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Der kleine Rundbrief für Citroën-Freunde
29. Jahrgang 2009 - gegründet 1981
Zuletzt aktualisiert: 25. August 2009

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Ortsclub Saarbrücken: 

Raid Australien 2008, Teil 3: 
Australiens heißeste Stadt und 80 Meilen Strand

Wir erinnern uns: Teil 1 handelte von der Abenteuerreise mit dem 2CV ins Outback mit vielen Risiken, die sich als wunderbarer Familienausflug entpuppte. Durch Aborigine-Gebiete und Naturparks führte die Strecke durch die menschenleere Steppe von West-Australien. Jeden Abend gab es herrliche bush camps mit Lagerfeuerromantik, einem überwältigenden Sternenhimmel und etwas obligatorischer 2CV-Wartung. In Teil 2 durchquerten wir mit unseren Enten eine der einsamsten Gegenden des Kontinents auf Pisten, wo das letzte Auto vor einem Jahr gefahren ist und die ganz bestimmt nur für Allradfahrzeuge geeignet sind. 

Eine Ankündigung, die sich als völlig gegenstandslos herausgestellt hat. Zumindest für den ersten Abschnitt und für 2CVs. Na gut, mit einem vollbesetzten Ford Scorpio wäre man auf der Canning Stock Road vermutlich nach 5 Kilometern am Ende gewesen. 

Sonnenaufgang am Burringurrah
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Lieblingssitzplatz der Kinder

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Joe zeigt unsere Route auf der aufgemalten Australien- Karte

Wenige Kilometern nach Meekathara verlassen wir die "Great Northern Highway", eine geteerte Verbindung von Perth nach Darwin im Northern Territory. Nach 300 km Wellblechpiste passieren wir die Burringurrah Community. Die dünn besiedelte Aborigine-Gemeinde hat eine Fläche von 70 x 100 km. Hier kommen selten Besucher vorbei. Die "Burringurrah Remote Community School" im Zentrum des Areals hat uns eingeladen, den Kindern unsere 2CVs zu zeigen. 

Rasch überwindet auf beiden Seiten die Neugier die anfängliche Scheu. Die Enten begeistern die Kinder wie überall auf der Welt. Während Joe den Kindern unsere Route auf der Karte auf seiner Motorhaube zeigt, kommt der Post-LKW und bringt mehrere Päckchen - die wichtigste Verbindung mit der Außenwelt. Alles, was man hier braucht, wird bestellt. Wenn man etwas  vergessen hat, muss man eine Woche auf die nächste Lieferung warten. Hier ist sicher kein Ort für Stadtmenschen. Ein, zwei mal im Jahr fährt die Lehrerin in die nächste Stadt. Letztes Mal, berichtet sie, war dies ein teurer Ausflug für sie: Benzin für 600 km, und unterwegs ist ihr auf der Schotterpiste auch noch ein Reifen geplatzt. 

Der Name der Gemeinde kommt vom nahe gelegenen Mt. Augustus, der in der Eingeborenensprache Burringurrah genannt wird. Er ist ungefähr zwei mal so groß wie der viel besuchte Ayers Rock oder Uluru, wie die Aborigines sagen, und erhebt sich 750 m über die umgebende Ebene. Laut Guinnes-Buch der Rekorde blicken wir am nächsten Morgen im Sonnenaufgang auf den gößten Felsblock der Erde. 

