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Email an die Redaktion: |
Der kleine
Rundbrief für Citroën-Freunde
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Raid Australien
2008, Teil 3: Australiens heißeste Stadt und 80 Meilen Strand Wir erinnern uns: Teil 1 handelte von der Abenteuerreise mit dem 2CV ins Outback mit vielen Risiken, die sich als wunderbarer Familienausflug entpuppte. Durch Aborigine-Gebiete und Naturparks führte die Strecke durch die menschenleere Steppe von West-Australien. Jeden Abend gab es herrliche bush camps mit Lagerfeuerromantik, einem überwältigenden Sternenhimmel und etwas obligatorischer 2CV-Wartung. In Teil 2 durchquerten wir mit unseren Enten eine der einsamsten Gegenden des Kontinents auf Pisten, wo das letzte Auto vor einem Jahr gefahren ist und die ganz bestimmt nur für Allradfahrzeuge geeignet sind. Eine Ankündigung, die sich als völlig gegenstandslos herausgestellt hat. Zumindest für den ersten Abschnitt und für 2CVs. Na gut, mit einem vollbesetzten Ford Scorpio wäre man auf der Canning Stock Road vermutlich nach 5 Kilometern am Ende gewesen. |
Sonnenaufgang am
Burringurrah
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![]() Lieblingssitzplatz der Kinder
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Wenige Kilometern nach Meekathara verlassen
wir die "Great Northern Highway", eine geteerte Verbindung von
Perth nach Darwin im Northern Territory. Nach 300 km Wellblechpiste
passieren wir die Burringurrah Community. Die dünn besiedelte
Aborigine-Gemeinde hat eine Fläche von 70 x 100 km. Hier kommen selten
Besucher vorbei. Die "Burringurrah Remote Community School"
im Zentrum des Areals hat uns eingeladen, den Kindern unsere 2CVs zu
zeigen.
Rasch überwindet auf beiden Seiten die Neugier die anfängliche Scheu. Die Enten begeistern die Kinder wie überall auf der Welt. Während Joe den Kindern unsere Route auf der Karte auf seiner Motorhaube zeigt, kommt der Post-LKW und bringt mehrere Päckchen - die wichtigste Verbindung mit der Außenwelt. Alles, was man hier braucht, wird bestellt. Wenn man etwas vergessen hat, muss man eine Woche auf die nächste Lieferung warten. Hier ist sicher kein Ort für Stadtmenschen. Ein, zwei mal im Jahr fährt die Lehrerin in die nächste Stadt. Letztes Mal, berichtet sie, war dies ein teurer Ausflug für sie: Benzin für 600 km, und unterwegs ist ihr auf der Schotterpiste auch noch ein Reifen geplatzt. Der Name der Gemeinde kommt vom nahe gelegenen Mt. Augustus, der in der Eingeborenensprache Burringurrah genannt wird. Er ist ungefähr zwei mal so groß wie der viel besuchte Ayers Rock oder Uluru, wie die Aborigines sagen, und erhebt sich 750 m über die umgebende Ebene. Laut Guinnes-Buch der Rekorde blicken wir am nächsten Morgen im Sonnenaufgang auf den gößten Felsblock der Erde. |
![]() Wildblumen |
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Eine kurze Tagesetappe ermöglicht es uns, den Nationalpark zu erwandern. Im Park gibt es kein Weidevieh, und so können sich für uns exotische Wildblumen wie bunte Teppiche bis zum Horizont ausbreiten. Die Aborigines haben an vielen besonderen Stellen Felsritzungen hinterlassen. Eine ist besonders unzugänglich: Man muss unter einen tonnenschweren Felsbrocken kriechen, um die Zeichnungen sehen zu können. Am Fuße des Berges gibt es eine große Wasserstelle - in der Trockenzeit eine Leben spendende Oase. Ein modernes Warnschild reißt uns aus unseren Träumen von unberührter Natur und unbeschwertem Leben: Wir befinden uns in einer "Swing Risk Area", übersetzt etwa "Schaukel-Gefahren-Gebiet". Das Schild hat einen Ehrenplatz in meiner "Vorsicht Schild!-Sammlung erhalten. |
