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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
29. Jahrgang 2009 - gegründet 1981
Zuletzt aktualisiert: 08. März 2009

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Ortsclub Saarbrücken: 

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Windrad, Marke "Southern Cross"

Raid Australien 2008, Teil 2: Die einsamste Piste der Welt

Wir erinnern uns: In Teil 1 berichtete ich von der riskanten Abenteuerreise mit dem 2CV ins Outback mit vielen Risiken, die sich als wunderbarer Familienausflug entpuppte. Bald lernte ich, die Ente auf losem Sand nicht festzufahren. Durch Aborigine-Gebiete und Naturparks führte die Strecke durch die menschenleere Steppe von West-Australien. Jeden Abend gab es herrliche bush camps mit Lagerfeuerromantik, einem überwältigenden Sternenhimmel und etwas obligatorischer 2CV-Wartung. Das letzte camp war an der aufgegebenen Bandya Station, wo noch Autowracks und Motorteile aus den zwanziger Jahren herumstanden. 

1958_flattire.jpg (184856 Byte)Über lange Strecken war es ein Vergnügen, die wenig befahrenen Pisten und "tracks" mit der Ente zu fahren. Nicht, dass man schnell fahren konnte, doch die Fahrspuren waren meist recht glatt, und der Vorausfahrende warnte über CB-Funk vor Wurzeln, großen Steinen, Termitenhügeln oder Auswaschungen. Das Tech-Team beschwerte sich schon leise über zu wenig Arbeit. Dem konnte abgeholfen werden, dachte Duchesse, mein englischer 2CV: Damit uns nicht zu langweilig würde, fabrizierte ich einen Platten beim Parken. Um ein Foto zu machen, rollte ich die Ente gerade etwas von der Fahrspur in den Busch. Wie wir so neben dem Wagen standen, hörte ich es plötzlich: "pssssssssssssst..". Ein eisenhartes Zweiglein hatte sich in die Seitenflanke des Reifens gebohrt. Was tun, 1500 km vom nächsten Reifenhändler entfernt? Doch wären ich noch rätselte, war Bob schon mit seinem 12-Volt-Kompressor und einem genialen Reparaturset zur Stelle, das AUF GAR KEINEN FALL für Löcher in Reifenflanken verwendet werden durfte. Der innerhalb von 5 Minuten geflickte Reifen hielt die gesamte Raid, schätzungsweise weitere 3000 km, und lebt jetzt noch als Ersatzreifen. 

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1997_bush_servo.jpg (108619 Byte)Nach 3 Tagen ohne Siedlung und 455 km erreichten wir die Carnegie Station. Hier treffen sich die erfahrenen Allradfahrer, die zum Uluru (Ayers Rock) im Zentrum des Kontinents wollen. Wiluna, die nächste nennenswerte Ortschaft, ist 353 km entfernt, und die Hauptstadt Perth liegt mittlerweile 1320 km hinter uns. Carnegie ist der letzte menschliche Außenposten, bevor die legendäre Gunbarrel Highway sich in der menschenleeren Wüste verliert. Getankt wird hier direkt aus einem riesigen Fass. Die Tanksäule, die im Sand steht, ist nur Attrappe, der Sprit fließt mit Hilfe der Schwerkraft in den Tank. Shayne hatte für uns eigens 3000 Liter Benzin bestellt. In einer geduldigen Prozession füllen 55 Enten Tanks, Reservekanister und Wasser für die nächsten 500 km auf. Der zu entrichtende Betrag wird mit dem Taschenrechner ermittelt. Hier zahlt man alles, nächste Tankstelle: Siehe oben. 

Ein paar Lebensmittel und sogar Bier gibt es hier zu kaufen, doch unsere Invasion hat die Vorräte schnell dezimiert. Wohl dem, der vor 3 Tagen für eine Woche eingekauft hat. Bis hierhin erforderte nicht so sehr der Zustand der Piste besondere Aufmerksamkeit, sondern die Logistik, genügend Vorräte mitzuführen, ohne die Enten restlos zu überladen. Eine kaum lösbare Aufgabe, wenn man zu zweit unterwegs ist. 45 Liter Benzin und 50 Liter Wasser wiegen allein 100 rund kg. Hinzu kommen zumindest elementare Ersatzteile, Werkzeug, Campingausrüstung, ein wenig persönliches Gepäck und wir selber. Um nicht ständig aufzusetzen, sollte man möglichst viel Bodenfreiheit haben. Um bei extremen Schlaglöchern nicht einen Bruch der Federstreben zu riskieren, sollte man die Bodenfreiheit nicht höher stellen. Hier wählte jeder seinen persönlichen Kompromiss. Niedrigquerschnittreifen sind jedenfalls hier völlig unbrauchbar.

