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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
26. Jahrgang 2006 - gegründet 1981

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brasilien1.JPG (128269 Byte)
1: Walters Allrad-2CV

brasilien2.JPG (114170 Byte)
2: "Brücke" im Pantanal

brasilien3.JPG (89593 Byte)
3: Schlagloch in der Brücke

brasilien4.JPG (62076 Byte)
4: Kaiman auf der Piste

brasilien5.JPG (90263 Byte)
5: Werkstatt mit Hängematte

brasilien6.JPG (54676 Byte)
6: Am Ziel: Der Zuckerhut

11CV_do_Brasil.JPG (102380 Byte)
7: "11CV do Brasil"

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Mit der Ente zum Zuckerhut

In den siebziger und Anfang der achtziger Jahre war ich mit Walter viel auf Treffen unterwegs. Als er 1982 nach Paraquay auswanderte, wurde ausgemacht, dass ich ihn irgendwann besuche. Aber wann ist irgendwann? Die Jahre vergingen. Endlich, im März 2006 war irgendwann  ... die Zeit war reif!

Nach einem langen Flug von Frankfurt nach Sao Paulo war die Landung für acht Uhr vorgesehen. Was erwartet man von Brasilien? Sonnenschein! Was war? Nebel und da gleichzeitig Stromausfall war, und somit das automatisches Landesystem nicht funktionierte, wurden wir nach Campinas umgeleitet. Dort war schönes Wetter, aber kein internationaler Flughafen  und somit keine Einreise, wir durften nicht aus dem Flugzeug sondern flogen nach ca. 2 Stunden wieder nach Sao Paulo zurück. Dort hatte ich einen Anschlußflug nach Foz de Iquacu. Hatte, den der Flug war weg. Nach langem hin und her bekam ich dann einen Flug der um 14 Uhr starten sollte aber wegen einem schweren Unwetter mit Sturm und sintflutartigem Regen wurde es 17 Uhr bis die Maschine endlich abhob. In Foz, der Grenzstadt zu Paraquay, wollte mich Walter abholen. Wollte, den wegen internationalen Verwicklungen durch Schmuggel war die einzige Brücke, die gleichzeitig Grenzübergang ist, gesperrt. Die nächste Brücke ist ca. 500 km entfernt. Nun, ich wollte ja unbedingt eine Abenteuerreise machen.

Am nächsten Tag war zum Glück die Grenze wieder offen und Walter holte mich ab. Bei ihm zu Hause konnte ich dann seinen Fuhrpark, der aus 2 Landrovern, einem AK 250, einer Ente und einem selbstgebauten 2CV mit Allradantrieb, ähnlich dem Sahara, besteht, bewundern (Bild 1).

Mit dem Sahara ging dann am nächsten Tag die Tour los. Es ging noch etwas durch Paraquay um dann wieder nach Brasilien einzureisen. Es ging in das Naturschutzgebiet Pantanal. Der Pantanal ist das größte zusammenhängende Feuchtgebiet der Erde. Hier haben die Straßen keinen Asphalt und man fährt auf einer staubigen Piste. Regelmäßig muss man kleine Brücken überqueren (Bild 2), und bei näherem Hinsehen bemerkt man, dass der Fahrer unbedingt die Längsbalken treffen muss, damit man nicht hängen bleibt (Bild 3). 

Kaimane sieht man rechts und links von der Straße an Wasserlöchern liegen. Wir trafen aber auch einen mitten auf der Piste, fast zwei Meter lang (Bild 4), und wir konnten uns ihm bis ca. 10 Meter nähern, ehe er träge im Gebüsch verschwand. Von da an musste ich nicht mehr raus zum Pinkeln. Es gab aber auch tolle Vögel, große Schmetterlinge, Aras und viele Wasserschweine zu sehen. 