![]() Am südlichen Wendekreis |
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Bei der Weiterfahrt kommt es zu einem der wenigen ungeplanten Zwischenhalte: "flat tire" - der zweite Plattfuß. 999.999 spitzen Steinen bin ich ausgewichen, den 1.000.000sten habe ich übersehen. Kaum habe ich angehalten, hat der nächste Raider den Wagenheber schon angesetzt, der dritte macht die Radmuttern los, und in fünf Minuten ist der Spuk vorbei. Abends lerne ich (gezwungenermaßen), wie man im Outback einen Reifen abzieht. Mit Spezialflicken für Mäntel und zusätzlichem Schlauch kann ich mir einen brauchbaren Ersatzreifen retten. Meine 135er Toyos sind für asphaltierte Straßen sicher gut; für lange Strecken auf zum Teil scharfkantigem Schotter haben sich jedoch 145er oder sogar 155er Winterreifen mit kräftigen Flanken (z.B. von Vredestein) besser bewährt. |
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![]() Pool im Kairjini-Nationalpark |
Mit dem Überqueren des südlichen Wendekreises
werden nicht nur die Temperaturen angenehmer, auch die Landschaft zeigt sich
abwechslungsreicher. Im Karijini-Nationalpark bewundern wir steile
Schluchten in tiefrotem Urgestein mit paradiesischen Seen, in denen man unter
kleinen Wasserfällen "duschen" kann. Bis zu fünf Meter hohe
Termitenhügel säumen die Straße. Wir nutzen einen der wenigen freien Tage
zum ausgiebigen Wandern in den Schluchten.
In der Nähe von Newman entdecken wir an den Ufern eines ausgetrockneten Flusses alte Felsritzungen der Aborigines. Je länger man schaut, desto mehr Zeichnungen findet man. Manche sehen recht neu aus, doch manche sind schon so verwittert, als wären sie Jahrhunderte alt. Mit etwas Fantasie kann man z.B. lebensgroße Ritzungen von Kängurus erkennen (Foto rechts). |
![]() Wanna Munna-Felsritzungen |
![]() Vorsicht Schild, die dritte: Wegweiser nach Skull Springs |
Newman ist eine Bergbaustadt, die in den 1960er Jahren mitten in der Weite des nördlichen Westaustraliens für die Arbeiter im weltgrößten Eisenerz-Tagebau aus dem Boden gestampft wurde. Damit hier überhaupt Arbeiter hingehen, erhalten sie tatsächlich eine Buschprämie (hohe Löhne und geringere Steuern). Für uns ist Newman ein kurzer Zwischenstop in der "Zivilisation" (Duschen, Wäsche waschen, Einkaufen, Essen gehen, ...), wobei der völlig überforderte Zeltplatz eher an ein Flüchtlingslager erinnert. Freudig tauchen wir nach 2 Nächten wieder in den Busch ab. "Skull Springs" heißt unser nächstes Ziel, angekündigt durch einen höchst originellen Wegweiser, der aus zwei Tierschädeln (skull) und mehreren Autofedern (springs) besteht (Foto links). Gemeint sind natürlich die Quellen (springs), die eine Oase aus über 40 m hohen Paperbark-Bäumen (Melaleuca Leucadendra) mit Wasser versorgen (rechts). |
![]() Paperbark Trees in Skull Springs |
![]() Die erste Furt |
Am nächsten Morgen herrscht Aufregung: Es gibt Gerüchte, dass der Oakover River zu tief für unsere Enten ist. Dies würde für uns einen riesigen Umweg bedeuten. Der Organisator beschließt, vorzufahren und per CB-Funk Bescheid zu sagen. Wir warten und hören - nichts. Entweder er kämpft noch mit den reißenden Fluten, oder sein CB-Funk reicht nicht so weit. Nach bangem Warten fahren wir schließlich ebenfalls richtung Furt. Der Fluss entpuppt sich als gemächlich dahinfließender Wasserlauf, der nirgends tiefer als 30 cm ist. Alle kommen durch, bis auf einen erfahrenene Raiderin, deren Motor im Wasser ausgeht. Mit vereinten Kräften schieben wir die Ente an Land. Rasch ist die Zündung getrocknet, und es kann weiter gehen. |
