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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
27. Jahrgang 2007 - gegründet 1981

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Text: Karsten Schreiber
Fotos: Karsten Schreiber, Monika Westfal und Alain Descamps

 

 

 

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2. Mini Raid Vehu, 1.-5. Februar 2007

Der Klimawandel hat ernste Konsequenzen.  In Deutschland gibt es keinen Winter mehr. Wir haben beschlossen, weniger Auto zu fahren. Deshalb mussten wir nach Finnland fliegen, um richtigen Winter zu erleben. Selbst im hohen Norden gab es bis Januar Probleme mit dem Winter. Doch wir wussten, dass wir dem SFROT, dem "Super Finn Raid Organisation Team" vertrauen konnten. Veikko, dem Spezialist für Tieftemperaturforschung, gelang es, genügend schneebeladene Wolken zur finnischen Wasserscheide nach Vehu umzuleiten. 

"Always heading north" ("immer nach Norden fahren") ist das Motto der Superfinnen. Wie der erfahrene Leser jedoch weiß, nimmt die Straße nach Norden manchmal lustige Umwege. Wenn man bedenkt, dass sie 2004 von Saarbrücken nach Helsinki über Wien, Warschau, Riga und Tallinn führte, erscheinen die diesjährigen Routen der Mini-Raider vergleichsweise normal (um die Karte mit allen Routen nach Vehu zu sehen, einfach den Kartenausschnitt links anklicken).

Wer sich hauptsächlich für Statistiken von Ententreffen interessiert, wird hoch erfreut sein: Im Vergleich zur ersten Mini Raid Vehu von 2006 hat sich die Zahl der teilnehmenden 2CVs von einem (1) auf drei (3) verdreifacht. Zählt man alle A-Typen mit, hat sie sich dank eines teilnehmenden AMI 6 sogar vervierfacht. Die Personenzahl hat sich von 11 auf 21 nahezu verdoppelt. (Ist dies der Anfang einer sich exponentiell fortsetzenden Reihe?) Die niedrigste Temperatur konnte hingegen nicht vollständig zufrieden stellen: Sie erreichte am Morgen unserer Abfahrt "nur" inoffiziell gemessene -14°C im Auto. Von den Raidern, die noch ein paar Tage länger geblieben sind, wurden allerdings äußerst zufriedenstellende -35°C gemeldet.

Vehu liegt am Ostrand der finnischen Provinz Österbotten, die für die besondere Mentalität ihrer Bewohner bekannt ist. Hauptattraktionen in Vehu und Umgebung sind Wald, wenige Straßen und einige verstreute Bauernhöfe. Häuser sind ebenso dünn gesät wie Ortschaften. Die ehemalige Schule von Vehu, in der wir uns trafen, war bis zu ihrer Schließung in den sechziger Jahren der Dreh- und Angelpunkt des Gemeindelebens in einem weiten Umkreis. Später hat die Familie Jousmäki sie zu einem gemütlichen Tagungsheim für Besucher von Nah und Fern umgebaut. Das große Klassenzimmer wurde zu einem Tagungs- und Esssaal umgebaut, und im zweiten Stock gibt es einfache aber schöne Schlafräume für zwei bis acht Personen. 

Eine weitere Attraktion neben der wunderschönen finnischen Holzarchitektur des alten Schulhauses ist das benachbarte Saunagebäude mit einem echten Holzofen und einen Holz-befeuerten Badezuber für fünf bis sechs Leute. Es gibt nichts schöneres als zusammen mit guten Freunden in einer nicht zu heißen finnischen Holzofensauna zu sitzen, den Geruch des Holzfeuers in der Nase, ein Bier zu schlürfen oder zwei und den Stress des Tages herauszuschwitzen. Später entspannt man sich dann im wohltemperierten Holzzuber und bewundert den klaren nordischen Sternenhimmel.

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Obwohl die Wälder von Vehu ziemlich einsam sind, ist die Gegend nicht völlig frei von Touristenattraktionen. Am ersten Tag besuchten wir Aapo-Matti Hokkanen in Ähtari, der die Badezuber aus speziellem wärmebehandeltem Fichtenholz herstellt. Wir waren von seiner Handwerkskunst und seinen wunderschönen Produkten beeindruckt. Wer Interesse am Kauf eines finnischen Badezubers oder einer runden 2-Personen-Sauna zum Aufstellen im Garten hat, kann diese bei ihm bestellen - er liefert regelmäßig nach Deutschland: www.amhpuu.fi (Seite auf Finnisch und Deutsch).