Kurz vor der Grenze nach Bolivien kehrten wir dann um, und es ging auf die Fernstraße, quer durch Brasilien in Richtung Rio. Ca. 100 km vor Rio wollten wir einen alten Freund von Walter besuchen. Aber erst kamen wir in ein Unwetter und suchten uns in der nächsten Stadt ein Hotel. Dies hatte auch ein Parkhaus und die Einfahrt war so steil, dass wir hier erstmals den Allradantrieb benötigten. Am nächsten Tag stellten wir fest, dass wir nur 20 km entfernt von Walters Freund waren. Er hatte ein Lokal mit deutschen Spezialitäten und dies galt als Geheimtipp. Der Geheimtipp bestand unter anderem auch im Finden des Lokals, der Weg wurde immer enger, steiniger und steiler, und für die letzten 500 Meter benötigten wir wieder den Allradantrieb. Aber der Besuch hatte sich gelohnt, tolle Lage des Anwesens und hervorragendes Essen. 

Am nächsten Tag ging es dann weiter. Das Tanken war immer ein Erlebnis. Die Brasilianer kannten die Ente nicht, und bei den Tankstellen geht alles mit Bedienung. Wenn wir vorfuhren, kamen alle Tankwarte zum Schauen, und stolz war derjenige, der uns bedienen durfte. Andere Autofahrer, die auch Tanken wollten, galten als Störenfriede und wurden nicht beachtet. Wir stellten fest, dass wir Ölverlust hatten, und bei einer Tankstelle konnten wir auf eine Hebebühne. Es stellte sich heraus, dass sich der neu montierte Ölfilter gelockert hatte. Kurzes nachziehen, und der Ölverlust war beseitigt. Bei dieser Gelegenheit sahen wir, dass ein hinterer Stoßdämpfer samt Halterung abgerissen war. An der Tankstelle war auch ein Motorradfahrer, der sich unsere Ente betrachtet hatte. Er erzählte uns gleich, daß Jorginho der Richtige für die Reparatur sei. Er fuhr vor, und es ging quer durch den Ort bis zu einer kleinen Werkstatt. Diese hatte die Größe einer Doppelgarage und war voll mit Werkzeug, und in einer Ecke hing die in Brasilien allgegenwärtige Hängematte (Bild 5). 

Nach der Reparatur ging es weiter nach Rio. Wir erreichten die Stadt gegen 12 Uhr und mussten auf einem Autobahnring genau auf die andere Seite. Diese Straße war teilweise vierspurig und trotzdem überholte kaum einer. Man fuhr neben und hinter uns und die Fotohandys klickten nur so. Wenn wir anhielten wurden wir immer gefragt, was dies für ein Auto sein. Es gab auch Leute, die den Doppelwinkel kannten und die meinten es wäre ein antiker Citroen aus den dreißiger Jahren. Wir ließen sie in dem Glauben. Endlich war der Zuckerhut zu sehen (Bild 6).

Eigentlich hätte ich ja gerne angehalten um ein Foto mit der Ente im Vordergrund zu machen, aber das getrauten wir uns dann auf der vielbefahrenen Autobahn doch nicht, obwohl uns Pferdefuhrwerke, Fahrräder und Jogger entgegenkamen. Später gab es dann keine Stelle mehr, wo man beides gemeinsam fotografieren konnte. Direkt am Zuckerhut fanden wir dann einen Parkplatz, und mit der aus einem James-Bond-Film bekannten Seilbahn ging es hinauf in luftige Höhe. Von oben aus konnte man sehen, welche gewaltigen Ausmaße diese Stadt hat. 

Unten wieder angekommen sprach uns ein junger Mann an, der anbot, mit seinem VW-Bus mit uns auf den anderen Hausberg Rios, den Corcovado,  zu fahren. Dies war auch ein Abenteuer, denn der uralte VW-Bus war mit einer Gasanlage ausgestattet, und nach dem Betanken ging es dann im Affenzahn durch engen Gassen  mit Kopfsteinpflaster steil hinauf auf ca. 700 m Höhe. An dem Bus hätte ein deutscher TÜV-Prüfer seine Freude gehabt. Er hätte wahrscheinlich besser die Teile angekreuzt, die noch ganz waren, und wäre damit schnell fertig gewesen. Zum Glück waren die Bremsen einwandfrei, denn so manches mal musste er voll in die Eisen steigen um einen Unfall zu vermeiden. So kamen wir nach dem sehenswerten Ausflug heil zur Ente zurück, um mit dieser am selben Abend wieder Rio zu verlassen. 

Klaus Otto

Fortsetzung folgt.

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