![]() Desert Pea |
![]() Vorsicht Schild, die vierte |
Eine typisch australische
Erscheinung sind die Road Trains, Lastzüge von Ausmaßen, die in Europa
unvorstellbar sind. Zunächst belächelten wir das Verkehrsschild, das einen
Sattelschlepper mit vier Anhängern darstellt. Doch als wir plötzlich am
Horizont eine Staubwolke auf uns zukommen sahen, ziehen wir es doch vor,
unsere Enten auf der Windseite im Straßengraben zu verstecken, bis der Zug
vorbei ist. Die Könige der Piste prügeln ihre Road Trains auch über
Schotterstraßen mindestens mit 100 km/h. Auf einem Parkplatz können wir
uns von den riesigen Dimensionen der über 50 m langen Züge im Vergleich
zur Ente überzeugen. Es gibt tatsächlich welche mit vier Anhängern. Für
lokale Anlieferungen in der Altstadt von Düsseldorf dürften diese
Fahrzeuge eher ungeeignet sein.
Die Straße nach Marble Bar ist für ihren Gestank bekannt. Der rührt nicht etwa von Stinktieren oder Kuhfladen her, sondern von den Kadavern totgefahrener Kühe, Kamele, Kängurus und Emus, die hier den highway säumen. Ein Road Train bremst nicht wegen einer streunenden Kuh. "Ich bremse auch für Road Trains." |
![]() Kings of the Road |
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Das Thermometer klettert inzwischen täglich auf mehr als 30, manchmal auch 35°C. Mittlerweile sind wir so nah am Äquator, dass wir jede Gelegenheit zum Baden begrüßen. In Marbel Bar gibt es hierfür eine besonders schöne Stelle: Der Coongan River ist durch eine natürliche Schwelle aus Jasper aufgestaut. Der Halbedelstein scheint in allen Farben, besonders wenn er nass ist. Die ersten Siedler hatten den Fels irrtümlich für Marmor gehalten und die Ortschaft "Marble Bar" - "Marmor-Sperre" getauft. Die Gemeinde wirbt mit dem Attribut "hottest town in Australia". Von Oktober 1923 bis April 1924 fiel das Thermometer für 160 Tage kein mal unter 37,7°C. Sie kann mit einem weiteren Superlativ aufwarten: Marble Bar ist die Hauptstadt des Shire of East Pilbara, des größten Landkreises der Welt. Auf 371.696 km² leben 10.500 Einwohner (zum Vergleich: Deutschland hat 357.026 km² und 82,5 Mio. Einwohner). |
![]() Marble Bar |
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Nach so viel Wüste sehnen wir uns
nach dem Meer. Nach über drei Wochen sollen wir den Indischen Ozean
erreichen. Doch hier gibt es praktisch keine Touristen-Resorts, keine
Badeorte, nur wenige einfache Zeltplätze am Meer. Zu heiß und vor allem
schwül ist das Klima die meiste Zeit im Jahr. Trotzdem fahren wir
begeistert auf den "80 mile beach", einen traumhaften 80 Meilen
langen Sandstrand. Zu Baden trauen wir uns nicht, da keiner sagen kann, ob
es hier nicht Haie gibt. So genießen wir die Seeluft und reihen uns zu
einem besonderen Gruppenfoto mit finnischer Fahne auf. Abends werden wir auf
dem Campingplatz von Port Smith Lagoon herzlich empfangen. Bei einem Buffet
im Freien, Live-Musik von Aborigines, Spiel und Tanz genießen wir die
tropische Abendluft.
Im nächsten Teil berichtet Karsten von der letzten Etappe der Raid durch die Kimberleys und der Fahrt bis Darwin. |
Link zu 50 2CVs auf 80 Meilen Sandstrand auf youtube |
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