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Der kleine
Rundbrief für Citroën-Freunde |
Email an die Redaktion: Ortsclub
Saarbrücken: |
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Lustige Autos
aus Japan
Manche Leute nennen den 2CV "Häßliches Entlein". Ich bin da anderer Meinung, aber das weiß der geneigte Leser ja schon. Spätestens ein Blick über den Tellerrand nach Japan hat mich jedoch endgültig von dem zeitlos schönen Design der Ente überzeugt. Es haben schon viele Autohersteller (einschließlich Citroën) versucht, einen Nachfolger der legendären Ente zu bauen. Wir sind uns einig: Einzelne Elemente zu kopieren mag gelungen sein, aber der 2CV bleibt die einzig wahre Ente. Längst nicht alle Versuche von Plagiaten sind nach Deutschland gelangt. Hier eine Auswahl besonders lustiger Modelle aus Fernost. |
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1989 brachte Nissan den Kleinwagen PAO als modischen Ableger des K10 Micra heraus. Den Kleinwagen im Retro-Syling gab es als geschlossenen PKW oder mit einem Stoff-Rolldach. Er wurde lt. Wikipedia zwischen 15. Januar und 14. April 1989 nur auf Bestellung als PAO ohne den Familiennamen "Nissan" verkauft. Der PAO hatte einen wassergekühlen 1-Liter-Vierzylindermotor mit 52 PS und Dreigang-Automatik oder manuellem Fünfganggetriebe. Der Verbrauch lag zwischen 3,4 l/100 km (bei konstant 60 km/h) und 5,5 l/100 km im Stadtverkehr. Erwähnenswert auf einer Citroën-Seite ist der PAO eigentlich, a) weil wir schräges Design lieben, und b) weil er - soweit uns bekannt - das einzige Serienfahrzeug neben dem 2CV ist, das ein waagerecht geteiltes Klappfenster hat. Im Falle des PAO allerdings hinten - ein Luxus, den sich schon so mancher hinten im 2CV Mitfahrender auch dort gewünscht hat. Mehr Details zeigt das sehr schön gemachte Prospekt. Hier kann man den PAO kaufen. Malle vom Freiburger Entenclub hat recherchiert, dass der Nissan Pao zwischen 1989 und 1991 gebaut wurde, meist mit 1l-motor, als 5-sitzer, entweder mit 5-Gang Handschaltung 3-Gang Automatik, mit Klimaanlage und Servolenkung. Der Pao war eines der vielen doch teilweise recht schrulligen japanischen "Kei-Cars" (von keijidousha = leichtes Fahrzeug), bei denen die vorgaben wie folgt sind: weniger als 3,4 m lang, weniger als 1,5 m breit. weniger als 64 PS. Bis 1990 musste das alles aus weniger als 600 ccm kommen - allerdings wurde diese Limite angehoben, als mehr und mehr Hersteller anfingen (wie Nissan beim Pao), größere Motoren einzusetzen. In japan sind die Kei-Cars steuerlich und versicherungtechnisch begünstigt - und von weiten an gelben Nummernschildern zu erkennen. Vergünstigungen gibt es sogar auf japanischen Mautstrecken. Außerdem muss der Besitzer dieser Kleinstwagen den für "normale" Autos zwingenden Parkplatznachweis nicht erbringen. |
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Nissan S-Cargo
Es sage niemand, dass die Japaner nicht geniale Konstrukteure und Erfinder haben. Der Nissan S-Cargo ist ein kleiner Lieferwagen, dessen Design vom 2CV inspiriert sein könnte. Er hat sogar ein Einspeichenlenkrad. 1989, als der S-Cargo herauskam, war der 2CV in Japan erstaunlich beliebt, das mag Nissan zu diesem Nachbau inspiriert haben. Lustiges Auto - lustiger Name: Er klingt wie "escargot", was Französisch ist und nichts anderes als "Schnecke" heißt. Eine Firma namens Pike hat zwischen 1989 und 1992 rund 12.000 von diesen Dingern für Nissan produziert. Der schräge Look ließ weltweit eine kleine Fangemeinde heranwachsen, nachdem auf grauen Kanälen einige Schnecken auch in andere Länder gelangt sind. In Japan ist der Mikro-Van wegen seiner glatten Seitenwände bei Geschäftsleuten besonders beliebt, die den hohen Aufmerksamkeitswert für Werbeaufdrucke nutzen. Bei der Motorisierung hören die Parallelen zur Ente spätestens auf: Der S-Cargo hatte einen wassergekühlten 1,5-Liter-Vierzylindermotor mit 73 PS und einem 3-Gang-Automatikgetriebe und Klimanalage (!). Als Sonderwunsch war ein elektrisch bedienbares Stoffdach erhältlich. Mit 1,59 m fällt die Breite nicht gerade üppig aus, dennoch fanden bis zu vier Personen Platz in dem Ding. Mehr gibt es z.B. auf dem S-Cargo-Blog zu lesen. |
