windet sich im Hügelland immer höher. Die 1:100.000er Michelinkarte ist keine Hilfe mehr. Wir fahren nach dem Kompass (danke, Martin!), queren (zum Glück) trocken Wadis und beten, dass wir die steilen Abfahrten nicht wieder zurück müssen. Wir schaffen noch 20 km in der Stunde, und die Sonne beginnt sich zu senken. An einer Gabelung in der Ferne sehen wir einen Militärkonvoi. Hoffentlich werden wir nicht behelligt. Wir halten an - der Konvoi ist eine Gruppe reicher italienischer Geländewagenfahrer, die zaghaft ihr Wüstenabenteuer auf der Straße suchen, die wir gerade gefahren sind. Vor ihren großen Augen fahren wir winkend weiter nach Matmata. Obwohl nur einige -zig km von den Industriestädten am Mittelmeer entfernt, scheint im Dahar-Gebirge die Zeit stehen geblieben zu sein. Im kleinen Ort Beni Zelten laufen wir über eine Stunde in den verlassenen Häusern am Berghang herum. In der Ferne schreit ein Esel. Hühner gackern. Unten auf der Hauptstraße hört man, wie sich zwei Männer unterhalten. Die ganze Zeit ist kein Auto zu hören. Hier sucht die Gruppe die lokale Schule auf, um eine Lieferung Materialien abzugeben. Für die italienische Hilfsorganisation "Bambini nel deserto" (Kinder der Wüste) bringen wir Hilfsgüter für Schulen in die ärmsten Regionen Tunesiens. Begeistert nehmen die Kinder uns auf. Zu schnell geht die kurze Raid in Tunesien vorbei. Und doch kamen uns die sieben Tage wie ein Monat vor. Neben den vielen Sehenswürdigkeiten und den Erlebnissen mit den Menschen habe ich auch immer ein Auge für die Motorisierung der Länder, die wir besuchen. Tunesien muss früher eindeutig in den Händen von Peugeot gewesen sein. Im südlichen Teil ist die Autodichte noch sehr gering. Viele Bauern fahren mit Eselskarren in die Stadt. Mehr als die Hälfte aller Autos sind Peugeot 404 oder 504 Pickups. In Afrika sind diese speziellen robusten Modelle noch viel länger gebaut worden als in Europa. Blattfedern hinten erlauben eine fast unbegrenzte Zuladung. Der unkaputtbare Dieselmotor beschleunigt die voll beladenen Lastesel auf sagenhafte 70 km/h. Man hat hier Zeit. In Beni Khiar an der Nordküste entdeckten wir den wunderschönen Peugeot 203 mit tunesischem Kennzeichen. Er schien noch im täglichen Einsatz zu sein. Nur wenigen Citroens begegneten wir. Ausgerechnet in Beni Zelten überholte uns ohne zu grüßen eine DS mit französischer Zulassung. Sie wurde verfolgt von einem fröhlich hupenden Ami 8 aus Belgien. Nein, ich habe keine Vorurteile gegen DS-Fahrer.... Die links abgebildeten Acadianen sind wenige Beispiele von A-Modellen, die uns begegneten. Beide waren nicht wirklich fahrbereit. Ein Teil der Gruppe verfuhr sich auf der Rückfahrt bei der Suche nach einem Hotel im Touristenort Hammamet. Ein Passant zwang sie aufgeregt zum Anhalten. Er hatte einen der ganz wenigen 2CVs in Tunesien, stellte sich bald heraus, und er lud die Gruppe spontan zum Abendessen ein. Später verschaffte er ihnen noch ein preisgünstiges Hotelzimmer. Wieder einmal staunten wir über die Gastfreundschaft der Tunesier, gepaart mit dem globalen 2CV-Geist. Wir danken Bruno für die Vorberitung der Raid, und wir danken allen Tunesiern, die "Schuld" haben, dass wir das Land in einer so guten Erinnerung behalten. Wir kommen wieder! Karsten, Jutta und Strawberrix / SB-CV 911, Happy Ents Saarbrücken
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