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Wildblumen

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Am Emu Hill Lookout

K2147_Swing_Risk_Area.jpg (230766 Byte) Eine kurze Tagesetappe ermöglicht es uns, den Nationalpark zu erwandern. Im Park gibt es kein Weidevieh, und so können sich für uns exotische Wildblumen wie bunte Teppiche bis zum Horizont ausbreiten. Die Aborigines haben an vielen besonderen Stellen Felsritzungen hinterlassen. Eine ist besonders unzugänglich: Man muss unter einen tonnenschweren Felsbrocken kriechen, um die Zeichnungen sehen zu können. Am Fuße des Berges gibt es eine große Wasserstelle - in der Trockenzeit eine Leben spendende Oase. Ein modernes Warnschild reißt uns aus unseren Träumen von unberührter Natur und unbeschwertem Leben: Wir befinden uns in einer "Swing Risk Area", übersetzt etwa "Schaukel-Gefahren-Gebiet". Das Schild hat einen Ehrenplatz in meiner "Vorsicht Schild!-Sammlung erhalten. K2171_Tropic_of_Capricorn.jpg (155122 Byte)
Am südlichen Wendekreis 
K2164_flat_tire.jpg (208660 Byte) Bei der Weiterfahrt kommt es zu einem der wenigen ungeplanten Zwischenhalte: "flat tire" - der zweite Plattfuß. 999.999 spitzen Steinen bin ich ausgewichen, den 1.000.000sten habe ich übersehen. Kaum habe ich angehalten, hat der nächste Raider den Wagenheber schon angesetzt, der dritte macht die Radmuttern los, und in fünf Minuten ist der Spuk vorbei. Abends lerne ich (gezwungenermaßen), wie man im Outback einen Reifen abzieht. Mit Spezialflicken für Mäntel und zusätzlichem Schlauch kann ich mir einen brauchbaren Ersatzreifen retten. Meine 135er Toyos sind für asphaltierte Straßen sicher gut; für lange Strecken auf zum Teil scharfkantigem Schotter haben sich jedoch 145er oder sogar 155er Winterreifen mit kräftigen Flanken (z.B. von Vredestein) besser bewährt. K2174_tire_repair.jpg (236214 Byte)
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Pool im Kairjini-Nationalpark
Mit dem Überqueren des südlichen Wendekreises werden nicht nur die Temperaturen angenehmer, auch die Landschaft zeigt sich abwechslungsreicher. Im Karijini-Nationalpark bewundern wir steile Schluchten in tiefrotem Urgestein mit paradiesischen Seen, in denen man unter kleinen Wasserfällen "duschen" kann. Bis zu fünf Meter hohe Termitenhügel säumen die Straße. Wir nutzen einen der wenigen freien Tage zum ausgiebigen Wandern in den Schluchten. 

In der Nähe von Newman entdecken wir an den Ufern eines ausgetrockneten Flusses alte Felsritzungen der Aborigines. Je länger man schaut, desto mehr Zeichnungen findet man. Manche sehen recht neu aus, doch manche sind schon so verwittert, als wären sie Jahrhunderte alt. Mit etwas Fantasie kann man z.B. lebensgroße Ritzungen von Kängurus erkennen (Foto rechts).

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Wanna Munna-Felsritzungen 
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Vorsicht Schild, die dritte: Wegweiser nach Skull Springs
Newman ist eine Bergbaustadt, die in den 1960er Jahren mitten in der Weite des nördlichen Westaustraliens für die Arbeiter im weltgrößten Eisenerz-Tagebau aus dem Boden gestampft wurde. Damit hier überhaupt Arbeiter hingehen, erhalten sie tatsächlich eine Buschprämie (hohe Löhne und geringere Steuern). Für uns ist Newman ein kurzer Zwischenstop in der "Zivilisation" (Duschen, Wäsche waschen, Einkaufen, Essen gehen, ...), wobei der völlig überforderte Zeltplatz eher an ein Flüchtlingslager erinnert. Freudig tauchen wir nach 2 Nächten wieder in den Busch ab. "Skull Springs" heißt unser nächstes Ziel, angekündigt durch einen höchst originellen Wegweiser, der aus zwei Tierschädeln (skull) und mehreren Autofedern (springs) besteht (Foto links). Gemeint sind natürlich die Quellen (springs), die eine Oase aus über 40 m hohen Paperbark-Bäumen (Melaleuca Leucadendra) mit Wasser versorgen (rechts). K2274_skull_springs.jpg (217620 Byte)
Paperbark Trees in Skull Springs
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Die erste Furt
Am nächsten Morgen herrscht Aufregung: Es gibt Gerüchte, dass der Oakover River zu tief für unsere Enten ist. Dies würde für uns einen riesigen Umweg bedeuten. Der Organisator beschließt, vorzufahren und per CB-Funk Bescheid zu sagen. Wir warten und hören - nichts. Entweder er kämpft noch mit den reißenden Fluten, oder sein CB-Funk reicht nicht so weit. Nach bangem Warten fahren wir schließlich ebenfalls richtung Furt. Der Fluss entpuppt sich als gemächlich dahinfließender Wasserlauf, der nirgends tiefer als 30 cm ist. Alle kommen durch, bis auf einen erfahrenene Raiderin, deren Motor im Wasser ausgeht. Mit vereinten Kräften schieben wir die Ente an Land. Rasch ist die Zündung getrocknet, und es kann weiter gehen. K2285_Desert_pea.jpg (185914 Byte)
Desert Pea

