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Der kleine
Rundbrief für Citroën-Freunde
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Südkurier vom 15.08.2008 Furtwangen Liaison mit einer Blechbüchse Eng, luftig, kultig: Bernd Trilling und seine Ente VON JENS WURSTHORN
Erst den Choke ziehen. Sonst kann mein fahrbarer Untersatz seine 27 PS nicht auf die Straße bringen. Und den Rückwärtsgang reinpfriemeln. Zwar umschmeichelt der Entenkopf auf dem Schaltknüppel die Hand, doch die Schaltwege sind ungewohnt. Zumal die Vorwärtsbewegung der Ente mit einem Trick eingeleitet wird. "Der erste Gang ist nicht synchronisiert, legen Sie den zweiten ein und schalten dann zurück", meint mein Fahrlehrer Bernd Trilling, nachdem wir aus seiner Garageneinfahrt auf die Carl-Diem-Straße geglitten sind. Los geht's. Willkommen im rollenden Geburtstagskind. Das Kultauto "Ente", korrekt das Fabrikat 2CV des französischen Automobilherstellers Citroën, feiert dieses Jahr seinen 60.Geburtstag. Grund genug, hier den prominentesten Furtwanger Enten-Fahrer vorzustellen. Bernd Trilling fährt Ente aus Leidenschaft. Völlig stressfrei, mit einer Zusatzdosis Zeit als Beifahrerin. Aber nicht mehr im Winter: Das hieß frierend trotz Heizung, ohne Kopffreiheit, wenn das Rolldach geschlossen ist und mit dem beengten Ausblick eines Panzerfahrers, wenn die winzigen Scheibenwischer gegen die Schwarzwälder Schneemassen kämpfen. Saisonkennzeichen heißt die "Altersteilzeit" für "Stabilchen". So war das 1985 hergestellte rote 597-Kubik-Vehikel von der Vorbesitzerin getauft worden. Bei Lehrer Trilling war es seit dem Jahr 2000 nur die "Ente". Und sie war erstmal krank.
Mit gesundem Grundgeräusch tuckert die Ente dem Linacher Kreuz entgegen. Details bleiben dem ungeübten Fahrerohr verborgen. Das offene Dach gewährt eine starke akustische Einbindung in den Lärm der Straße. Herrlich. Am Staatsberg beschleunigt der "ZwoCeVau", erklimmt fauchend mit 60 Sachen die Bergstrecke. Wenden am Wanderparkplatz. Großer Wendekreis. Stabilchen schaukelt wie ein Schiffchen. Bei 600 Kilo Leergewicht macht sich jede Gewichtsverlagerung des rollenden Personals sofort bemerkbar. Trilling kennt seine Ente seit rund 60000 Kilometern. Nachdem das anfängliche Nässeproblem im Gefolge einer porösen Bodenplatte gelöst war, absolvierten die beiden inzwischen fünf TÜV-Termine. Und noch mehr denkwürdige Fahrten. Nicht nur, dass die "Ente" vor Jahren als Umzugsauto zwischen Gütenbach und Furtwangen diente, weil sie der Zimmerpalme bei aufgerolltem Dach genügend Platz bot. Auch Italien hat Trilling mit Frau Dana und Ente schon bereist. Mit Zusatzkoffer auf dem Kofferraum mutierte das geschweißte Entlein zum wahren Raumwunder, "in dem man sogar hätte schlafen können". Bergab geht die Fahrt. Zügiges Tempo. Doch die 120 Sachen, die der Tacho verspricht, wollen wir nicht in Anspruch nehmen. Nicht schneller als bergauf. Die Motorbremse schont die Bremsbeläge. Gleich ist die Stadtgrenze erreicht. Wir haben Vorfahrt. Eigentlich. Von rechts witscht ein Audi in den Fahrzeugstrom. Keine Gefahr. Aber als Entenfahrer wird man eben nicht richtig ernst genommen. Zwei Fahrminuten später: "Stabilchen" sieht den Stall. Trilling schätzt sein 2CV. Es ist die dritte in einem modellreichen Autofahrerleben. 30 bis 40 Autos hat er schon besessen. Mit einer BMW Isetta ging es los, etliche Käfer waren dabei, ein NSU Prinz, ein VW-Bus und sogar mal ein Leichenwagen Marke Ford Transit. Die Ente erlaubt ihm, sich auf höchst zuverlässige Weise von der uniformen Masse der Kraftfahrzeuge abzusetzen. Vielleicht zehn Mal sei er mit seiner aktuellen Ente liegen geblieben. Klingt dramatisch, ist es aber nicht: Da ein Kabel zurückgesteckt, dort zwei Teile zusammengeführt - und weiter ging die Fahrt nach "keinen fünf Minuten" - obwohl der SPD-Ortschef nach eigenem Bekunden zwei linke Hände hat. Beim einzig größeren Malheur half der Zufall. Auf der Italien-Heimfahrt verlor das heißgebremste Stabilchen auch noch eine Zündkerze. Der Mann vom ADAC, der mit seinem Servicefahrzeug ganz in der Nähe stand, hatte ein passendes Fabrikat dabei.
Auch wenn "Stabilchen" derzeit noch ein robustes, wintergeschontes Vehikel ist, dessen Wehwehchen in der Werkstatt von Markus Fehrenbach kuriert werden: der Artenschwund ist nicht zu leugnen. Auch in Furtwangen. Der legendäre Entenclub besteht nicht mehr. Wohl fährt Gastronom Franz Dold immer noch seine TV-erfahrene Kastenente spazieren, aber auch die markante Ente von Bregtalschulleiter Wilfried Neuburger schaukelt nun auf anderen Strecken. Vorbei sind die Zeiten, in denen die "Ente" als billiges Studentenfahrzeug diente. Wer heute eine sein Eigen nennt, der pflegt sie. Holt sich Tipps auf Ententreffen, liest das Fachorgan "Entenschnabel" und bestellt Originalteile beim besonderen Internet-Fachhändler. Oder er zahlt. Von 300 Mark auf 2500 Euro kletterte der Wert des Trilling'schen Spaßautos. Fast hätte er im Frühsommer "Stabilchen" veräußert: eine Absicht, die der schmerzenden Schulter geschuldet war. Die Interessentin aus Dortmund wollte aber eine neue TÜV-Plakette. Die gab's ohne Riesenaufwand und Trilling revidierte seine Entscheidung. Schulterschmerzen hin oder her - die Liaison mit der Französin geht weiter. Der
Weg der Ente In Deutschland war die Ente ab 1958 zu haben. Gegen die deutsche Konkurrenz hatte es der Sonderling schwer. Als Studentenkutsche, billig im Unterhalt, war der 2CV eine rollende Protesthaltung gegen Statusdenken und Spießigkeit. In den vergangenen Jahren nahmen die Zulassungszahlen hierzulande stetig ab: von 300000 1990 auf nurmehr 20000 Anfang 2005. Eingesandt von Bernd Trilling, veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Südkuriers |
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