Im nich weit entfernten Ort Tuuri hat ein einfallsreicher Kaufmann seinen früheren Tante-Emma-Laden über die Jahre zu Finnlands zweitgrößtem Einkaufszentrum mit dem Namen "Veljekset Keskinen" ausgebaut. Heute arbeiten in dem schläfrigen Landstädtchen mit 500 Einwohnern über 300 Mitarbeiter in einem 10.000 Quadratmeter großen Komplex und verkaufen Lebensmittel, Baustoffe, Sportartikel, Kleidung und Unterhaltungselektronik. In einer Ecke der Elektronikabteilung stand eine Vitrine mit der Originalmaske des Gewinners des European Song Contest 2006, Lordi aus Finnland. Vielleicht kommt er irgendwo aus den Wäldern bei Vehu. Am zweiten Tag unternahm die Gruppe eine "Shopping Raid" nach Tuuri und überfiel das Einkaufszentrum. Die aufregendste Entdeckung für die 2CV-Freunde war das Hinweisschild auf die Autozubehörabteilung: Es zeigte eine Wellblechente.

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Unter meinen Beifahrern gibt es hartnäckige Gerüchte, ich werde ungemütlich, wenn ich nicht alle zwei Stunden gefüttert werde. Sogar die Organisatoren der Mini-Raid müssen von diesen völlig aus der Luft gegriffenen Vorurteilen gehört haben. In Tampere wurden wir als Allererstes in die "Mustamakkara Baari" direkt an den Tapola-Werken geführt, wo die Blutwurst gemacht wird, für die Tampere so berühmt ist. Ähnlich wie die Münchner Weißwurst wird sie eigentlich nur frisch gegessen, sie darf sogar gar nicht kalt werden, sondern wird direkt aus der Produktion in Warmhaltebehältern an die Verkaufsstellen in Tampere gebracht. Man isst sie mit Preiselbeerkompott und Milch. -

In Vehu versorgten uns Päivi, Andreas, Alain und Erik Abend für Abend mit den besten selbst gekochten Gerichten, die mit Bier, Wein und Schnaps heruntergespült wurden, den die Teilnehmer aus ganz Europa mitgebracht hatten. Obwohl wir in Vehu noch weit davon entfernt waren, den Polarkreis zu überqueren, haben die Organisatoren freizügig eine neue Ausgabe des berühmten Enough Drink gemixt. Diesmal waren die Zutaten so gut ausgewogen, dass kein Tropfen des Zaubertranks in die Umwelt entsorgt werden musste. 

Die Getränke verfehlten ihre Wirkung nicht. Samstag Abend verbrachten wir damit, unter der sachkundigen  Leitung von Jukka finnische Humppa-Lieder zu singen und ihre englischen Originale zu erraten. Um Mitternacht stimmten alle in ein Geburtstagsständchen für Monika ein, der die Ehrenbürgerschaft von Vehu verliehen wurde und die seitdem den Titel "Vehu Finn" tragen darf. Nach einer alten deutschen Tradition wurde ihr eine "Alte Schachtel" am Band verliehen, die sie stolz für den Rest des Abends um den Hals trug.

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Zwischen den Mahlzeiten und den Partys verbrachten wir die Tage größtenteils damit, verschiedene Fortbewegungsmittel im Schnee auszuprobieren. Das faszinierendste Gerät für Besucher aus Mitteleuropa ist das potkukelkka, eine Art Rollator mit Kufen oder Stehschlitten für die vereisten finnischen Straßen und Bürgersteige. Die Eingeborenen von Vehu (die heimlich hinter allen Fenstern beobachteten, was die Verrückten so trieben) waren der Überlieferung nach über die Vielfalt der Nutzungsmöglichkeiten ihrer Schubsschlitten recht beeindruckt. Sie selbst bevorzugen heutzutage allerdings PS-starke Motorschlitten. Uns ist freilich nicht entgangen, dass auch Jukka selbst großen Spaß daran hatte, mit uns im Schnee zu spielen, indem er einen Zug aus unseren  Schubsschlitten hinter seiner Ente durch den Schnee zog. Nicht jeder schien jedoch an dieser anstrengenden Exkursion Spaß zu haben. Das Foto unten rechts zeigt zwei Teilnehmer, die sich um das Recht auf den Beifahrersitz von Jukkas 2CV "Kallefarao" streiten, statt mit dem Schubsschlitten laufen zu müssen.

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Sonntag versammelten sich die Vehu Finnen erneut zu einer weiteren Demonstration für eine 11. Raid Laponie. Selbst die Organisatoren, die jede weitere Raid Laponie strikt dementieren, schlossen sich den Protestlern an. Nachdem einige Fotos gemacht wurden, löste sich die Gruppe auf und fuhr friedlich nach Hause. Die jenigen, die länger bleiben konnten, erlebten am Dienstag einen Hauch von arktischer Kälte mit -35°C. Die anderen flogen in die subtropischen Regengebiete der heutigen mitteleuropäischen "Winter" zurück.

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