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Will VI
Es gibt da noch andere Formen, die uns irgendwie bekannt vorkommen: Hier der "Will VI", der 2000 herauskam. An was soll die römische sechs im Namen bloß erinnern? "Zielgruppe sind junge Frauen zwischen 20 und 30, die ein kompaktes Auto zum Einkaufen, Von-A-nach-B-Kommen oder einfach zum Rumhängen mit Freunden suchen. Mit seinem speziellen Styling, das moderne Akzente mit nostalgischen Elementen verbindet, ist der Will Vi außerdem ein Auto für Spaß und Entspannung", so ein wunderschön geschliffener Werbetext. Im Lastenheft des Designers stand - hört, hört - "Simplicity is Beauty" - Einfachheit ist Schönheit. Überflüssiges gibt es nicht, alles was der Fahrer braucht, ist serienmäßig da. Wahlweise kann lediglich ein Stoffdach und ein Radio als Zubehör geordert werden. Das Stoffdach soll diejenigen ansprechen, die Freiheit und altmodiche einfache Technik lieben. Es wird von Hand geöffnet, zurückgefaltet und hinten festgeschnallt. Beim Motor hört die Nostalgie jedoch auf: Hier hat Toyota (die finanziell hinter der Entwicklungsfirma "Virtual Venture Company" aus Tokyo-Sagenchaya steckt) alles aufgeboten, was moderne Autobauer an Leichtbau und Innovation so zu bieten haben. Der Vollaluminiummotor hat ein Kunststoff-Ansaugrohr, versetzte Hubzapfen und weitere Schmankerl, um den Verbrauch und die Geräuschemission zu senken und die Fahreigenschaften zu verbessern. Dazu gehört auch eines der leichtesten Automatikgetriebe der Welt (lt. Werbetext). Der Wagen ist mit 1,3 l und 85 PS nicht gerade nostalgisch motorisiert. Das Fahrwerk hat Toyota aus dem Regal geholt: Wir kennen es vom Yaris. Im ersten Jahr verkaufte Toyota unter der Marke "Will" ohne großartige Werbung 2000 Stück im Monat, doch schon 2001 sanken die Verkaufszahlen unter 800 pro Monat, eigentlich keine wirtschaftlich vertretbare Menge. In Deutschland war der neue AMI 6 nie zu haben. Vielleicht hätte er ja Chancen bei Freunden klassischer Citroëns gehabt? Wen es interessiert: Hier gibt's mehr zum Projekt "Will" aus betriebswirtschaftlicher Sicht. |
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Wir wollen nicht gleich eifersüchtig werden, aber auch Englische Vorbilder finden in Fernost Nachahmer zuhauf. Zumindest was das Design angeht. Hier ein "Daihatsu Trevis", der derzeit auch in Deutschland angebote wird. Komisch, dass BMW dies nicht verhindert hat - die Frontansicht sieht aus wie ein Mini aus einem Kinderzeichentrickfim. Wen's interessiert: Der Trevis Junior hat 58 PS, verbraucht 4,8 l/100 km und kostet in Deutschland ab 9.990 Euro. Was ist jetzt erstaunlicher: Dass sich ein Hersteller traut, sowas zu bauen, oder dass es Kunden gibt, die das Ding kaufen? |
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M |
Vordergründig scheint es, als seien in Japan erstaunlich viele englische Fahrzeuge aus den 50er und 60er Jahren erhalten worden. Doch bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die meisten als moderne Kleinserienfahrzeuge der Mitsuoka Motor Co., Ltd. (japanisch: 株式会社光岡自動車) im Retro-Design. Der 1979 von Akio Mitsuoka gegründete Kleinstserienhersteller fertigt heute lt. Wikipedia gut 1000 Autos pro Jahr. Die Modellpalette umfasst derzeit acht skurile Gefährte zwischen dem Rolls Royce nachempfundenen New Galue ("The egoism way of living") und dem sehr britisch wirkenden Viewt ("To be loved forever") (Fotos rechts und links). Oder wie formuliert es der Spiegel: "Für europäische Verhältnisse ist das japanische Modellprogramm von Toyota, Nissan & Co schon ziemlich eigenartig. Doch kein Hersteller treibt es bunter als Mitsuoka." (Heft vom 27.10.2005). Wen wundert es, dass die Fahrzeuge bisher nur in Japan und in den USA verkauft werden. Ein Blick auf die Homepage der Firma Mitsuoka lohnt sich auch ohne Japanischkenntnisse auf jeden Fall. So reto, wie die Karosserie aussieht, so modern kommt das Interieur (内装) daher. Die lange Ausstattungsliste (主要装備) des als 1200 und 1500 Kubik-Fronttriebler oder 1400-Kubik-Allrad angebotenen Modells mit 90 bis 109 PS lässt streng nach japanischer Manier keine Wünsche offen. Die Preisliste beginnt in Japan bei 2,3 Mio. Yen, das sind rund 14.500 Euro. |
