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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
25. Jahrgang 2005 - gegründet 1981

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Der alte Mann und das Benzin

Der alte Mann saß in einem Schuppen. Ich kam hin und fragte: „Sie sind Mister B.P. Aral?“ „Ja“, antwortete er. „Was wollen Sie?“ „Ich hätte mich gern mit ihnen unterhalten. Haben Sie etwas Zeit für mich?“ „Wenn ich alles so viel hätte wie Zeit“, sagte der Alte. „Setzen Sie sich doch – am besten dort auf die Kiste.“ „Also, Bester, wie war das damals“, fing ich an. „Es ging ihnen gut?“ „Ja, sehr gut sogar. Die Autofahrer kamen, ich verkaufte ihnen Benzin und verdiente nicht schlecht dabei - bis dann irgend so ein Halunke das Gerücht aufgebracht hat.“ „Was für ein Gerücht?“ „Daß das Benzin teurer werden sollte.“ „War da was dran?“ 

„Nicht die Bohne. Es kamen auch nicht weniger Kunden, aber sie kamen seltener. Hatte jemand bisher zweimal die Woche fünfzig Liter getankt, so kam er jetzt bloß noch einmal in der Woche. Ich fragte die Leute: Hallo was ist los? Fahrt ihr plötzlich weniger?“ Sie antworteten: „Ja – das Benzin wird ja teurer.“ Ich sagte:  „Wer sagt das denn?“ – „Na ja“, antworteten die Autofahrer, „man hört es – überall.“ Ich dachte: Was sollst du dagegen tun? Sie werden schon wiederkommen – wie früher. Aber sie kamen nicht mehr so oft. Sie fuhren einfach weniger mit ihren Autos. Mein Umsatz ging zurück. Ich war nahe an der Pleite. Was sollte ich machen? Es blieb mir nur eins. Ich mußte die Preise erhöhen. Da kamen meine Kunden und sagten: „Sehen Sie, Mister, es war also doch kein Gerücht.“

„Und sie machten dabei Gesichter, die nichts Gutes verhießen.“ „Und was passierte dann?“ „Meine Kunden schafften ihre großen Wagen ab und legten sich kleine, benzinsparende Autos zu. Einen Zweitwagen fuhr kaum noch jemand. Sie können sich denken, was das für mich bedeutete.“ „Umsatzrückgang und Preiserhöhung.“

„Das letztere noch nicht. Ich wartete. Ich sagte mir, daß sie nun, da sie kleinere Wagen haben, auch wieder mehr fahren würden. Aber sie taten’s ums Verrecken nicht. Ich fragte sie, ob sie mich etwa zwingen wollten, die Preise zu erhöhen. Sie sagten, das fiele ihnen im Traum nicht ein, diese Halunken.“

„Was sagen Sie, Halunken? „Na, weil sie mich natürlich erpreßt haben.“ „Sie haben dann also doch erhöht?“ „Ja, was blieb mir übrig – so wie die Kerle sich verhielten. Aber das war ja noch gar nichts gegen das, was dann passierte: Immer weniger Kunden kamen – Ich erkundigte mich, was denn los sei und erfuhr, daß es Leute gab, die ihr Auto einfach abschafften. Zu solchen Mitteln griffen die Menschen – nur, um mich fertigzumachen. Was sollte ich dagegen tun?“

„Sie erhöhten wieder die Preise?“ „Ja.“ „Wie oft noch?“ „Ich weiß es nicht mehr. Ich erinnere mich nur noch, daß die Burschen mich immer wieder erpreßten. Zum Schluß hatten sie den Preis auf sechzig Mark pro Liter hochgetriebem. Da kam noch mal einer, tankte anderthalb Liter und fuhr davon. Das war der letzte.“ „Und wie lange ist das her?“ „Ich weiß es nicht“, sagte der alte Mann. „Wochen, Monate, Jahre.“ „Und seitdem ist kein Auto, kein Motorrad mehr gekommen?“ „Nein.“ 

Wie ist das nur möglich, dachte ich, und verabschiedete mich, ging hinter den Schuppen, stieg auf mein Pferd und ritt davon.

Gefunden von Klaus Otto

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