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Email an die Redaktion: |
Der kleine
Rundbrief für Citroën-Freunde
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Raid Australien
2008, Teil 2: Die einsamste Piste der Welt
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Nach
3 Tagen ohne Siedlung und 455 km erreichten wir die Carnegie Station. Hier
treffen sich die erfahrenen Allradfahrer, die zum Uluru (Ayers Rock) im
Zentrum des Kontinents wollen. Wiluna, die nächste nennenswerte Ortschaft,
ist 353 km entfernt, und die Hauptstadt Perth liegt mittlerweile 1320 km
hinter uns. Carnegie ist der letzte menschliche Außenposten, bevor die
legendäre Gunbarrel Highway sich in der menschenleeren Wüste verliert.
Getankt wird hier direkt aus einem riesigen Fass. Die Tanksäule, die im
Sand steht, ist nur Attrappe, der Sprit fließt mit Hilfe der Schwerkraft in
den Tank. Shayne hatte für uns eigens 3000 Liter Benzin bestellt. In einer
geduldigen Prozession füllen 55 Enten Tanks, Reservekanister und Wasser
für die nächsten 500 km auf. Der zu entrichtende Betrag wird mit dem
Taschenrechner ermittelt. Hier zahlt man alles, nächste Tankstelle: Siehe
oben.
Ein paar Lebensmittel und sogar Bier gibt es hier zu kaufen, doch unsere Invasion hat die Vorräte schnell dezimiert. Wohl dem, der vor 3 Tagen für eine Woche eingekauft hat. Bis hierhin erforderte nicht so sehr der Zustand der Piste besondere Aufmerksamkeit, sondern die Logistik, genügend Vorräte mitzuführen, ohne die Enten restlos zu überladen. Eine kaum lösbare Aufgabe, wenn man zu zweit unterwegs ist. 45 Liter Benzin und 50 Liter Wasser wiegen allein 100 rund kg. Hinzu kommen zumindest elementare Ersatzteile, Werkzeug, Campingausrüstung, ein wenig persönliches Gepäck und wir selber. Um nicht ständig aufzusetzen, sollte man möglichst viel Bodenfreiheit haben. Um bei extremen Schlaglöchern nicht einen Bruch der Federstreben zu riskieren, sollte man die Bodenfreiheit nicht höher stellen. Hier wählte jeder seinen persönlichen Kompromiss. Niedrigquerschnittreifen sind jedenfalls hier völlig unbrauchbar. |
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Die
Gunbarrel Highway erscheint uns wie eine vielbefahrene Autobahn im Vergleich
zu den Wegen, über die wir die letzten Tage gefahren sind. Schotter und
"Wellblech" machen das Fahren nicht zu einem Vergnügen. Bald
verlassen wir das Revier der Allradtouristen wieder, um auf privaten Station
Roads zur Canning Stock Road zu gelangen. Diese verwegene Piste wurde 1908
begonnen, um die Viehherden von den Stations nach Süden zu den
Schlachthöfen zu treiben. Über 1.850 km wurden in Abständen einer
Tagesetappe 48 Brunnen gegraben, um das Vieh tränken zu können.
Baufertigstellung war 1931. Reiseführer warnen, die Canning Stock Route sei
"sicher ein starkes Abenteuer für Globetrotter mit reichlich
Allrad-Erfahrung", "schwierigste aller australischen
Outback-Routen", "eine der einsamsten Pisten des Globus",...
usw. Worauf haben wir uns hier eingelassen?
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Jenseits
von Well 5 fängt die Great Sandy Desert an, die ihrem Namen alle Ehre
macht. Ab hie wären 1200 km mit hunderten von Sanddünen zu queren -
unmöglich für unsere Enten. Wir
beschränken uns auf die Strecke zwischen den ersten fünf Brunnen. Hier
wechseln sich sandige Strecken mit felsigen Abschnitten und Steilstücken
ab. Der Track quert zahlreiche Bachbetten. Kein Problem, wir sind zur
Trockenzeit unterwegs. Im "wet", der Regenzeit, ist die Route
vollig unpassierbar. Nach einer Weile, mit der richtigen Fahrtechnik, machen
die Creek-Durchquerungen richtig Spaß. Erstaunlich, was eine relativ
seriennahe Ente alles kann. Selbst 10 m steil bergan auf schierem, schroffem
Fels meistern alle Teilnehmer mit Bravour. |
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![]() Nach
60 bis 80 Jahren sind die Brunnen ziemlich verfallen. Doch einige Brunnen
sind restauriert worden, man könnte hier Wasser schöpfen. Erstaunlich,
welche Ehrfurcht man nach wenigen Tagen im Outback einer simplen
Wasserquelle entgegenbringt. An einem Galgen aus Holz hat jemand die
Jahreszahl eingeritzt: 30.3.29.
Jutta entdeckt auf der Piste einen "Thorny Devil", ein dornig aussehendes seltenes Reptil, das sich am Wegesrand sonnt. Die vermeindlichen Dornen sind tatsächlich ganz weich und laden zum Streicheln ein. Für die Entdeckung erhält sie eine Goldmedallie bei den "Raid Olympics". |
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![]() Das
Klima konserviert vieles sehr gut. Das elegante Coupé aus den fünfziger
Jahren bräuchte nur ein wenig Politur für verwitterte Lacke und vielleicht
eine kleine Inspektion...
Wir erreichen schließlich den "North Pool", einen natürlichen Tümpel, an dem sich abends die Kängurus und die Vögel der Umgebung die Klinke in die Hand geben. Große Eukalyptusbäume säumen seinen Rand. Nach so viel Sand und Staub genießen wir abends die schöne Atmosphäre dieser Oase. |
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![]() Am
Anfang der Canning Stock Road erreichen wir Wiluna, ein Bergbaustädtchen,
in dem ein hoher Anteil Aborigines lebt. Stolz weht die Fahne der
australischen Ureinwohner am Verwaltungsgebäude. In einer Galerie werden Bilder von eingeborenen
Künstlern angeboten. Nach Jahrzehnten des Stillstands erlebt der
Goldbergbau eine Renaissance. Heute sind Bergbau und Tourismus die
Einnahmequellen in dieser abgelegenen Gegend. Wir genießen das erste Eis
seit Tagen, füllen die Tanks und machen uns auf nach Meekatharra, einem
Bergbaustädtchen mit 800 Einwohnern. Der Shire of Meekatharra ist mit fast
100.000 km² deutlich größer als Österreich und beheimatet rund 1.800
Einwohner. Gedränge kommt hier nicht auf.
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Der "Picture Garden" ist
Meekatharras Kino - ohne Dach, mit Sonnenliegen als Sitzen. Der Eigentümer
zeigt uns den beeindruckenden Spielfim "The Rabbit Proof
Fence". Der kaninchendichte Zaun wurde 1907 über 1822 km durch
Westaustralien gebaut, um die Kaninchenplage aus dem Osten
aufzuhalten. Der auf einer wahren Begebenheit beruhende Film beschreibt die
Odyssee von drei Mischlingskindern, die in den 30er Jahren aus einem
Internat, in das sie zwangsweise gebracht wurden, ausreißen. Sie schaffen es
mit Hilfe des Zauns, 1500 km nach Hause zu laufen. Nachdenklich verlassen
wir an diesem Abend das Kino.
Teil 3 wird uns in den tropischen Teil von West-Australien führen. Die Gibb River Road ist eine neue Herausfordeung für Fahrer und 2CVs. Wir werden mit paradisischen Landschaften, Schluchten und Badessen belohnt. |
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