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Auch vor Smart machen die Japaner nicht halt. Suzuki Twin ist ein Keicar (s.o.), der von 2003 bis 2005 nur in Japan verkauft wurde. Der Twin war als Hybrid erhältlich, in dem ein Elektromotor den Dreizylinder-Benzinmotor dann unterstützte, wenn er es am nötigsten hatte: Beim Beschleunigen. Ergebnis ist ein Benzinverbrauch unter drei Liter auf 100 km. Dabei hat der Wagen eine Viergangautomatik, die, will man dem Fahrbericht in der Auto-Bild Glauben schenken, besser schaltet als das Vorbild aus Hambach. Ansonsten werden sich Smart-Freunde im Twin wohl fühlen: Alles sieht genauso aus. Sogar der Fahrersitz ist wie im Vorbild gegenüber dem Beifahrersitz etwas nach hinten versetzt. Warum gibt es sowas nicht in Deutschland? Warum muss ein Smart so viel mehr Benzin verbrauchen? Unbeantwortete Fragen ... Fahrbericht aus Auto-Bild 42/2004 |
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Midget Pickup
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Daihatsu Midget
II "Es" erinnert etwas an den S-Cargo, gekreuzt mit einer Isetta-Kombi. Bei näherem Hinsehen entpuppt es sich jedoch als eigenständiger Entwurf. Bei diesem lustigen Vehikel von Daihatsu, das von 1996 bis 2001 gebaut worden ist, fallen dem geübten 2CV-Kenner sofort die Scheinwerfer auf, die wie bei der Ente in gesonderten Gehäusen außerhalb der Karosserie angebracht sind. In diesem Fall war der Grund allerdings nicht der derzeit übliche Zeitgeistgeschmack, sondern purer Platzmangel. Die Karosserie umschließt den Fahrersitz so geschmeidig eng, dass keinerlei Volumen für Details wie Scheinwerfertöpfe im Inneren übrig bleibt. Der Midget II ist der Nachbau von sich selbst, nämlich dem dreirädrigen Midget I von 1957, der wiederum stark an den deutschen Tempo-Laster erinnert. Das Ganze wird zum Ausliefern in sehr engen Gassen verwendet, in die selbst ein KIA Towner o.ä. nicht hinein kommen würde. Immerhin fasst der Laderaum, der komfortabel im Heck des Fahrzeugs direkt hinter dem Fahrersitz angeordnet ist, das Volumen von 6 Bierkästen. Mehr Auto braucht kein Mensch. Trotzdem hat sogar dieses Auto ein paar technische Daten: Mittel-Motor mit 660qcm, 3 Zylinder-Viertakter mit Vergaser, 31PS. Manuelles 4-Gang-Getriebe oder 3-Gang-Automatik, Klimaanlage serienmäßig (a.W. auch ohne Klima!), Verbrauch 5,9 liter Benzin/100km, Steuer EUR 45/Jahr(LKW-Zulassung). Einarmwischer, Einsitzer, Auf Wunsch (nur Automatikversion) auch mit zwei Sitzen, Fzg-Breite 1,3 m. Der Ein- und Ausstieg wird (zwcks Linksverkehr in Japan) durch die rechte Tür erledigt. Im deutschen Werbeprospekt wird auf den Vorteil des verringerten Unfallrisikos hingewiesen. Weiter heißt es dort: "Simple is best: zuverlässige Technik - keine komplizierte Elektronik und Mechanik. Wartung kann jede Werkstatt durchführen." Erhältlich sind gebrauchte Exemplare in Deutschland ab EUR 3.666,--zzgl. MwSt. Es gibt sogar einen Umbausatz, um sich die gesichtslosen Konservendosen zu einem HY umzustricken! Der Name des Umbausatzes lautet "Dejah", so wie "déjà vu" .... |
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Retro-Minivans
Mikro-Vans erhalten in Japan nicht nur HY-Look, auch vor anderen Vorbildern wird nicht Halt gemacht. Große Mode scheint das Customising von Minivans nach Retro-Vorbildern aus Europa zu sein. Links wird man an englische Wagen der sechziger Jahre erinnert. Bei dem Bild rechts fällt mir jetzt gerade nicht ein, wie das Original-Auto heißt. ;-) (Foto rechts: (c) Wikimedia Commons) Der HY scheint es den Japanern besonders angetan zu haben, hier gibt es noch ein schönes Beispiel des Plagiats, dessen Herkunft wir allerdings nicht herausgefunden haben: http://vc2.neortic.org/Museum/HJ01/DmuseumHJ02.jpg Genug der Kopien - die Serie ließe sich beliebig fortsetzen. Schreibt der verzweifelte Karsten, der während der Recherche für den Artikel und dem Anblick dessen, was uns auf unseren Straßen so alles erspart bleibt, beinahe wahnsinnig geworden ist.... |
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