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Der kleine
Rundbrief für Citroën-Freunde
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2 CV - jetzt auch mit Mittelmotortechnik...
Beim großen Treffen in Rochefort / Belgien 2008 gab es ein seltsames Eigenbau-Vehikel zu bestaunen. Oft photographiert gab es Anlaß zu zahlreichen Diskussionen. Eingesetzt wurde es von den Organisatoren überwiegend als Müllwagen des Treffenplatzes. In einem aus Vierkantprofilen zusammengeschweißten Rahmen sitzt mittig quer zur Fahrtrichtung eingebaut eine 2CV-Motor-Getriebe-Einheit. Die Antriebswellen weisen dementsprechend nach vorne bzw. nach hinten und sind jeweils an ein 2CV-Getriebe in "normaler" Lage angeflanscht. Diese Getriebe versorgen in gewohnter Weise Vorder- und Hinterachse aus dem 2CV-Teileregal. Das ergibt eine sehr hohe Untersetzung, dreht sich doch die Eingangswelle der eigentlichen Fahrgetriebe nur noch mit der Drehzahl der Ausgangswelle des Motor-, hier Zwischengetriebes. So war das Vehikel denn auch stets in Schrittgeschwindigkeit unterwegs während das Motörchen autobahnmäßig tobte. Alle Anbau- und Bedienungsteile entstammen, wie sollte es anders sein, dem 2CV-Fundus. Eine pfiffige Idee - aber "geklaut": Zwischen 1976 und 1978 produzierte die Firma Lohr im Elsaß etwa 300 Exemplare des Lohr Fardier FL 500 mit genau dem gleichen Antriebssystem auf Basis von 2 CV bzw. Mehari-Technik. Die extrem geländegängigen Vehikel waren für die Fallschirmtruppen der französischen Armee gedacht, die 218 Exemplare übernahmen. Der Rest verteilt sich auf Belgien und eine handvoll für Argentinien sowie Tunesien. In Spanien wurde eine unbekannte Anzahl in Linzenz gebaut. Ein Militär-Transportflugzeug, Typ Transall konnte 6 Fardiers, zum Fallschirmabwurf oder 12 als normale Ladung, ein Hubschrauber, Typ Puma, 1 Exemplar mit Mannschaft und Ausrüstung transportieren bzw. per Fallschirm hinter den feindlichen Linien abwerfen. Ein Fardier konnte eine 120 mm-Kanone, ein "Milan"-Raketensystem oder 4 Fallschirmjäger mit Kampfausrüstung transportieren . Auch Funkausrüstung und eine Ambulanzversion mit 2 Tragen sind bekannt. Bei 600 kg Eigengewicht beträgt die Nutzlast fast 800 kg (zul. Ges.gewicht 1400 kg !!) Die ersten Exemplare wurden noch mit dem 29 PS-Entenherz ausgestattet, mit Erscheinen des Visa 1977/78 verfügte der L-Fadier dann auch über stramme 36 PS, quer in der Mitte eingebaunt, Ventilator weist zur linken Seite. Das Chassis war eine geschweißte Stahlrohrkonstruktion, die Ladefläche war mit Aluminiumblech ausgeführt. Der Fahrer saß vorne links. Schwingarme, Antriebswellen, Federtöpfe wie bei der "Ente", für uns nichts aufregendes, in mehreren Veröffentlichungen wird aber erstaunt über die "waagerecht angeordneten Schraubenfedern in Federhülsen auf jeder Seite des Rahmens" berichtet. Die Technik war für permanenten Allradantrieb ausgelegt, der Antrieb nur einer Achse wurde wegen der komplizierten notwenigen Mechanik verworfen. Es war ausgestattet mit einer Sperre, ähnlich einer zentralen Differentialsperre wie z. B. Landrover u.a. 4x4 Geländewagen. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei 80 km/h liegen, über die dann herrschenden Drehzahlen des Motörchens möchte ich dann lieber nicht nachdenken. Auch dürfte es schwierig gewesen sein, sich dem bösen Feind auch nur einigermaßen lautlos zu nähern..... Ab Werk waren alle Fadiers komplett straßentauglich, d. h. mit Lichtanlage, Hupe etc. ausgestattet. Die Konstruktion erlaubte auch 4 Scheibenbremsen sowie unabhängige Handbremse für Vorder- und Hinterachse. Die Geländegängigkeit soll dank kurzem Radstand und kurzen Übergängen ausgezeichnet sein. Die Wattiefe betrug allerdings nur 40 cm, Zugeständnis an den tiefliegenden Motor zwischen den Achsen. Der Lohr Fadier wird bis Mitte der 90er Jahre bei der franz. Armee genutzt und nach der Ausmusterung, ähnlich wie in Deutschland, über eine Verwertungsgesellschaft verkauft, so dass inzwischen zahlreiche Lohr Fadiers in Frankreich zivil zugelassene Spaßvehikel sind. Beim Franz. Nationaltreffen 20xx in Salbris war ein ehemals auf einem Militärflughafen genutzer Lohr Fadier zugegen, der mit einem Mähwerk ausgerüstet war. Für den Entenliebhaber vielleicht eine Alternative zum herkömmlichen Rasenmähertraktor. Ähnliche fallschirmabwurftaugliche Vehikel gab und gibt es bei vielen Armeen, die ja alle das Rad immer wieder neu erfinden müssen. So baute die Firma Namco in Griechenland ein vergleichbares Gerät, genau die Firma, die auch das Mehari-Pendant namens "Pony" in Blech zusammengebraten hat. Bekannt vielleicht auch der "Kraka" = Kraftkarren der Bundeswehr aus den 60er Jahren, faltbar(!) und, welch Seelenverwandschaft, mit einem luftgekühlten 750 ccm - 26 PS- Boxermotor ausgerüstet, hier allerdings ein gedrosseltes Exemplar aus dem BMW 700. Die Prototypen des "Kraka" krabbelten übrigens noch mit dem 400 ccm-16PS-2 Zylinder-2Takter aus dem Goggomobil umher, seinerzeit nichts anrüchiges reng-deng-ten doch hunderte von 2 Takt-DKW-Munga-Kübelwagen im Dienste der Bundeswehr umher. Heute werden überwiegend für den Militärdienst modifizierte Quads für die Zwecke der Fallschirmtruppen genutzt. Die Firma Lohr gibt es übrigens immer noch. Eine der weltweit größten Hersteller von Autotransportwagen für die Eisenbahn und eines Spur-O-Bus-Systems (Strassenbahn auf Gummirädern). Kai |
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