Vorsicht Schild, die vierte
Eine typisch australische Erscheinung sind die Road Trains, Lastzüge von Ausmaßen, die in Europa unvorstellbar sind. Zunächst belächelten wir das Verkehrsschild, das einen Sattelschlepper mit vier Anhängern darstellt. Doch als wir plötzlich am Horizont eine Staubwolke auf uns zukommen sahen, ziehen wir es doch vor, unsere Enten auf der Windseite im Straßengraben zu verstecken, bis der Zug vorbei ist. Die Könige der Piste prügeln ihre Road Trains auch über Schotterstraßen mindestens mit 100 km/h. Auf einem Parkplatz können wir uns von den riesigen Dimensionen der über 50 m langen Züge im Vergleich zur Ente überzeugen. Es gibt tatsächlich welche mit vier Anhängern. Für lokale Anlieferungen in der Altstadt von Düsseldorf dürften diese Fahrzeuge eher ungeeignet sein.

Die Straße nach Marble Bar ist für ihren Gestank bekannt. Der rührt nicht etwa von Stinktieren oder Kuhfladen her, sondern von den Kadavern totgefahrener Kühe, Kamele, Kängurus und Emus, die hier den highway säumen. Ein Road Train bremst nicht wegen einer streunenden Kuh. "Ich bremse auch für Road Trains."

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Kings of the Road
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Das Thermometer klettert inzwischen täglich auf mehr als 30, manchmal auch 35°C. Mittlerweile sind wir so nah am Äquator, dass wir jede Gelegenheit zum Baden begrüßen. In Marbel Bar gibt es hierfür eine besonders schöne Stelle: Der Coongan River ist durch eine natürliche Schwelle aus Jasper aufgestaut. Der Halbedelstein scheint in allen Farben, besonders wenn er nass ist. Die ersten Siedler hatten den Fels irrtümlich für Marmor gehalten und die Ortschaft "Marble Bar" - "Marmor-Sperre" getauft. Die Gemeinde wirbt mit dem Attribut "hottest town in Australia". Von Oktober 1923 bis April 1924 fiel das Thermometer für 160 Tage kein mal unter 37,7°C. Sie kann mit einem weiteren Superlativ aufwarten: Marble Bar ist die Hauptstadt des Shire of East Pilbara, des größten Landkreises der Welt. Auf 371.696 km² leben 10.500 Einwohner (zum Vergleich: Deutschland hat 357.026 km² und 82,5 Mio. Einwohner). K2302_Marble_Bar.jpg (221646 Byte)
Marble Bar
K2349_Port_Smith_lagoon.jpg (80037 Byte) Nach so viel Wüste sehnen wir uns nach dem Meer. Nach über drei Wochen sollen wir den Indischen Ozean erreichen. Doch hier gibt es praktisch keine Touristen-Resorts, keine Badeorte, nur wenige einfache Zeltplätze am Meer. Zu heiß und vor allem schwül ist das Klima die meiste Zeit im Jahr. Trotzdem fahren wir begeistert auf den "80 mile beach", einen traumhaften 80 Meilen langen Sandstrand. Zu Baden trauen wir uns nicht, da keiner sagen kann, ob es hier nicht Haie gibt. So genießen wir die Seeluft und reihen uns zu einem besonderen Gruppenfoto mit finnischer Fahne auf. Abends werden wir auf dem Campingplatz von Port Smith Lagoon herzlich empfangen. Bei einem Buffet im Freien, Live-Musik von Aborigines, Spiel und Tanz genießen wir die tropische Abendluft.

Im nächsten Teil berichtet Karsten von der letzten Etappe der Raid durch die Kimberleys und der Fahrt bis Darwin.

K2352_Port_Smith_lagoon.jpg (116670 Byte)

Link zu 50 2CVs auf 80 Meilen Sandstrand auf youtube

K2339_80milebeach.JPG (127512 Byte)

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