2026_CSR.jpg (174256 Byte) 2032_washout.jpg (171726 Byte)Die Gunbarrel Highway erscheint uns wie eine vielbefahrene Autobahn im Vergleich zu den Wegen, über die wir die letzten Tage gefahren sind. Schotter und "Wellblech" machen das Fahren nicht zu einem Vergnügen. Bald verlassen wir das Revier der Allradtouristen wieder, um auf privaten Station Roads zur Canning Stock Road zu gelangen. Diese verwegene Piste wurde 1908 begonnen, um die Viehherden von den Stations nach Süden zu den Schlachthöfen zu treiben. Über 1.850 km wurden in Abständen einer Tagesetappe 48 Brunnen gegraben, um das Vieh tränken zu können. Baufertigstellung war 1931. Reiseführer warnen, die Canning Stock Route sei "sicher ein starkes Abenteuer für Globetrotter mit reichlich Allrad-Erfahrung", "schwierigste aller australischen Outback-Routen", "eine der einsamsten Pisten des Globus",... usw. Worauf haben wir uns hier eingelassen? 
2049_CSR.jpg (178486 Byte) 2053_upjump.jpg (204929 Byte)Jenseits von Well 5 fängt die Great Sandy Desert an, die ihrem Namen alle Ehre macht. Ab hie wären 1200 km mit hunderten von Sanddünen zu queren - unmöglich für unsere Enten. Wir beschränken uns auf die Strecke zwischen den ersten fünf Brunnen. Hier wechseln sich sandige Strecken mit felsigen Abschnitten und Steilstücken ab. Der Track quert zahlreiche Bachbetten. Kein Problem, wir sind zur Trockenzeit unterwegs. Im "wet", der Regenzeit, ist die Route vollig unpassierbar. Nach einer Weile, mit der richtigen Fahrtechnik, machen die Creek-Durchquerungen richtig Spaß. Erstaunlich, was eine relativ seriennahe Ente alles kann. Selbst 10 m steil bergan auf schierem, schroffem Fels meistern alle Teilnehmer mit Bravour. Video (mpg, 2 MB)
2028_well.jpg (101345 Byte) 2019_well4b.jpg (215405 Byte)2055_thorny_devil.jpg (265191 Byte)Nach 60 bis 80 Jahren sind die Brunnen ziemlich verfallen. Doch einige Brunnen sind restauriert worden, man könnte hier Wasser schöpfen. Erstaunlich, welche Ehrfurcht man nach wenigen Tagen im Outback einer simplen Wasserquelle entgegenbringt. An einem Galgen aus Holz hat jemand die Jahreszahl eingeritzt: 30.3.29. 

Jutta entdeckt auf der Piste einen "Thorny Devil", ein dornig aussehendes seltenes Reptil, das sich am Wegesrand sonnt. Die vermeindlichen Dornen sind tatsächlich ganz weich und laden zum Streicheln ein. Für die Entdeckung erhält sie eine Goldmedallie bei den "Raid Olympics".

2029_30.3.29.jpg (58097 Byte) 2069_north_pool.jpg (166092 Byte)2065_wreck.jpg (128292 Byte)Das Klima konserviert vieles sehr gut. Das elegante Coupé aus den fünfziger Jahren bräuchte nur ein wenig Politur für verwitterte Lacke und vielleicht eine kleine Inspektion...

Wir erreichen schließlich den "North Pool", einen natürlichen Tümpel, an dem sich abends die Kängurus und die Vögel der Umgebung die Klinke in die Hand geben. Große Eukalyptusbäume säumen seinen Rand. Nach so viel Sand und Staub genießen wir abends die schöne Atmosphäre dieser Oase.

2076_flags.jpg (121600 Byte) 2074_aboriginal_art.jpg (165368 Byte)2071_wiluna.jpg (113170 Byte)Am Anfang der Canning Stock Road erreichen wir Wiluna, ein Bergbaustädtchen, in dem ein hoher Anteil Aborigines lebt. Stolz weht die Fahne der australischen Ureinwohner am Verwaltungsgebäude. In einer Galerie werden Bilder von eingeborenen Künstlern angeboten. Nach Jahrzehnten des Stillstands erlebt der Goldbergbau eine Renaissance. Heute sind Bergbau und Tourismus die Einnahmequellen in dieser abgelegenen Gegend. Wir genießen das erste Eis seit Tagen, füllen die Tanks und machen uns auf nach Meekatharra, einem Bergbaustädtchen mit 800 Einwohnern. Der Shire of Meekatharra ist mit fast 100.000 km² deutlich größer als Österreich und beheimatet rund 1.800 Einwohner. Gedränge kommt hier nicht auf.
2084_picture_garden.jpg (95475 Byte) Der "Picture Garden" ist Meekatharras Kino - ohne Dach, mit Sonnenliegen als Sitzen. Der  Eigentümer zeigt uns den beeindruckenden Spielfim "The Rabbit Proof Fence". Der kaninchendichte Zaun wurde 1907 über 1822 km durch Westaustralien gebaut, um die Kaninchenplage aus dem Osten aufzuhalten. Der auf einer wahren Begebenheit beruhende Film beschreibt die Odyssee von drei Mischlingskindern, die in den 30er Jahren aus einem Internat, in das sie zwangsweise gebracht wurden, ausreißen. Sie schaffen es mit Hilfe des Zauns, 1500 km nach Hause zu laufen. Nachdenklich verlassen wir an diesem Abend das Kino.

Teil 3 wird uns in den tropischen Teil von West-Australien führen. Die Gibb River Road ist eine neue Herausfordeung für Fahrer und 2CVs. Wir werden mit paradisischen Landschaften, Schluchten und Badessen belohnt.

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